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·5. August 2026

47 Ultragruppen, ein Adressat – und der heißt nicht DFL

Artikelbild:47 Ultragruppen, ein Adressat – und der heißt nicht DFL

Am Freitag rollt der Ball wieder, und in den Kurven wird es laut werden. Nur zielt der angekündigte Protest nicht dorthin, wo ihn viele vermuten. Die Wut der organisierten Fanszenen richtet sich in diesem Sommer weder gegen Anstoßzeiten noch gegen die DFL – sondern gegen den DFB und fünf Regionalverbände.

Was tatsächlich angekündigt ist

Ende Juli veröffentlichten mindestens 47 Ultragruppierungen ein gemeinsames Schreiben, darunter Szenen von Bayern München, dem Hamburger SV und Union Berlin. Der Ton darin ist unmissverständlich: Der Reformwille der Funktionäre sei „geheuchelt“, das Vertrauen verspielt. Gefordert werden strukturelle und personelle Konsequenzen.


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Geblieben ist es nicht bei Papier. Zum Auftakt der Regionalliga Nordost beteiligten sich alle 18 Vereine an einer abgestimmten Aktion: In allen neun Stadien wurde der Spielbetrieb in den ersten Minuten unterbrochen, Stadionsprecher erklärten den Zuschauern die Hintergründe, auf den Anzeigetafeln lief die Botschaft mit. Die zweite Mannschaft des FC Bayern zeigte eine Choreografie, die sich direkt gegen DFB-Präsident Bernd Neuendorf und den Bayerischen Fußball-Verband richtete. In Luckenwalde flogen kleine Siegerpokale auf den Rasen, in Aue gab es Sprechchöre gegen den NOFV.

Bemerkenswert war weniger die Aktion selbst als die Reaktion: Auf den Tribünen wurde applaudiert. Der Konflikt hat die aktive Szene verlassen.

50,9 Prozent, und dann Stillstand

Der Auslöser liegt tiefer, als es der Begriff „Ultra-Protest“ nahelegt. Unterhalb des Profifußballs gibt es fünf Regionalligen, aber nur vier direkte Aufstiegsplätze in die 3. Liga. Wer seine Liga gewinnt, steigt also nicht zwingend auf. An diesem Widerspruch reibt sich der deutsche Amateurfußball seit Jahren.

Ein Kompromiss lag vor: das Kompassmodell, vier Regionalligen, zugeschnitten auf möglichst kurze Reisewege. Bei der Abstimmung erhielt es 50,9 Prozent – eine absolute Mehrheit, die diesmal nicht reichte, weil der Südwesten für das Regionenmodell votierte und Bayern für eine dritte Variante. Der Reformprozess stoppte abrupt.

Besonders erbittert reagierten die Fanszenen auf einen zweiten Punkt: Die ursprünglich vorgesehene Zahl von 80 Startplätzen war kurz vor der Abstimmung auf 72 reduziert worden. In ihrem Schreiben nennen die Gruppen das einen Schachzug der Regionalfürsten.

Parallel läuft der Machtkampf im Verband weiter. Mehrere Regionalverbände wollen ihre fünf Ligen behalten und stattdessen die 3. Liga auf 22 Klubs aufstocken. Die DFB-Spitze um Neuendorf und DFL-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke steht hinter dem viergleisigen Kompassmodell. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Anstoßzeiten sind ein eigenes Thema – und ein anderes

Damit ist die Terminfrage nicht erledigt, sie gehört nur in eine andere Schublade. Zuständig dafür ist im Wesentlichen ein anderer Akteur: das Fanbündnis „Unsere Kurve“, das seine Kritik über Pressemitteilungen und Gremienarbeit transportiert, nicht über Spielunterbrechungen.

Dessen zentrale Forderung betrifft das Saisonende, nicht den Anfang. Seit drei Jahren in Folge verlangt das Bündnis die Rückkehr zu zeitgleichen Anstoßzeiten am vorletzten Spieltag – bis 2019/20 war das üblich, seit 2020/21 wird auch der 33. beziehungsweise 37. Spieltag von Freitag bis Sonntag zerlegt. Vorsitzender Jost Peter formulierte es im Mai knapp: „Zurück zu den zeitgleichen Ansetzungen.“ Das Argument ist weniger fankulturell als sportlich: Wer später spielt, kennt die Ergebnisse der Konkurrenz.

Beides zusammenzuwerfen wäre bequem und falsch. Wer den Regionalliga-Streit als Anstoßzeiten-Frust verkauft, nimmt der Sache ihre Schärfe – und dem DFB den Adressaten.

Der 7. August ist nur die erste verfügbare Bühne

Dass ausgerechnet die 2. Bundesliga zuerst betroffen sein dürfte, hat einen banalen Grund: Sie beginnt am Freitag, drei Wochen vor der Bundesliga. Wer im Profifußball Aufmerksamkeit sucht, findet vor dem 28. August schlicht keine größere Gelegenheit. Die erste Runde des DFB-Pokals folgt Mitte August, der Bundesliga-Auftakt erst danach.

Wie die Aktionen aussehen, ist offen. Das Repertoire der vergangenen Jahre reicht von zwölfminütigem Schweigen über Spruchbänder bis zu Wurfgegenständen, die Partien um Minuten verzögert haben. Die Gruppen haben angekündigt, ligaübergreifend weiterzumachen, ohne Details zu nennen.

Was der deutsche Fußball in den kommenden Wochen erlebt, ist keine spontane Empörung über einen Spielplan. Es ist die Rechnung für einen Reformprozess, der über Jahre geführt und in einer Abstimmung zerlegt wurde. Verbände können Termine verschieben. Vertrauen lässt sich nicht neu ansetzen.

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