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·27. Januar 2026

350 Tage geöffnet: Warum moderner Vereinsfußball Geld kostet

Artikelbild:350 Tage geöffnet: Warum moderner Vereinsfußball Geld kostet

Sportplätze sind 350 Tage im Jahr geöffnet, Vereine übernehmen immer mehr Aufgaben selbst. Ein Kommentar über die wahren Kosten des Amateurfußballs.

Von Gerd ThomasDer Fußballverein hat (fast) immer auf. Nicht nur beim FC Internationale Berlin gibt es eigentlich keine Pause. Allenfalls die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr ist Pause, mit Ausnahme des Oldie-Silvesterkicks. Ansonsten ist an fast jedem Tag jemand auf den Plätzen. In den Sommerferien machen viele Jugendteams zwar vier oder fünf Wochen Trainingspause, doch spätestens in der letzten Ferienwoche geht es wieder los.


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Währenddessen trainieren die Herren längst wieder – stehen für sie sogar schon Punktspiele an. Die Saisonvorbereitung der Erwachsenen beginnt, wenn die Saison der Kinder endet. Wie das alles organisiert wird, danach fragt kaum jemand. Möglich wird es bei uns durch einen sogenannten Schlüsselvertrag. Das heißt: Der Verein ist selbst verantwortlich, die Kommune stellt keine Platzwarte.

Das bringt uns Flexibilität, ist aber auch aufwändig und teuer. Denn irgendwer muss täglich auf- und abschließen, Aufsicht führen, Kabinen und Duschen reinigen. Sieben Tage die Woche. Montag bis Freitag Training und Spiele der Oldies, am Wochenende regulärer Spielbetrieb. Hochgerechnet sind die Sportplätze an rund 350 Tagen im Jahr geöffnet. Damit steht der FC Internationale nicht allein da.

In ländlichen Regionen ist die Eigenverwaltung der Plätze üblich, in Städten variiert es von Kommune zu Kommune. Klar ist jedoch: Politik und Verwaltung versuchen zunehmend, Aufgaben auf die Vereine zu verlagern. Nicht überall gibt es dabei so sportaffine Unterstützung wie in unserem Bezirksamt. Aber selbst ein engagierter Stadtrat stößt an Grenzen, wenn andere Behörden – die jedes Sportamt als Kooperationspartner braucht - unterbesetzt sind oder Mitarbeitende nur noch auf den ersten Tag der Rente warten.

Eigenverantwortung ist nicht immer und nicht überall gewünscht, doch die Erkenntnis wächst, dass sie sinnvoll sein kann. Vereinsverantwortliche wissen meist sehr genau, was gebraucht wird – und was nicht. So lassen sich Prioritäten besser setzen und unnötige Ausgaben vermeiden. Ein Rasenroboter ohne Stromanschluss? Eine Laufbahn, die niemand nutzt? Oder doch lieber eine zusätzliche Tür im Zaun für Notfalleinsätze, damit Rettungskräfte nicht erst 120 Meter über die Anlage laufen müssen? Die Antwort liegt auf der Hand.

Mehr Verantwortung bedeutet allerdings auch mehr Kosten für den Verein. Gleichzeitig möchten viele Mitglieder die Vorteile der Flexibilität nutzen, ohne höhere Beiträge zu zahlen. „Könnt ihr keine Sponsoren finden?“ lautet dann oft die Frage. Doch Sponsoren werden auch für Trikots, Bälle oder Trainingsmaterial benötigt. Vor Beitragserhöhungen haben fast alle Vereinsvorstände große Angst. Dabei steigen die Lebenshaltungskosten auch für Vereine.

Ein vorausschauender Vorstand sorgt für angemessene Beiträge, erklärt transparent, wofür das Geld gebraucht wird, und kämpft für gute sportliche Bedingungen. Diese gibt es nicht zum Nulltarif. Dass manche Vereine weniger als 100 Euro Jahresbeitrag verlangen, ist nicht nur unrealistisch, sondern bremst jede Entwicklung. Mancherorts helfen Mäzene, machen Vereine aber abhängig.

Nachhaltiger ist es, die Finanzen ehrlich zu betrachten und den Mitgliedern Wahlmöglichkeiten zu bieten: günstiger Beitrag mit eingeschränkten Leistungen oder höhere Beiträge mit verlässlicher Infrastruktur. Oft folgt auf diese Vorschläge betretenes Schweigen – bis die Frage kommt: „Was ist mit denen, die sich das nicht leisten können?“ Für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien gibt es staatliche Unterstützung. Reicht sie nicht aus, sollte Solidarität im Verein greifen.

Das ist nicht immer populär, aber notwendig und stärkt den Zusammenhalt. Noch nicht überzeugt? Einordnung hilft: Für mein altes Auto zahle ich jährlich weit über 1.000 Euro Versicherung. Davon könnte ich meinen Vereinsbeitrag mehrfach begleichen. Müsste ich mich entscheiden, würde ich den Verein wählen. Und vermutlich würden es viele genauso tun.Du willst auch deine Meinung bei Fever Pit'ch kundtun? Das geht problemlos hier: Gerne klicken!

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