feverpitch.de
·21. Juni 2026
Albert Rieras Generalabrechnung mit der Eintracht: Schuld sollen immer die anderen sein

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·21. Juni 2026

Ex-Trainer Albert Riera kritisiert nach seiner Entlassung bei Eintracht Frankfurt die Vereinspolitik und den Kader, lobt aber Sportdirektor Markus Krösche.
Es gehört zu den Eigenheiten von Albert Riera, dass er auch im Rückblick auf gescheiterte Stationen den Eindruck erweckt, eigentlich habe niemand sonst eine Chance gehabt, diese Aufgabe zu lösen. Einen guten Monat nach seiner Entlassung bei Eintracht Frankfurt hat der Spanier dem TV-Sender Sportklub in Slowenien ein Interview gegeben, das man als Generalabrechnung lesen muss. „Ich weiß nicht, ob es jemand besser gemacht hätte, wir werden es nie erfahren", sagt Riera dort. Das ist kein Selbstzweifel, das ist eine Einladung, ihm zu glauben, dass es niemand besser gekonnt hätte.
Der interessanteste Satz ist nicht der über Brad Pitt und Angelina Jolie. Der interessanteste Satz lautet: „Die Vereinspolitik sieht vor, dass der Trainer keinen Einfluss auf Scouting und die Mannschaftszusammensetzung hat." Riera sagt damit, was bei vielen Klubs Standard ist — und macht es zum Kündigungsgrund. Er fügt hinzu, dem Verein seien „Namen wichtiger als Ergebnisse" gewesen. Damit verschiebt er die Schuldfrage: Er ist nicht gescheitert, weil er die Mannschaft nicht erreicht hätte, sondern weil ihm die Mannschaft, die er erreichen sollte, nicht passte.
Hier liegt der eigentliche Konflikt moderner Klubführung. Die Trennung zwischen sportlicher Leitung und Trainerbank ist in den großen europäischen Ligen längst die Regel. Sportdirektoren bauen Kader über Zyklen, die länger sind als die Halbwertszeit eines Trainers. Wer als Coach den vollständigen Zugriff auf Scouting und Zusammensetzung verlangt, muss sich entweder einen anderen Klub suchen oder akzeptieren, dass dieses Modell aus guten Gründen aus der Mode gekommen ist. Riera hat sich, hört man ihn an, bewusst gegen die Akzeptanz entschieden — und kündigt das nun nachträglich als Erkenntnis an.
Bemerkenswert ist, dass er diesen Konflikt nicht an Markus Krösche festmacht. Über den Sportdirektor sagt Riera: „Ich kann nur Gutes über den Sportdirektor sagen, der mich geholt hat. Wir haben gut zusammengearbeitet, selbst unser letztes Gespräch vor der Trennung verlief positiv." Krösche habe sein Vertrauen ausgedrückt, dass Riera „in Zukunft große Vereine trainieren" werde. Das ist eine elegante Konstruktion: Der Klub ist falsch, der Mann, der den Klub sportlich führt, ist es nicht. So lässt sich Kritik abfeuern, ohne dass jemand persönlich getroffen werden muss.
Den Vergleich mit Jolie und Pitt liefert Riera selbst. „Beide sind wunderbar, aber sie passen einfach nicht zusammen", sagt er, und schiebt nach, es komme „auf die kleinen Details" an, ob etwas funktioniere. Das ist die freundliche Variante. Die unfreundliche liefert er einen Absatz später: Es gebe „keinen einzigen Spieler in dieser Mannschaft", den er für sein nächstes Projekt mitnehmen würde. In Celje, sagt er, gebe es mehr passende Spieler als bei der Eintracht.
Dieser Satz ist der bemerkenswerteste der ganzen Generalabrechnung. Riera kam, als die Mannschaft Achter war, und ging, als sie Achter war — seine eigene Bilanz. Wer in dreieinhalb Monaten an einer Mannschaft, die er für hochwertig erklärt, keinen einzigen Spieler findet, den er behalten möchte, sagt mehr über das eigene Profil als über den Kader. Und beantwortet, ohne es zu wollen, die Frage, warum manche Trainer keinen Einfluss auf Scouting bekommen.
Live







































