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·20. April 2026
Alleinherrscher FC Bayern: Warum sind die Bundesliga-Bosse nicht gut genug?

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·20. April 2026

Bayern München ist zum 35. Mal Meister – mit Rekord von 109 Toren in 30 Spielen. Die Liga-Konkurrenz wie BVB, Leipzig und Stuttgart liegt weit zurück.
Die Bayern haben in 30 Spielen 109 Tore erzielt – Rekord. Mit dem 4:2 gegen Stuttgart am Sonntag wurden sie zum 35. Mal Deutscher Meister – Rekord.
Rekord, Rekord, Rekord.
Manchmal machen mich diese Bayern furchtbar müde.
Kane, Kimmich & Co. spielen herausragenden Fußball. Nur leider brauchen sie ihn meist nur zu zeigen, wenn echte Gegner auf dem Platz stehen: dienstags oder mittwochs in der Champions League. Als die Bayern kürzlich in der Liga nach 80 Minuten 0:2 gegen Freiburg zurücklagen, schossen sie einfach drei Tore hintereinander. Gestern gegen Stuttgart starteten sie mit einer B-Elf.
In der Bundesliga sind die Münchner eine Klasse für sich. Harry Kane hat mehr Tore erzielt als der FC St. Pauli; Michael Olise mehr Assists als Heidenheim Punkte.
Wenn samstags um 15.30 Uhr die Konferenz mal wieder ohne Bayern läuft, hänge ich Wäsche auf. Oder topfe Blumen um. Und höre nur zu.
Toooooooor in Augsburg? Man verpasst ja nichts.
Ich frage mich: Wieso zahlt eigentlich ein Streamingdienst eine Milliarde Euro für vier Spielzeiten einer Liga, in der vier Mal am Ende das Gleiche rauskommt?
Toooooooor in Köln!! Na und?
Machen wir uns nichts vor: Die Bundesliga wäre uninteressant ohne den FC Bayern und ist zu schwach für den FC Bayern. Sie muss sich etwas einfallen lassen.
Aber was?
Vielleicht sollte ich die Frage mal an die Bosse und Manager der Liga weiterleiten. Sie sind die heimlichen Verlierer. Niemand versteht es so geschickt, sich aus der Schusslinie zu bringen, wenn es um Misserfolge und Verantwortung geht. Sobald in einem Verein etwas schiefläuft, feuern sie den Trainer und gut is'.
Dieselben Leute haben es in den vergangenen Jahren zum Beispiel nicht hinbekommen, ausreichend viele junge, spannende Spieler herauszubringen. Sie kaufen lieber welche, die sie für spannend halten. So hat es in Italien auch angefangen.
Wo sind bloß die Macher hin, die Meister ihres Fachs sind?
Leute wie Felix Magath, der den VfL Wolfsburg als Trainer, Manager und Gott in Personalunion führte – und den Bayern 2009 die Lederhosen auszog.
Horst Heldt, der Stuttgart 2007 zum Titel führte. Er war auch der Erste, der eine Frau zur Cheftrainerin der Bundesliga machte. Heldt ist der Typ Mut.
Werder-Manager Klaus Allofs, der in Bremen jahrelang mit den Bayern David gegen Goliath spielte.
Aki Watzke, der Dortmund vom Schrottplatz holte und zum Ferarri machte.
Und heute? Müller, Maier, Schulze. Ich glaube, die Bundesliga hat ein Führungsproblem.
Borussia Dortmund, vor etwas über einem Jahrzehnt ein echter Bayern-Konkurrent, spielt nach Punkten die beste Saison seit sieben Jahren – und liegt 15 Punkte hinter München. Lars Ricken soll den BVB jetzt nach ganz oben führen. Ricken? Der überzeugt ja nicht mal seinen Vorgänger Watzke, wie wir letzte Woche von ihm selbst erfahren haben.
RB Leipzig? Strauchelt trotz Brausegeldregen regelmäßig. Rückstand auf den FC Bayern, Stand heute: 20 Punkte. Das Torverhältnis: 58 Tore schlechter. Achtundfünfzig.
Die Bosse? Kennt keiner. Der Transfer von Global Soccer Irgendwas Jürgen Klopp war ein Coup, ja. Bisher hat mich Kloppo aber vor allem bei Interviews überzeugt, in denen er nicht über Leipzig redete. Mit jedem TV-Auftritt des Schwaben wird mir klarer: Das ist kein Macher hinter den Kulissen, der gehört vorn auf die Bank.
Aber wer sagt es ihm?
Frankfurt begeisterte Europa, gewann die Europa League – das ist allerdings auch schon wieder vier Jahre her. Heute ist die Eintracht der Transferwunderklub, der keine Wunder mehr hinkriegt. Dabei war Sportchef Markus Krösche meine große Hoffnung. "Wir sind dieses Jahr nicht stabil, das muss man einfach sagen", stellte er kürzlich fest. Was heißt da "dieses Jahr"?
Der VfB Stuttgart kam nach schwerer Zeit, sah und siegte – aber wie Leipzig nur im DFB-Pokal. Die Schwaben spielen manchmal begeisternden Fußball. Die Betonung liegt auf manchmal. Manchmal reicht nicht in dieser Bundesliga, nicht für diesen FC Bayern. Gestern hat man's wieder gesehen.
Ich frage mich: Wie kann ein Klub mit so viel Wirtschaftskraft im Rücken so lange brauchen wie der VfB?
Bayer Leverkusen? Eintagsfliegenmeister. Der VfL Wolfsburg? Lassen wir das lieber.
Es ist niemand da. Zwölfmal wurde der FC Bayern jetzt in 13 Jahren Meister. Keine andere Topliga ist so einseitig – sogar in Paris Saint-Frankreich gewannen 2017 Monaco und 2021 Lille den Titel. Nur am Geld kann es nicht liegen. Die Bosse sollten sich was schämen.
Ach, fast hätte ich's vergessen: Ich gratuliere dem FC Bayern bei dieser Gelegenheit schon mal zur 36. Meisterschaft im Mai 2027.
Meine Kolumnen gibt es jetzt auch als Buch – Titel: Wäre, wäre, Fahrradkette - Die besten Fußball-Kolumnen von Alex Steudel seit 2020. 257 Seiten, 15,99 Euro: Hier bestellen! Wer fürs gleiche Geld portokostenfrei ein signiertes Exemplar haben möchte: Einfach Mail an post@alexsteudel.de schreiben.









































