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·31. Mai 2026

Alles neu beim FC St. Pauli?

Artikelbild:Alles neu beim FC St. Pauli?

Die neue Saison wirft bereits jetzt ihre Schatten voraus. Alles deutet darauf hin, dass der FC St. Pauli einen massiven Kaderumbruch vollziehen wird. Ein Überblick.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Es ist zwar gerade einmal zwei Wochen her, dass der FC St. Pauli die Partie gegen den VfL Wolfsburg nicht gewinnen konnte und dadurch nach zwei Jahren in der Bundesliga kommende Saison wieder in der zweiten Liga antreten muss. Aber seitdem ist schon extrem viel passiert. Denn beim FCSP wurde bereits ein halbes Dutzend Spieler verabschiedet. Es ist damit zu rechnen, dass mindestens ein weiteres halbes Dutzend folgen wird. Womöglich sogar deutlich mehr. Schauen wir uns die Situation in den einzelnen Mannschaftsteilen einmal an.


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Freier Platz zwischen den Pfosten

Nikola Vasilj war der erste Spieler, der kundtat, dass er den FC St. Pauli diesen Sommer verlassen wird. Er tat es mehr oder weniger direkt nach Abpfiff. Zweifelsohne verlässt den FCSP damit einer der besten Torhüter, den der Verein jemals hatte. Aber das bedeutet nicht, dass diese Position plötzlich ein Problem wird.

Denn zumindest die Eindrücke, die Ben Voll bei seinen Pokaleinsätzen hinterlassen hat, dürften bei vielen dafür sorgen, dass sie sich keine Sorgen bezüglich der Torwartposition beim FC St. Pauli machen. Voll wird nach zwei Jahren im Schatten von Vasilj nun zur neuen Nummer 1 des FCSP aufsteigen. Hinter ihm dürfte auch weiterhin Simon Spari agieren. Winter-Neuzugang Emil Gazdov verlässt den FC St. Pauli. Das Leihgeschäft endete nach der Saison, der FCSP nutzte die vorhandene Kaufoption nicht. Somit ist Ben Voll zwar mit dem FCSP ab-, er wird persönlich aber aufsteigen. Sollte es anders kommen, dann wäre das schon sehr verwunderlich. Die Torwartfrage dürfte also geklärt sein und ist damit so fast die einzige Position im Kader, bei der es bereits jetzt Gewissheit gibt, wer Stammspieler sein soll. Ein dritter Torwart wird trotzdem noch verpflichtet werden.

Viel Veränderung in der Innenverteidigung möglich

Nach mehr als drei Jahren hat Karol Mets den FC St. Pauli verlassen. Der 32-jährige Innenverteidiger und der FCSP waren zwar nicht uninteressiert an einer Weiterführung des gemeinsamen Wegs, aber letztlich wurde man sich nicht einig.Ein ziemlich dickes Fragezeichen gibt es zudem hinter dem Verbleib von Eric Smith. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der 29-jährige den Weg in die zweite Liga mit antritt. Auf Klarheit wird man aber wohl noch etwas warten müssen, denn aktuell befindet sich Smith im Kreise der schwedischen Nationalmannschaft und bereitet sich auf die Weltmeisterschaft vor. Was für ihn, sollte er dort auch spielen können, sicher nicht das schlechteste Schaufenster sein dürfte.

Fragezeichen um Wahl-Verbleib

Leider müssen wir alle jetzt besonders stark sein: Denn auch hinter einem Verbleib von Hauke Wahl steht ein Fragezeichen. Ja, die Gerüchte sind nicht aus der Luft gegriffen und/oder irgendwelche Nebelkerzen, um Unruhe beim Konkurrenten zu erzeugen. Scheiße.Damit könnte der FC St. Pauli in nur einem Sommer seine gesamte „Aufstiegs-Innenverteidigung“ verlieren. Mets, Smith und Wahl trugen in der Saison 23/24 maßgeblich dazu bei, dass der FCSP die beste Defensive der Liga stellte und unter anderem damit großen Anteil am Aufstieg. Entsprechend wäre es schon ein sehr massiver Einschnitt, sollten alle drei Spieler in diesem Sommer den Verein verlassen.

Somit dürfte es zwei Spieler geben, für die eine zentrale Rolle in der kommenden Saison vorgesehen ist: Tomoya Andō war schon im Verlauf des letzten halben Jahres kaum mehr aus der Innenverteidigung wegzudenken und das wird auch in der kommenden Saison so sein. Es sei denn, ihm kommt sowas dazwischen wie zum Beispiel eine „Operation an der linken Adduktoren-Sehne“. Das sorgte in der abgelaufenen Saison nämlich dafür, dass ein Spieler in der Liga gar nicht zum Einsatz kam, der in der Rückrunde der Saison davor nicht mehr wegzudenken war: David Nemeth dürfte für die kommende Spielzeit fest als Säule eingeplant sein und wird vermutlich auch zu einem Sprachrohr im Team aufsteigen. Denn mit Vasilj und Mets sind bereits zwei Spieler aus dem Mannschaftsrat ausgeschieden. Und wie es mit dem Verbleib der anderen Mitglieder aussieht – also mit Wahl, Smith, Irvine, und Dźwigała – ist aktuell unklar.

Womit wir bei Adam Dźwigała angelangt wären. Theoretisch könnte der inzwischen 30-jährige aufgrund der Abgänge eine recht große Rolle auf dem Platz einnehmen. Wenn denn nicht neue Spieler hinzukommen, die ihm vorgezogen werden. So wie es fünf Jahre lang immer wieder der Fall war. Dźwigała ist zweifelsohne ein sehr wichtiger Spieler für den FC St. Pauli, aber er konnte sich weder im Erst- noch im Zweitligakader des FCSP als Stammspieler durchsetzen. Ob er die Rolle des zuverlässigen Backups auch in der kommenden Saison übernimmt, da gibt es zumindest leise Zweifel.Wenn überhaupt, dann war auch Jannik Robatsch ein Backup. Der Linksfuß kam allerdings in der Saison auf keine einzige Einsatzminute. Nun könnte er durch den Abstieg und nach dem Abgang des anderen Linksfußes in der Innenverteidigung im internen Ranking aufrücken. Sollte er diese Perspektive für sich sehen, dann darf mit einem Verbleib gerechnet werden.

Außenverteidigung bleibt (hoffentlich) fast beisammen

Aktuell stehen fünf Außenverteidiger im Kader des FC St. Pauli. Das ist eigentlich, wenn man denn nach der Regel, dass jede Position doppelt besetzt werden soll, einer zu viel. Auch deshalb ist ein Abgang zu erwarten. Aus Vereinssicht ist das aber hoffentlich nicht einer der Spieler, die letzte Saison viel Spielzeit sammelten.

Es klingt ein bisschen gemein, aber ich habe das Gefühl, dass einigen Spielern im Kader des FCSP der Abstieg sogar entgegenkommen könnte. Für Louis Oppie schien zum Beispiel der Sprung aus Liga 3 in Liga 1 im letzten Sommer einfach etwas zu groß gewesen zu sein. Dabei bringt er eigentlich vieles von dem mit, was ihn dazu befähigt, ein veritabler Bundesligaspieler zu werden. Dafür benötigt er aber Spielzeit. Und genau die könnte er nun in der zweiten Liga bekommen, daher ist von seinem Verbleib auszugehen. Das gilt auch für Lars Ritzka, der höchstwahrscheinlich auch in der Folgesaison auf verschiedenen Positionen ein stiller und konstanter Leistungsträger des FC St. Pauli ist.

Interessant wird, wie Fin Stevens seine zukünftige Situation beim FC St. Pauli bewertet. Kann er in einem Zweitligakader (und vielleicht ja unter einem neuen Trainer) eine größere Rolle spielen als in den beiden Saisons zuvor? Möchte er das überhaupt oder hat er genug vom FCSP? Stevens wird sich seine Optionen und Chancen in den kommenden Tagen und Wochen ganz genau anschauen. Sicher ist, dass er nach zwei Saisons ohne signifikante Spielzeit nun genau darauf aus sein wird. Ein Wechsel ist alles andere als ausgeschlossen.

Alles andere als ausgeschlossen ist auch, dass Manos Saliakas und Arek Pyrka den Verein verlassen. Beide haben in der abgelaufenden Saison (Saliakas ja auch schon davor) gezeigt, dass sie sich in Bundesligakadern zurechtfinden können. Entsprechend dürften sich beide schon etwas genauer umschauen, was so möglich ist. Der FC St. Pauli würde hingegen nicht sonderlich scharf darauf sein, die beiden Außenverteidiger ziehen zu lassen, sofern keine Angebote reinflattern, die lukrativ sind. Dass es solche Angebote gibt, ist im Fall von Pyrka etwas wahrscheinlicher, da er deutlich jünger ist. Aber auch Saliakas hat in den letzten beiden Saisons Eindruck hinterlassen und könnte für Teams aus dem unteren Drittel der Bundesliga interessant sein.Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn es dem FC St. Pauli gelingen sollte, in der kommenden Spielzeit mit vier dieser fünf Außenverteidiger in die Saison zu gehen, dann ist er recht gut auf dieser Position aufgestellt. Je nachdem, welche vier Spieler es sind, schwankt die Einschätzung zwischen gut und sehr gut.

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Komplette Neuordnung im zentralen Mittelfeld

Das zentrale Mittelfeld des FC St. Pauli war in der Vorsaison eigentlich überbesetzt. Mit James Sands, Eric Smith, Jackson Irvine, Joel Fujita, Matti Rasmussen und Connor Metcalfe gab es gleich sechs Spieler im Kader, die auf der Doppelsechs spielen können. Nun ist sehr wahrscheinlich, dass mindestens die Hälfte dieser Spieler den Verein diesen Sommer verlassen werden.

Sands geht, weitere werden folgen

Klarheit gibt es bisher erst im Fall von James Sands. Das Leihgeschäft endete und Sands hatte sich – trotz zweier schwerer Verletzungen – für höhere Aufgaben als die zweite Liga empfohlen. Seine Arbeit gegen den Ball gab dem FC St. Pauli Stabilität, die schmerzlich fehlte, als er verletzt fehlte. Es wird also im Sommer mindestens ein neuer, defensivistarker Sechser gesucht, vielleicht sogar zwei.

Fragezeichen über einen Verbleib gibt es zudem bei Smith und Irvine. Metcalfe, der mit seiner wenigen Spielzeit unzufrieden ist, komplettiert das Trio jener Spieler, die sich bei der anstehenden WM vielleicht ins Schaufenster stellen könnten. Wider Erwarten nicht bei der WM ist Fujita. Der hat aber auch ohne dieses Turnier bereits auf sich aufmerksam gemacht und es wäre ein mittelschweres Wunder, wenn er mit dem FC St. Pauli in die zweite Liga ginge.

So gibt es aktuell nur zwei Spieler auf der Doppelsechs, bei denen man mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen kann, dass sie kommende Saison für den FC St. Pauli spielen: Rasmussen, der erst im Winter kam und dem nun eine größere Rolle zugedacht ist. Und dann ist da noch Neuzugang Sam Klein. Dem könnte es sogar ganz gelegen kommen, dass es nun in der Zweitklassigkeit weitergeht, weil er da auf mehr Spielzeit hoffen kann.

Können Talente nun auf Spielzeit hoffen?

Drei weitere könnten in der kommenden Saison eine Rolle spielen: Erik Ahlstrand kehrt nach Ende seiner Leihe aus Almelo zurück. Zudem werden sich Nick Schmidt und Marwin Schnitz sicher Hoffnungen auf ihre Profidebüts machen. Ob diese drei Spieler aber beim FC St. Pauli bleiben, ist zum jetzigen Zeitpunkt eher unklar.

Trotz Sands‘ Abgang hat der FCSP aktuell noch acht Spieler unter Vertrag, die im zentralen Mittelfeld spielen können. Es ist aber davon auszugehen, dass einige dieser Spieler den Verein noch verlassen werden. Somit ist klar: Das zentrale Mittelfeld des FC St. Pauli ist in diesem Sommer eine Großbaustelle.

Gerüst in der Offensive steht

Auch Offensivspieler haben den FC St. Pauli in diesem Sommer bereits verlassen: Danel Sinani hat sich nach drei Jahren verabschiedet. Zudem endet die Leihe von Andréas Hountondji. Der FCSP verliert also seine beiden besten Torschützen der letzten Saison. Stand jetzt stehen mit Ricky-Jade Jones, Martijn Kaars, Abdoulie Ceesay, Taichi Hara, Scott Banks und Mathias Pereira Lage noch sechs Offensivspieler im Kader.

Ceesay, Kaars, Jones – das könnte gut werden in Liga Zwei

Bei fast all diesen Spielern kann mit einem Verbleib gerechnet werden. Es sei denn, der FCSP oder der Spieler hat ein starkes Interesse an einem Wechsel. Ceesay hat zuletzt mit drei Jokertreffern in Folge aufhorchen lassen, er scheint nun das Niveau erreicht zu haben, um in der kommenden Saison eine viel, viel größere Rolle zu spielen. Es ist zu hoffen, dass er bleibt und die Entwicklung weiter in diese Richtung geht. Dann könnte dem FCSP in naher Zukunft endlich mal keine Diskussion um fehlende Qualität in der Offensive ins Haus stehen.

Auch Kaars hat bereits nachgewiesen, dass er in der zweiten Liga treffsicher ist. Er dürfte sich nun auch viel besser beim FC St. Pauli zurechtfinden. Er könnte der neue Fixpunkt in der Offensive werden, so wie er es auch in Magdeburg vor seinem Wechsel zum FCSP war. Weiterhin eine Art Neuzugang ist Hara, von dem man bisher so wenig gesehen hat, dass völlig unklar ist, ob er in der kommenden Saison eine größere Rolle spielen kann. Diese könnte aber Jones zukommen, sofern er endlich mal länger verletzungsfrei bleibt. Moment, Jones, Kaars, Ceesay – alle mit der Aussicht und dem Wunsch auf mehr Spielzeit, dazu noch Hara. Die Mittelstürmer-Position ist quantitativ auf jeden Fall bereits ausreichend besetzt. Aber da sind ja noch mehr Spieler…

Plant der FC St. Pauli mit offensiven Außen?

Ein wichtiger Baustein für die Offensive, aber auch für das Team allgemein, wird auch in der Folgesaison Pereira Lage sein. Allerdings erst, wenn er nach seiner schweren Knieverletzung wieder fit ist, was womöglich erst zum Jahresende der Fall sein wird. Somit geht der FC St. Pauli, Stand jetzt, mit fünf Offensivspielern in die Sommervorbereitung, dazu ist noch Pereira Lage irgendwann wieder dabei. Das passt eigentlich.

Doch es sind weitere Zugänge und damit noch weitere Veränderungen zu erwarten, vor allem dann, wenn der FCSP in der kommenden Spielzeit wieder mit offensiven Außenbahnspielern agieren möchte. Dann dürften auch die vier aktuell fitten Mittelstürmer im Kader überlegen, wie es um ihre Spielzeit bestellt ist, weil es dann eine Mittelstürmerposition weniger zu besetzen gibt. Insbesondere für Banks dürfte es überhaupt nur dann attraktiv sein, beim FCSP zu bleiben, wenn Dribbelstärke über die Außenbahnen wieder gefragt ist. Somit dürfte auch die personelle Situation in der Offensive des FC St. Pauli ein großes Thema in der Sommerpause sein.

Artikelbild:Alles neu beim FC St. Pauli?

Der Umbruch wird mächtig

Machen wir uns nichts vor, es wird beim FC St. Pauli in diesem Sommer einen massiven personellen Umbruch geben. Bei einem halben Dutzend Spielern halte ich einen Abgang für höchstwahrscheinlich, bei einem weiteren halben Dutzend ist das bereits klar. Das wären zwölf Spieler, die den FCSP verlassen, weitere Abgänge sind nicht ausgeschlossen. Der Umbruch wird also massiv, was aber für einen Absteiger weitgehend normal ist.

Interessant ist, dass dabei fast der gesamte Mannschaftsrat auseinanderbricht. Dieser bestand in der Vorsaison aus Vasilj, Smith, Mets, Irvine, Dźwigała und Wahl. Es ist damit zu rechnen, dass mindestens die Hälfte dieses Rates zu Beginn der Vorbereitung nicht mehr da ist. Und es ist zumindest im Bereich des Möglichen, dass sogar alle den Verein verlassen. Der FC St. Pauli benötigt also neue Führungsspieler.

Es wird viel passieren

Somit wird dieser Transfersommer extrem spannend. Weil personell ordentlich rotiert werden wird. Für den FCSP ist das gar nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. Vielmehr ergibt sich dadurch die Chance den Kader komplett neu auszurichten, Führungsstrukturen zu ändern und gegebenenfalls auch ein neues System mit anderen Spielertypen zu implementieren.

Aktuell passiert auf der Zugangsseite relativ wenig. Mit Klein wurde erst ein Neuzugang präsentiert. Dem gegenüber stehen sechs fixe Abgänge. Dieses Ungleichgewicht hängt sicher zum Teil auch mit der bisher noch nicht beantworteten Trainerfrage zusammen, die daher möglichst schnell geklärt werden muss. Doch selbst die aktuelle Kadersituation macht bereits deutlich, dass beim FCSP vor dem ersten rollenden Ball in der kommenden Saison noch einige Veränderungen bevorstehen.

// Tim

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