DFB
·15. April 2026
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·15. April 2026
Dass Deutschlands Länderspielbeziehung mit der Schweiz eine besondere ist, ist unter Fans der Nationalmannschaft Basiswissen. Bei Premieren, Zäsuren, Rekorden oder spektakulären Toren stand sie oft Pate. Im November 1950 war die Schweiz der erste Gegner nach dem Krieg, damals in Stuttgart - während sich der Rest von Europa noch schwer damit tat. So fand auch das zweite Nachkriegsländerspiel zwischen den beiden Nachbarn statt, heute vor 75 Jahren in Basel. In die Phase des Neustarts fiel eine Premiere, die damals wenig Beachtung fand: Beim 3:2-Auswärtssieg an diesem Tag war das erste deutsche Brüderpaar für Deutschland am Ball - und Fritz und Ottmar Walter trafen sogar beide. Es sollte der Beginn einer weltmeisterlichen Geschichte werden. DFB.de blickt zurück.
Der 1. FC Kaiserslautern war 1951 auf dem Weg zu seiner ersten Meisterschaft überhaupt, da verwunderte es nicht weiter, dass sich der Blick von Bundestrainer Sepp Herberger immer öfter in die Pfalz richtete. Schon im Herbst 1950 lud er neben FCK-Kapitän Fritz Walter, den er schon 1939 erstmals nominiert und zu seinem Lieblingsschüler erklärt hatte, auch dessen dreieinhalb Jahre jüngeren Bruder Ottmar Walter ein. Aber Fritz war angeschlagen und konnte gegen die Schweiz nicht spielen, während Ottmar beim 1:0 in Stuttgart debütierte.
So verschob sich der Bruder-Doppelpass im DFB-Dress um ein halbes Jahr. Heute vor 75 Jahren zweifelte spätestens nach 42 Spielminuten wohl niemand mehr daran, dass das eine gute Idee gewesen war. Deutschland lag schon früh zurück, aber nun segelte eine Flanke von Fritz auf Ottmar Walter, und der Mittelstürmer traf per Kopf zum Ausgleich. Der "alte Fritz", er war damals bereits 30, sorgte nach 54 Minuten für das 3:1, dazwischen lag noch ein Tor von Münsters Felix "Fiffi" Gerritzen (50.). Im Gegenzug verkürzten die Gastgeber per Elfmeter zum 2:3-Endstand. Die Brüder-Premiere im DFB-Dress war also ein voller Erfolg. Beide hatten getroffen und Deutschland gewonnen.
Länderspiel Nummer 200 also sah das erste Brüder-Paar, was nicht heißt, dass es zuvor keine Brüder gegeben hätte. Die ersten von zwölf Paaren waren Adolf "Adsch" Werner und August Werner von Holstein Kiel. Adolf stand von 1909 bis 1912 ein dutzendmal im Tor, der zehn Jahre jüngere Bruder August war Verteidiger und kam 1925 auf zwei Einsätze. Die Schalker Hans Tibulski und Otto Tibulski kamen in den Dreißigern zu einem beziehungsweise zwei Länderspielen - aber nicht gemeinsam. Das galt auch für die Klodts, ebenfalls Schalker. Torwart Hans Klodt spielte zwischen 1938 und 1941 genau 17-mal, Stürmer Bernhard "Bern" Klodt" debütierte 1950 und war Mitglied des Weltmeisterteams von 1954. Er absolvierte 19 Einsätze, keinen mit seinem Bruder.
In früheren Darstellungen wurden auch Verwandte zu Brüdern erklärt wie die Risos aus Leipzig oder die Hillers aus Pforzheim, was einer strengen Überprüfung jedoch nicht statthielt. Die Hans Riso und Heinrich Riso, von 1908 bis 1910 insgesamt dreimal im Einsatz, spielten nicht mal im selben Verein. Öffentlich getrennt wurden sie allerdings erst 2003 durch einen Artikel in der Welt, die Zeitung erhielt Einblick in das Stammbuch einer Nachfahrin.
Vielleicht weil die Recherchemöglichkeiten kurz nach dem Krieg für Journalisten noch weit beschränkter waren, war von der besonderen Premiere der Walter-Brüder in der Fachpresse 1951 nichts zu lesen. Das wichtigste überregionale Blatt, das Sport Magazin, beschränkte sich aufs Fachliche und titelte: "Walter-Schade-Walter - unser kommendes Innentrio?" So kam es nicht, weil der Fürther Horst Schade (drei Länderspiele) nicht ganz mit den Lauterern mithielt. Fritz und Ottmar aber wurden zu "Helden von Bern", wobei der ältere im halblinken Mittelfeld die Fäden zog und der jüngere den klassischen Mittelstürmer gab. Gemeinsam absolvierten sie bis 1956 immerhin 17 Länderspiele, einmal löste der eine den anderen allerdings ab.
Es folgten noch viele Brüder, aber nur wenige Brüderpaare. Den Rekord halten die Försters aus Stuttgart. Bernd Förster, der Ältere, und Karlheinz Förster machten es den Walters nach und standen ebenfalls gemeinsam in einem WM-Finale, aber das wurde 1982 in Spanien gegen Italien 1:3 verloren. Die beiden wegen ihrer Härte gefürchteten Verteidiger spielten von 1979 bis 1984 exakt 29-mal gemeinsam für Deutschland und nahmen an drei Turnieren teil. Die kürzeste Familienzusammenführung gab es am 26. Oktober 1983 in Berlin, als Michael Rummenigge von Bayern München für neun Minuten zu Bruder Karl-Heinz Rummenigge stieß. Gemeinsam feierten sie ein 5:1 gegen die Türkei. Michael kam nur noch einmal wieder, da hatte "Kalle" schon aufgehört.
Ein Novum gab es am 10. Oktober 1973, als mit den Schalkern Erwin Kremers und Helmut Kremers ab der 12. Minute erstmals Zwillinge auf dem Platz standen. Auch dieser Moment stand unter einem guten Stern, Österreich wurde in Hannover 4:0 besiegt. Die Kremers liefen nur dreimal zusammen auf und feierten ansonsten getrennt: Erwin wurde 1972 Europameister, Helmut 1974 Weltmeister. Den Zwillingsrekord halten die beiden anderen Vertreter dieser Gattung: Lars Bender und Sven Bender kamen 2012 bis 2013 Seite an Seite zu fünf Einsätzen.
Weitere Brüder im DFB-Dress, die nie zusammen spielten:
Gert Dörfel (1960 bis1964) und Bernd Dörfel (1966 bis 1969)
Klaus Allofs (1978 bis 1988) und Thomas Allofs (1985 bis 1988)
Uli Hoeneß (1972 bis 1976) und Dieter Hoeneß (1979-1986)
Lukas Nmecha (seit 2021) und Felix Nmechax (seit 2023)
Für den DFV:
Gemeinsame Einsätze:
Roland Ducke und Peter Ducke (Jena) 18-mal (1960 bis 1967)
Karl Wolf und Lothar Wolf (Karl-Marx-Stadt) 11-mal (1955 bis 1957)
Getrennt im Einsatz:
Wolfgang Wruck und Horst Wruck (Berlin, 1967 bis 1969)




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