90PLUS
·5. August 2026
35 Spieler, 28 Plätze – und noch kein einziger Abgang

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·5. August 2026

35 Spieler sind mit RB Leipzig ins Trainingslager nach Saalfelden gereist. 28 sollen es zum Bundesligastart sein. Und abgeschlossen ist bislang: nichts. Weder ein Verkauf noch der eine große Transfer, über den in Leipzig seit Wochen geredet wird.
Marcel Schäfer wurde in Österreich deutlich, ohne einen einzigen Namen zu nennen. Man müsse „schon reduzieren“, sagte der Geschäftsführer Sport, zu viel Unzufriedenheit in Kabine und auf dem Platz wolle man vermeiden. Das ist die offizielle Version.
Die Namensliste stammt von der „Bild“ und wurde von Transfermarkt aufgegriffen. Sechs Profis führt sie an, für die RB zusammengerechnet 107 Millionen Euro Ablöse bezahlt hat, in einer weiteren Meldung kommt ein siebter dazu.
Der Klub hat keinen dieser Namen bestätigt. Wer die Liste mit „Streichliste“ überschreibt, übernimmt eine Recherche als Vereinsentscheidung – der Unterschied ist für die Betroffenen erheblich.
Und hier wird es interessant. Die Aufstellung liest sich in der Zusammenfassung wie ein Verzeichnis teurer Fehlgriffe. Schaut man auf die Geburtsjahrgänge, sieht sie anders aus: Vermeeren, Bitshiabu, Harder und Banzuzi sind allesamt 21. Das sind keine gescheiterten Karrieren, das sind Spieler, die in Leipzig aktuell keinen Platz finden.
Auch die 107 Millionen sind eine Ausgabenzahl, keine Verlustzahl. Was RB beim Verkauf einnimmt, steht in keiner der Meldungen – und genau das entscheidet, ob dieser Sommer teuer oder profitabel wird. Bei Klostermann, seit Jahren im Verein und mittlerweile 30, dürfte kaum noch eine Ablöse zu erzielen sein. Bei drei 21-Jährigen mit Restlaufzeit sieht die Rechnung anders aus.
Den Beleg dafür liefert dieselbe Kaderpolitik, die den Überhang verursacht hat. Yan Diomande kam im Juli 2025 für 20 Millionen Euro vom spanischen Absteiger CD Leganés – eine Summe, über die intern zunächst gestaunt wurde. Ein Jahr später steht sein Marktwert bei rund 47 Millionen, Leipzig fordert von Real Madrid eine Sockelablöse von bis zu 120 Millionen.
Wer im großen Stil junge Spieler einkauft, produziert beides: den Treffer, der die Bilanz eines Jahrzehnts rettet, und den Stau, der jeden Sommer aufgelöst werden muss. Das eine gibt es nicht ohne das andere.
Sortieren soll das Ganze ein Mann, der seit gut drei Wochen im Amt ist. Martín Demichelis übernahm im Juni von Ole Werner – jenem Trainer, der Leipzig als Tabellendritten in die Champions League geführt hatte und nach internen Differenzen trotzdem nach einem Jahr gehen musste.
Der 45-jährige Argentinier, 259 Pflichtspiele für den FC Bayern, zuletzt bei RCD Mallorca, kam über eine Ausstiegsklausel von rund 2,5 Millionen Euro und unterschrieb bis 2028. Er gilt als Wunschlösung von Jürgen Klopp, dem Head of Global Soccer bei Red Bull. Schäfer sprach bei der Vorstellung von einer „neuen Zeitrechnung“. Demichelis selbst sagte, genau diese Herausforderung habe ihn gereizt.
Nur hat er keinen der sieben Spieler geholt. Ein Trainer, der im Juli anfängt und im August sieben Profis loswerden soll, arbeitet die Personalplanung seiner Vorgänger ab, bevor er eigene Ideen umsetzen kann. Das ist im Fußball Routine. Es macht die Aufgabe nicht kleiner.
Das eigentliche Problem steht nicht in der Liste, sondern in den Verträgen. Mehrere der genannten Profis besitzen lange Laufzeiten und Gehälter auf Champions-League-Niveau. Ein Klub, der einen 21-Jährigen für zweistellige Millionenbeträge geholt hat, verkauft ihn ungern mit Abschlag – und Interessenten wissen das, je näher der 1. September rückt.
Dazu kommt die Abhängigkeit von einem einzigen Vorgang. Solange der Diomande-Wechsel nicht vollzogen ist, fehlt das Geld für den Nachfolger, und ohne Nachfolger fällt es schwerer, andere Offensivspieler ziehen zu lassen. Schäfer hat in Saalfelden genau darauf hingewiesen: Gespräche, Angebote und grundsätzliche Einigungen ersetzen keine Unterschrift.
Ein Kader von 35 Spielern entsteht nicht über Nacht. Er entsteht dadurch, dass drei Jahre lang mehr gekauft als verkauft wurde – und dann kommt ein August, in dem beides gleichzeitig erledigt werden soll.







































