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·28. Januar 2026

3. Liga in der Saison 2026/27 ohne Ostvereine? Es wäre ein Novum

Artikelbild:3. Liga in der Saison 2026/27 ohne Ostvereine? Es wäre ein Novum

Dort, wo der Sport aus langer Tradition heraus eine besondere Bedeutung hat, droht – nach jetzigem Stand – in der Saison 2026/27 eine große Lücke: eine 3. Liga komplett ohne Ostvereine – es wäre ein Novum. Auch wenn das Szenario noch mit einiger Spekulation zu betrachten ist, so bestätigt es einen schleichenden Trend, der Sorge macht.

Aue runter, Cottbus und Hansa hoch?

Bei den einen könnte die Freude kaum größer sein, bei den anderen regiert der Frust an diesem Wochenende. Ganz oben im Nordosten jubelte Hansa Rostock über den 4:0-Auswärtssieg bei Waldhof Mannheim vor über 2.000 Fans, die die (mindestens) sieben Stunden lange Rückfahrt mit jeder Menge Kaltgetränken begossen. Ganz unten, im südlichen Sachsen, ist Katerstimmung bei Erzgebirge Aue eingezogen. Das 0:3 gegen den direkten Kontrahenten SSV Ulm bedeutete den Sturz auf einen Abstiegsrang – und die Leistung im zweiten Durchgang machte fast noch nachdenklicher als das reine Ergebnis. Der Blick auf die Tabelle zeigt: Hansa klopft oben an, Herbstmeister Energie Cottbus nach dem 2:1-Sieg über Schlusslicht Schweinfurt sowieso. Und in Aue sollte spätestens jetzt wieder akut zweigleisig geplant werden.


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Das Szenario, das alle drei verbliebenen Ostvereine die 3. Liga in diesem Sommer verlassen, ist aktuell realistischer denn je. Natürlich: Aue könnte noch an Vereinen wie Saarbrücken, Aachen oder Regensburg vorbeiziehen – insbesondere die Harmlos-Offensive und der Mangel an Mitteln, diese aufzurüsten, spricht aber dagegen. In der Spitzenregion der Tabelle steckt wiederum mit dem kleinen, aber spielerisch beachtlichen SC Verl, dem furiosen Aufsteiger aus Duisburg sowie Essen und Osnabrück noch eine ganze Menge westdeutsche Zweitliga-Ambition. Mindestens zum Mitfavoritenkreis zählen Energie und Hansa aber längst. Doch würde denn zumindest jemand "nachrücken", wenn die letzten Teams der neuen Bundesländer ihren Trend bestätigen?

Magdeburg und Dresden im Aufwärtstrend

Selbst das ist fraglicher denn je: In der Zweitklassigkeit überzeugt Dynamo Dresden seit dem Winter-Restart mit einer runderneuerten Truppe, die mit zwei Siegen in Folge drauf und dran ist, die Abstiegsplätze zu verlassen. Der 1. FC Magdeburg – jüngst im Ost-Klassiker der SGD 1:2 unterlegen – hat sich seinerseits nach verpatztem Saisonstart aufgerafft und hat sportlich alle Argumente, die Liga souverän zu halten. Die Regionalliga Nordost wiederum hat zumindest mit dem derzeit dominierenden Trio Lok Leipzig, Carl Zeiss Jena und Rot-Weiss Erfurt eine Menge Tradition im Köcher, doch die Bilanz in der ungeliebten Aufstiegsrelegation ist erschreckend – und ein wesentlicher Grund dafür, warum sich die Zahl der Ost-Drittligisten zuletzt sukzessive reduziert hat. Auch in diesem Sommer warten auf den Meister wieder Entscheidungsspiele, dieses Mal gegen das Pendant aus der Bayern-Staffel. Erst 2027 erhält der NOFV wieder einen direkten Aufstiegsrang.

Kurzum: Es müsste noch immer einiges schiefgehen, damit die 3. Liga ab Juli ganz ohne Ostklub dasteht. Doch selbst ein Szenario mit nur noch einem Vertreter wäre für die neuen Bundesländer ein harter Schlag, sind die internen Derbys doch stets Zuschauermagneten in Stadien und vor dem Fernseher zugleich. Es wäre übrigens auch ein absolutes Novum in der bald 18 Jahre alten Historie der Spielklasse, in der sich in der Regel drei bis fünf Ostvereine tummelten – 2015/16 und 2017/18 waren es sogar jeweils sieben, sodass Monat für Monat brisante direkte Vergleiche anstanden und liga3-online über viele Jahre den Ostmeister küren konnte.

Regionalliga: Ein halbes Dutzend Ex-Drittligisten steckt fest

Davon ist in der Gegenwart wenig übrig. Von den klangvollen Namen, die sich verabschiedeten, ging es im Laufe der Jahre für viele nach unten und nur wenige nach oben: Nur Magdeburg hat sich – neben "Gründungsmitglied" Union Berlin sowie RB Leipzig, deren Drittliga-Zeit weit zurückliegt – oberhalb der 3. Liga dauerhaft etabliert. Dynamo Dresden und Hansa Rostock probieren es eifrig, gelten aber als klassische Fahrstuhlteams. Deutlich größer ist die Zahl derer, die in der Regionalliga feststecken wie in Treibsand: Jena, Erfurt, Zwickau, Halle, Chemnitz und Babelsberg – bis auf Letztgenannten alle mit modernen Stadien für den Profisport ausgestattet – hängen fest. Die Jahre vergehen, Erfurt wartet beispielsweise schon im achten Jahr auf Profifußball, bei Chemnitz sind es sechs, bei Babelsberg 12. Da wundert es kaum, dass genau diese Vereine zuerst ihre Unterschrift unter das mittlerweile national diskutierte Projekt "Aufstiegsreform 2025" setzten.

Angesichts der Masse an abgestürzten Ostklubs würde aber selbst ein dauerhafter Aufstiegsplatz das Nadelöhr nur vergrößern, nicht aber auflösen. Zumal die Frage bleibt: Wie konkurrenzfähig ist ein Ost-Verein, der nicht aus einem der wenigen großen Wirtschaftszentren stammt und viele Jahre nicht mehr auf Profi-Niveau unterwegs war, in einem Sport, der mehr denn je von der Vermarktung lebt? Können die genannten Ex-Drittligisten den wachsenden strukturellen Nachteilen des Ostens trotzen, an denen sich auch der schrittweise sportliche Rückschritt von Erzgebirge Aue erklärt? Könnte sich in Leipzig im Schatten des umstrittenen Projektes RB nach langer Zeit ein zweiter Verein etablieren? Die Attraktivität des Ostens lässt sich an den Regionalliga-Zuschauerzahlen ablesen: 7 (!) Vereine bewegen sich zwischen 5.000 und 8.000 Besuchern pro Spiel. Es mag der simpelste und zugleich größte Beweis dafür sein, wie sehr diese Duelle der 3. Liga fehlen würden.

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