Acht Final-Niederlagen in Folge – bröckelt ein Mythos des Weltfußballs? | OneFootball

Acht Final-Niederlagen in Folge – bröckelt ein Mythos des Weltfußballs? | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: REAL TOTAL

REAL TOTAL

·26. Februar 2026

Acht Final-Niederlagen in Folge – bröckelt ein Mythos des Weltfußballs?

Artikelbild:Acht Final-Niederlagen in Folge – bröckelt ein Mythos des Weltfußballs?
Artikelbild:Acht Final-Niederlagen in Folge – bröckelt ein Mythos des Weltfußballs?

Zuletzt mussten sich die Blancos mehrfach mit dem zweiten Platz zufrieden geben – Foto: Fran Santiago/Getty Images

„Real Madrid spielt keine Finals, es gewinnt sie.“ Dieser Satz ist mehr als nur ein Spruch. Er ist Teil der DNA des erfolgreichsten Fußballklubs der Welt. Über Jahrzehnte hinweg schien er durch die Realität bestätigt zu werden: Wenn Real Madrid ein Finale erreichte, war der Ausgang scheinbar vorbestimmt. Der Gegner mochte stärker wirken, die Form besser sein, die Statistiken ausgeglichener, doch am Ende stand fast immer Real Madrid als Sieger da. Finals waren für die Königlichen kein Risiko, sondern eine Bühne. Doch genau dieses Fundament beginnt zu bröckeln. Nicht plötzlich und dramatisch, sondern schleichend, beinahe unmerklich. Und gerade deshalb ist die Entwicklung so bemerkenswert. Denn in jüngerer Zeit häufen sich Endspiele, die nicht mit einem Triumph enden. Der Mythos existiert noch, aber er ist nicht mehr unantastbar.


OneFootball Videos


Artikelbild:Acht Final-Niederlagen in Folge – bröckelt ein Mythos des Weltfußballs?

Abteilungsübergreifend hat Real Madrid die letzten acht Endspiele verloren – Bild: instagram.com/madridistarealcom

Europas größte Finalmaschine

Um zu verstehen, warum dieser Satz überhaupt entstehen konnte, lohnt sich der Blick auf die historische Dimension. Real Madrid hat insgesamt eine dreistellige Anzahl an Endspielen in offiziellen Wettbewerben bestritten. Allein im Europapokal der Landesmeister und der Champions League erreichte der Klub 18 Finals und gewann 15 davon. Diese Quote ist nicht nur außergewöhnlich, sie ist einzigartig im Weltfußball. Besonders prägend war die Ära ab 1998. Zwischen dem Champions-League-Triumph gegen Juventus und dem jüngsten Titel gegen Borussia Dortmund im Jahr 2024 gewann Real Madrid jedes einzelne Champions-League-Finale. Neun Finals, neun Siege. Gegner wie Bayer Leverkusen, Atlético Madrid oder der FC Liverpool scheiterten allesamt an einer Mannschaft, die in Endspielen eine fast übernatürliche Ruhe ausstrahlte. Diese Serie war kein Zufall. Sie war Ausdruck einer außergewöhnlichen Kombination aus individueller Klasse, mentaler Stärke und institutioneller Erfahrung. Real Madrid wirkte in Finals anders als in normalen Spielen. Abgeklärter, präziser, unerschütterlicher. Doch diese Aura betrifft vor allem einen Wettbewerb. Und genau hier beginnt die differenzierte Betrachtung.

Internationale Finalspiele

Dominant, aber nicht unfehlbar

Ein Blick auf die komplette Finalhistorie zeigt, dass Real Madrid keineswegs jedes Endspiel gewonnen hat. Besonders in nationalen Wettbewerben ist die Bilanz deutlich ausgeglichener. In der Copa del Rey beispielsweise hat Real Madrid zwar zahlreiche Titel (20) gewonnen, aber auch eine erhebliche Anzahl an Finals (21) verloren. Niederlagen gegen den FC Barcelona, Atlético oder Real Zaragoza gehören ebenso zur Vereinsgeschichte wie die großen Triumphe. Das gleiche Bild zeigt sich in der Supercopa de España. Auch hier wechselten sich Siege (13) und Niederlagen (7) ab, oft gegen den ewigen Rivalen aus Barcelona, darunter die verlorenen Final-Clásicos 2025 und 2024. Während Real Madrid international eine fast makellose Finalbilanz entwickelte, war die nationale Dominanz weniger absolut, als es der Mythos vermuten lässt. Das bedeutet nicht, dass die Blancos in Finals schwach sind, im Gegenteil. Doch der Satz „Real Madrid gewinnt Finals“ war immer mehr Symbol als statistische Realität, gespeist aus den größten und sichtbarsten Erfolgen auf der wichtigsten Bühne Europas. Denn die Realität ist auch: Die Merengues können nicht viele Wettbewerbe auf einmal. Ein großes Triple gab es noch nie, das letzte nationale Triple ist über 35 Jahre her: 1989.

Nationale Finalspiele

Eine neue Realität zeichnet sich ab

Was den Mythos heute ins Wanken bringt, ist nicht die historische Bilanz, sondern die jüngste Entwicklung. Denn in den letzten Jahren zeigt sich ein Trend, der früher kaum vorstellbar gewesen wäre. Real Madrid erreicht weiterhin Endspiele, doch sie enden nicht mehr automatisch mit einem Titel. Die Fußballer mussten in nationalen Wettbewerben zuletzt wiederholt Niederlagen in Finals hinnehmen. Parallel dazu verloren auch andere Sektionen des Klubs entscheidende Spiele. Die Basketballmannschaft, traditionell eine der erfolgreichsten Europas, unterlag in wichtigen Endspielen. Das vor sechs Jahren gegründete Team der Fußballerinnen steht zwar für den sportlichen Aufstieg des Klubs, konnte aber ihre Chancen auf große Titel bislang nicht in Finals krönen. So endeten die letzten acht Finalteilnahmen dieser drei Abteilungen ohne einen einzigen Sieg! Diese parallelen Entwicklungen verstärken den Eindruck eines strukturellen Wandels. Es ist nicht so, dass Real Madrid keine Finals mehr gewinnt. Aber die Selbstverständlichkeit des Triumphs ist verschwunden.

Verwandte Beiträge

Supercopa-Finale der Frauen

Auch das Supercopa-Finale der Frauen konnte eigentlich nur eines werden: ein Clásico! Und auch... weiterlesen

Psychologie statt Statistik

Der vielleicht wichtigste Aspekt dieses Mythos liegt ohnehin nicht in der Statistik, sondern in seiner psychologischen Wirkung. Über Jahrzehnte hinweg betraten Gegner das Spielfeld mit dem Wissen um Real Madrids Finalhistorie. Diese Vergangenheit wirkte wie ein unsichtbarer Vorteil. Die Königlichen selbst spielten mit einem unerschütterlichen Selbstverständnis. Spieler, Trainer und Fans glaubten daran, dass Finals gewonnen werden. Diese Überzeugung beeinflusste Entscheidungen, Verhalten und letztlich auch Ergebnisse. Doch genau diese psychologische Dominanz hängt eng mit der Gegenwart zusammen. Mythen leben nicht allein von der Vergangenheit, sondern von ihrer kontinuierlichen Bestätigung. Wenn Niederlagen häufiger werden, verliert der Mythos einen Teil seiner Kraft.

Normalisierung statt Absturz

Es wäre jedoch falsch, diese Entwicklung als Krise zu interpretieren. Real Madrid bleibt einer der erfolgreichsten und konstantesten Klubs der Welt. Finals zu erreichen ist bereits eine außergewöhnliche Leistung. Selbst die größten Vereine Europas scheitern oft lange vor dem Endspiel. Was sich verändert hat, ist nicht die Qualität Real Madrids, sondern die Wahrnehmung. Der Klub ist nicht mehr unbesiegbar. Finals sind wieder echte Spiele, keine vorherbestimmten Krönungen. Vielleicht liegt darin auch eine gewisse Ironie. Die Legende war so groß geworden, dass selbst normale Niederlagen als außergewöhnliche Ereignisse erscheinen. Der Satz „Real Madrid spielt keine Finals, es gewinnt sie“ wird weiterhin Teil der Fußballkultur bleiben. Er steht für die größten Momente der Klubgeschichte, für Di Stéfano, Zidane, Cristiano Ronaldo und viele andere, die Finals zu ihrer persönlichen Bühne machten. Doch die Gegenwart erinnert daran, dass selbst die größten Mythen nicht unveränderlich sind. Real Madrid spielt weiterhin Finals. Aber sie gewinnen sie nicht mehr automatisch. Und vielleicht ist genau das die größte Herausforderung für die Zukunft: Den Mythos nicht nur zu bewahren, sondern ihn neu zu verdienen.

REAL TOTAL-App

Neu: Wir haben die REAL TOTAL-App nicht nur geupdatet, sondern neu entwickelt – und das diesmal inhouse! So können unsere Gold-Supporter die neue App jetzt runterladen via Apple und Android.

Impressum des Publishers ansehen