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·7. Juli 2026
Alemannia Aachen: Schmal besetzt, zwei Personalfragen drängen

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·7. Juli 2026

43 Punkte, 48 Tore: Geht es nach der Rückrunde der vergangenen Saison, sollten sich die Fans von Alemannia Aachen schon jetzt die Hände reiben. Doch da noch unklar ist, wie viele Erfolgsgaranten den Verein verlassen, bleiben große Fragezeichen. liga3-online.de analysiert den Stand der Kaderplanung am Tivoli.
Den Kaiserstädtern fehlten im Mai wohl nur noch wenige Wochen, dann wäre der beeindruckende Erfolgslauf wohl in einer Top-3-Platzierung gemündet – und ist man damit nicht fast automatisch auch ein Mitfavorit im Folgejahr? Aus guten Gründen halten sich Sportchef Rachid Azzouzi und sein Team aber mit solchen Aussagen bedeckt. Nicht nur der alles überragende 28-Tore-Stürmer Lars Gindorf (Hannover 96) ist nach Ablauf seiner Leihe fort, auch um seinen kongenialen Partner Mika Schroers (21 Tore) ranken sich vehemente Wechselgerüchte.
So brilliant der TSV-Kader in der Spitze besetzt war, so sehr kaschierte dies mögliche Mängel in der zweiten Reihe. Nun, wo derzeit trotz laufender Vorbereitung erst 18 Feldspieler unter Vertrag stehen, ist dieser Umstand nicht mehr wegzudiskutieren. Lohnt sich die Geduld auf dem Transfermarkt, und auf welchen Positionen liegt der Fokus? Ein Überblick.
Jan Olschowsky, Manuel Riemann, Fotios Pseftis – die Alemannen hatten im Laufe der Saison 2025/26 gleich drei vorübergehende Stammtorhüter. Ohne Olschowskys vorzeitige, von seinem Stammverein Borussia Mönchengladbach erzwungene Rückkehr wäre dies freilich nicht passiert. Nun aber sind sowohl er als auch Pseftis, die Leihgabe vom Schweizer FC Lugano überzeugte die Verantwortlichen nicht genug für die hohe Kaufoption, nicht mehr da.
Stattdessen steigt der in Deutschland relativ unbekannte Franzose Stefan Bajic (24/Racing Straßburg), ein einst großes Torhütertalent, in den Kampf um den Stammplatz ein. Der 37-jährige Riemann ist derweil immer noch hoch motiviert und auf der Linie sowohl im Spielaufbau mindestens noch auf gehobenem Drittliga-Niveau unterwegs. Das Trio wird von Jan Hendriks komplettiert. Kurzum: Hier wirken die Alemannen gut gerüstet.
15 Spieler hat die Alemannia insgesamt verabschiedet, in der Abwehr waren jedoch keine sportlich unersetzbaren Kräfte dabei: Sasa Strujic verdiente sich das Karriereende, Nils Winter und Felix Meyer nehmen neue Anläufe in der Regionalliga West, Lamar Yarbrough beim FC Dila in Georgien. Noch offen ist die Zukunft von Gideon Jung, dessen Halbjahresvertrag nach nur wenigen Kurzeinsätzen ausgelaufen ist – aktuell trainiert der 31-Jährige aber erneut am Tivoli mit.
Ist die Stammformation fit, braucht sich Trainer Mersad Selimbegovic für seine Erfolgsformation im 3-4-2-1 kaum Sorgen machen: Joel da Silva Kiala ist auf dem Weg zu einem Innenverteidiger von Zweitliga-Format, Nebenmann Petros Bagkalianis benötigte im Winter überhaupt keine Anlaufzeit, um aus Griechenland die Tugenden der 3. Liga anzunehmen. Und Kapitän Mika Hanraths hat nach einer Seuchensaison mit schweren Muskelverletzungen auch noch jede Menge vor. Neben Marius Wegmann (27 Spiele in 2025/26) fehlt hier nichtsdestotrotz mindestens ein fünfter Innenverteidiger, um den Bedarf einer Dreierkette abzudecken – der flexible Sechser Danilo Wiebe kann diese Rolle jedoch auch ausfüllen.
Auf den defensiven Flügeln ist hingegen noch etwas Arbeit nötig. Denn es fehlt Wirbelwind Pierre Nadjombe, der nach erfolgreicher Leihe zurück zum 1. FC Magdeburg kehrt – so muss dringend ein rechter Schienenspieler von gewissem Format kommen, zumal auch Florian Heister nach einer enttäuschenden Spielzeit als aussortiert gilt. Links ist die Alemannia nach der festen Verpflichtung von Fürths Matti Wagner (21) mit ihm und Lucas Scepanik gut besetzt.
Zwei eher defensive Zentrumsspieler und zwei offensive Gestalter benötigt die Selimbegovic-Formation, die Übergänge zwischen Zehner, hängenden Spitzen und Strafraumstürmern können und sollen fließend sein. Schauen wir zunächst auf die Defensive, die dünn besetzt daherkommt: Routinier Danilo Wiebe und Youngster Faton Ademi gelten derzeit als erste Wahl, doch ob der 20-jährige Ademi wirklich von einem weiteren Jahr in Aachen überzeugt werden kann? Als Stammspieler (sechs Tore, zwei Vorlagen) steht er in etlichen Notizbüchern höherklassiger Klubs, könnte bei gutem Verhandlungsgeschick nach Lewis Holtby (2010) und Marco Höger (2012) endlich mal wieder ein TSV-Spieler sein, der eine Millionen-Ablöse einbringt.
Geld, dass den Alemannen helfen würde, in finanzieller Perspektive zumindest näher heranzurücken an namhafte Konkurrenten wie Rostock, Essen oder Duisburg. Personell vorbereitet wäre man auf einen Abgang aktuell aber noch nicht, denn als Ersatzspieler stehen der ebenfalls aussortierte Jeremias Lorch und Youngster Mika Pobric bereit. Ohne Gianluca Gaudino und Bentley Baxter Bahn ist die Auswahl begrenzt, ein Nachrüsten wäre nur logisch.
Eine Reihe weiter vorne ist der Aderlass noch größer, denn hier klafft die Gindorf-Lücke. Und auch Winter-Leihgabe Jonas Oehmichen, die sich still und heimlich in den Fokus spielte, ist bei Stammverein Dresden fest eingeplant. Immerhin noch (mindestens) ein Jahr Freude bleibt am 22-jährigen Mehdi Loune, der Gindorf und Schroers im Frühjahr immer wieder in Szene setzte. Dennoch sind zwei Positionen zu vergeben, auf denen im Umfeld Spieler vom Prädikat Königstransfer erhofft werden. Kein leichter Job für Azzouzi, denn zum günstigen Tarif gibt es diese Akteure in der Regel nicht. Und die Chance, dass nochmals zwei Last-Minute-Leihgaben derart einschlagen wie die Ende August 2025 verpflichteten Lars Gindorf und Mika Schroers, geht gegen Null.
Mindestens eine Handvoll Stürmer weiß Alemannia Aachen im Kader. An das Niveau von Mika Schroers reicht keiner von ihnen. Nicht die Verpflichtungen aus unteren Ligen, namentlich Louis Köster (Holstein Kiel, zuvor beim VfL Bochum II) und Daniel Starodid (Eintracht Frankfurt II). Nicht der wiederkehrend verletzte und kaum berücksichtigte Valmir Sulejmani, nicht der ebenso lange verletzte Fabio Torsiello und erst recht nicht Emmanuel Elekwa, der seit einem gespenstischen 36-Minuten-Auftritt in Saarbrücken Anfang April gar nicht mehr im Kader stand.
Folglich lässt sich die Frage nach dem Mittelstürmer reduzieren auf: Bleibt Mika Schroers doch? Angeblich locken der 1. FC Köln aus der Bundesliga sowie eine Handvoll Zweitligisten. Auch mit dem 24-Jährigen, der jüngst zum Testspiel-Auftakt gleich wieder dreimal netzte, ließe sich ablöse-technisch sehr gut verdienen. Sollte Schroers den TSV verlassen, dann im Sinne des Vereins so bald wie möglich – für den Seelenfrieden der bangenden Fans einerseits und um Zeit bei der Nachfolgersuche zu gewinnen.
Klar ist: Mit Ausnahme des SC Verl müsste kein Drittligist mehr Qualitätsverlust im Angriff kompensieren als die Schwarz-Gelben. Wer auch immer diese Fußstapfen ausfüllen will, sollte besser großes Schuhwerk mitbringen.







































