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·7. August 2026

17 Millionen für Salah – Trabzonspors Wette auf sich selbst

Artikelbild:17 Millionen für Salah – Trabzonspors Wette auf sich selbst

Null Ablöse. Zwei Jahre Laufzeit. 17 Millionen Euro netto pro Saison. Trabzonspor hat Mohamed Salah verpflichtet, ohne einen Cent Transfersumme zu überweisen – und trotzdem ist es der teuerste Vorgang der Klubgeschichte.

Zehn Millionen Grundgehalt, sieben Millionen Handgeld

Der Klub ist börsennotiert, also musste er liefern. In der Mitteilung an die türkische Börsenaufsichtsplattform KAP steht die Struktur des Vertrags: zehn Millionen Euro Jahresgehalt plus sieben Millionen Euro Handgeld – jährlich, nicht einmalig. Macht 17 Millionen garantiert, Laufzeit bis Sommer 2028. Dazu kommen erfolgsabhängige Prämien, eine Beteiligung an den Erlösen aus Salah-Merchandise und eine Beraterprovision von fünf Prozent des Bruttogehalts.


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Über die Höhe der Merchandise-Beteiligung gibt es widersprüchliche Angaben. Türkische Medien berichteten von 20 Prozent, Präsident Ertuğrul Doğan widersprach den kolportierten Zahlen ausdrücklich, ohne eigene zu nennen. Einzelne Berichte führen zusätzlich ein Handgeld von fünf Millionen und eine Beteiligung von 25 Prozent auf. Wer die Rentabilität dieses Deals ausrechnen will, rechnet also mit einer Variablen, die niemand kennt.

Die Ablöse war nie das Risiko

Transfermarkt führt Salah mit 22 Millionen Euro Marktwert, Anfang Juni um acht Millionen nach unten korrigiert. Er ist damit immer noch der wertvollste Spieler seines Jahrgangs. Nur: Diese 22 Millionen waren für Liverpool nie einzusammeln. Der Vertrag lief bis 2027, beide Seiten lösten ihn nach dem offenen Zerwürfnis mit Arne Slot vorzeitig auf. Am 1. Juli war Salah vereinslos.

Wer den Deal also damit verteidigt, dass keine Ablöse fällig wurde, verteidigt gegen eine Kostenstelle, die es gar nicht gab. Das Risiko sitzt komplett im Gehalt: mindestens 34 Millionen Euro garantiert über zwei Jahre, Prämien nicht eingerechnet.

Und die Leistungskurve, auf die gewettet wird, sieht so aus: 2024/25 kam Salah in der Premier League auf 38 Spiele, 29 Tore, 18 Vorlagen – eine der besten Einzelsaisons der Ligageschichte. 2025/26 waren es 22 Spiele, fünf Tore, sechs Vorlagen, dazwischen Bankplätze, eine öffentliche Eskalation im Dezember und im März eine Muskelverletzung. Der Absturz von 29 auf fünf Tore ist die eigentliche Zahl dieses Transfers.

100.000 Trikots, die falsche Nummer

Die kommerzielle Seite ist real. Nach der KAP-Meldung schloss die Aktie TSPOR mit 6,52 Prozent im Plus bei 0,98 Lira, zwei Tage zuvor hatte sie noch bei 0,92 gestanden; am 5. August lief sie über 1,02. Vor den TS-Club-Filialen bildeten sich Schlangen, der Fan-Token zog mit. Das ist die Sorte Aufmerksamkeit, für die ein Klub am Schwarzen Meer sonst Jahre braucht.

Nur produzierte Trabzonspor vorab 100.000 Trikots mit der Nummer 11 – Salahs Liverpool-Nummer. Kurz vor der Unterschrift bat der Ägypter um die 10, die er in der Nationalmannschaft trägt. Ernest Muçi räumte sie und trägt künftig die 7. Der Klub musste anschließend Kunden entschädigen, die längst eine 11 gekauft hatten. Die Merchandise-Maschine, mit der dieses Gehalt refinanziert werden soll, begann ihre Arbeit mit einer sechsstelligen Fehlcharge.

Ein Kader für Platz drei – und ein Gehalt für Platz eins

Sportlich ist die Ansage kleiner, als sie klingt. Trabzonspor wurde Dritter, 69 Punkte, acht hinter Meister Galatasaray. Der Kaderwert liegt laut Transfermarkt inklusive Salah bei 157 Millionen Euro – gegenüber 332 Millionen bei Fenerbahçe, 323 bei Galatasaray und 202 bei Beşiktaş. Trabzonspor ist also auch nach dem größten Transfer seiner Geschichte die Nummer vier nach Kadermarktwert. Ein 34-jähriger Flügelstürmer schließt diese Lücke nicht.

Der Pokalsieg gegen Konyaspor, beide Tore von Paul Onuachu, brachte immerhin das Play-off-Ticket zur Europa League. Am 20. und 27. August geht es gegen den Sieger aus Ferencváros und Górnik Zabrze. Scheitert Trabzonspor, ist es die Conference League. Die internationale Bühne, mit der sich 17 Millionen leichter erklären lassen, muss erst noch erspielt werden.

Wer trägt hier eigentlich das Risiko?

Doğan sagte bei A Spor, man habe einen Spieler wie ihn gebraucht, und behauptete bei der Vorstellung vor rund 25.000 Zuschauern im Papara Park, Salah habe deutlich lukrativere Angebote ausgeschlagen. Das mag stimmen. Es ändert nichts an der Asymmetrie des Geschäfts.

Die Frage ist nicht, ob 17 Millionen zu viel sind für einen Spieler, der letzte Saison fünfmal getroffen hat. Die Frage ist, wer das Risiko trägt, wenn er wieder fünfmal trifft. Die Gehaltszahlung ist vertraglich fixiert, die Trikotverkäufe sind es nicht. Über den Tisch gezogen wurde hier niemand – Trabzonspor hat nur seine gesamte Rendite an Ereignisse gekoppelt, die noch nicht eingetreten sind.

Ablösefrei heißt nicht umsonst. Es heißt nur, dass die Rechnung später kommt.

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