VfL Osnabrück
·13. Juni 2026
Als ein Osnabrücker für den DFB traf – Ein Rückblick auf vergangene lila-weiße Nationalspieler

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·13. Juni 2026

Bevor die deutsche Nationalmannschaft am morgigen Sonntag mit dem Spiel gegen Curacao in die Weltmeisterschaft 2026 startet, werfen wir einen lila-weißen Blick zurück. Denn heute vor 70 Jahren war es das letzte Mal, dass mit Theo Schönhöft ein VfL-Spieler für die deutsche A-Nationalelf auflief. Dabei hatte der Offensivmann einige Vorgänger.
Am 9. Mai 1932 in Steinfeld geboren, lernte Theo Schönhöft (siehe Beitragsbild) beim ortsansässigen Sportverein Falke Steinfeld das Fußballspielen. Schon früh erkannte man dort das Talent des pfeilschnellen Stürmers und beförderte diesen bereits mit 16 Jahren in die Herrenmannschaft des Vereins. Nachdem Schönhöft mit 95 Toren in 100 Spielen den Verein quasi im Alleingang in die Amateuroberliga geschossen hatte, wechselte er zum VfL Osnabrück. Und auch hier konnte er das Toreschießen einfach nicht sein lassen. Saison für Saison war Schönhöft der beste Torschütze des VfL, wurde ein Publikumsliebling, der bei seinen Antritten stets mit langgezogenen „Theoooo“-Rufen begleitet wurde, und machte sich auch über die Grenzen Osnabrücks hinaus einen Namen. So wurde auch der damalige Bundestrainer Sepp Herberger auf den „Pfeil des Nordens“ aufmerksam und berief ihn für das Länderspiel gegen Norwegen im Juni 1956 in den Kader der Nationalelf.
Am 13. Juni 1956, also auf den Tag genau vor 70 Jahren, stand Schönhöft vor über 28.000 Zuschauern im Ullevaal Stadion in Oslo direkt in der Startelf. Dabei musste die DFB-Elf bereits nach 17 Minuten den 0:1-Rückstand hinnehmen. Nur neun Minuten später war Schönhöft aber zur Stelle und erzielte mit einem satten Schuss nicht nur seinen Premierentreffer für die deutsche Auswahlelf, sondern auch den 1:1-Ausgleich. Nach dem Wiederanpfiff bereitete er zudem den 3:1-Endstand durch Ulrich Biesinger vor. Erich Bäumler sorgte zwischenzeitlich für das 2:1, sodass Theo Schönhöft ein rundum gelungenes Debüt im Nationalmannschaftstrikot feierte. Trotzdem blieb es das einzige Länderspiel in Schönhöfts Laufbahn – vielleicht auch, weil Bundestrainer Herberger traditionell stark auf Spieler aus dem Südwesten setzte.
Überschattet wurde seine Karriere zwei Jahre später von einem tragischen Verkehrsunfall. Am 1. Dezember 1958 machte sich Schönhöft zu der Abschlussprüfung seines Lehramtsstudiums von Osnabrück auf den Weg zur Westfälischen Wilhelms-Universität nach Münster. Aufgrund der vereisten Straße verlor er die Kontrolle über seinen VW-Käfer und erlitt einen Schädelbasisbruch. Tagelang kämpfte er ums Überleben, erholte sich jedoch nicht nur von seinen schweren Verletzungen, sondern stand bereits neun Monate nach dem Unfall wieder für den VfL auf dem Platz. Nach der Saison 1959/60 beendete Schönhöft seine aktive Karriere im Trikot der Lila-Weißen und widmete sich fortan dem Lehrerberuf. Am 26. Juli 1976 starb Theo Schönhöft im Alter von nur 43 Jahren an den Spätfolgen seines Unfalls. Für den VfL Osnabrück ist der Mittelstürmer mit über 90 Toren in 208 Einsätzen bis heute eine absolute Vereinslegende, die den Rhomboid trotz des Interesses anderer Vereine bis zu ihrem Karriereende stets mit Stolz trug.
Aber auch vor Schönhöft reisten VfL-Spieler zur DFB-Elf. Zum allerersten Mal in der Vereinshistorie lief Matthias Billen als aktiver Spieler der Lila-Weißen für die deutsche Nationalmannschaft auf. Seine Karriere begann der Mittelfeldspieler beim SV Hamborn 07, ehe er als Soldat 1936 in Osnabrück stationiert wurde und fortan für den VfL auflief. Hier avancierte er schnell zum Leistungsträger und führte die Lila-Weißen in seiner ersten Saison 1936/37 nicht nur zurück in die Gauliga Niedersachsen, sondern 1939 und 1940 in diesem Wettbewerb auch zur Meisterschaft, die jeweils zur Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizierte. Noch heute gehören die Gauliga-Titel zu den größten Vereinserfolgen des VfL Osnabrück.
Im Zuge dieser herausragenden Leistungen kam Billen am 27. September 1936 zu seinem ersten und einzigen Länderspieleinsatz. Aufgrund der Tatsache, dass die DFB-Elf an diesem Tag gleich zwei Freundschaftsspiele bestritt, nominierte Reichstrainer Otto Nerz zwei Kader. Während Nerz die deutsche Mannschaft in Prag beim Spiel gegen die Tschechoslowakei betreute (2:1-Sieg), reiste Billen unter Chefcoach Sepp Herberger nach Krefeld, wo man auf die luxemburgische Auswahlelf traf. Beim 7:2-Heimsieg traf Billen zwar nicht selbst, hinterließ aber dennoch einen positiven Eindruck, auch wenn es wiederum nicht für eine erneute Berufung reichte. Ohnehin geriet der Fußball einige Jahre später aufgrund des Zweiten Weltkriegs in den Hintergrund.
Nach dem Ende des Krieges schnürte Billen erneut die Fußballschuhe für den VfL und absolvierte erst im Alter von 39 Jahren in der Saison 1948/49 sein letztes Pflichtspiel. Lange Zeit hielt Matthias, genannt „Mattes“ Billen, zudem den Vereinsrekord als ältester Torschütze des VfL, als er am 29. Mai 1948 im Alter von 38 Jahren und zwei Monaten im Spiel gegen Werder Bremen traf. Dieser wurde jedoch jüngst von Robert Tesche (38 Jahre, elf Monate und sechs Tage) und dessen Treffer gegen Wehen Wiesbaden eingestellt. Als erster Nationalspieler des VfL Osnabrück bleibt Billen, der am 1. Juli 1989 im Alter von 80 Jahren verstarb, für immer Teil der lila-weißen Geschichtsbücher und somit den VfL-Fans in Erinnerung.
Ebenfalls unter Sepp Herberger, aber nicht an der Seite von Mattes Billen, stand auch Heinz Flotho während seiner Osnabrücker Zeit für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Rasen. Nur wenige Meter von der Bremer Brücke entfernt im Osnabrücker Schinkel geboren, wurde Heinz „Schlangel“ Flotho das Fußballspielen quasi in die Wiege gelegt. Dabei lief der Schlussmann zu Beginn seiner VfL-Zeit (ab 1933) gar nicht an der Bremer Brücke auf. Denn die Lila-Weißen absolvierten zu diesem Zeitpunkt einen Großteil ihrer Spiele noch auf dem Platz in der Gartlage. Erst im Juni 1938 wurden im Zuge der Fusion mit dem SC Rapid Osnabrück die Vereinsfarben Lila-Weiß und im Sommer 1939 die Bremer Brücke zum Spielort. Exakt einen Monat vor seinem Länderspieleinsatz absolvierte Flotho eines seiner legendärsten Spiele mit dem VfL. Vor 18.000 Zuschauern bezwang man mit Hannover 96 den amtierenden Deutschen Meister. Durch Treffer von Walter Simon und Addi Vetter gewann man mit 3:0. In der Defensive tat sich Flotho als unbezwingbarer Schlussmann hervor. Mitspieler Mattes Billen lobte seinen Keeper nach der Partie in höchsten Tönen: „Der Flotho hat gehalten wie ein Herrgott.“ Wegen seiner Sprungkraft und seines Mutes tauften ihn Journalisten nicht umsonst den „Schwarzen Panther“.
Dies sah wohl auch Sepp Herberger, der im Übrigen ein guter Freund des damaligen VfL-Trainers Walter Hollstein war, so und nominierte Heinz Flotho für den Nationalmannschaftskader im März 1939. Als der DFB am 26. März 1939 einen Doppelspieltag mit der Nationalmannschaft durchführte, kam Flotho beim Spiel in Differdingen gegen Luxemburg zum Einsatz. Dabei verlor die deutsche Mannschaft überraschend mit 1:2. Flotho wurden im Spielbericht allerdings sagenhafte Reflexe zugeschrieben, zudem wurde er als bester deutscher Spieler geführt. Daraufhin gehörte der Torwart auch dem Aufgebot für das Länderspiel am 14. Juli 1940 in Frankfurt gegen Rumänien (9:3) an, kam aber nicht zum Einsatz. Im April 1942 wechselte er schließlich zum FC Schalke 04, mit dem er 1942 die deutsche Meisterschaft gewann. Im selben Jahr war er in den Länderspielen gegen Spanien (1:1) und Schweden (2:3) als Ersatzkeeper Teil des Nationalmannschaftskaders, kam aber ebenfalls nicht zum Einsatz.
Im Februar 1949 kehrte Flotho schließlich von Hessen Kassel zum VfL Osnabrück zurück. Nach weiteren zweieinhalb lila-weißen Jahren beendete er 1954 beim Gelsenkirchener Verein STV Horst-Emscher-Husaren seine Karriere. Daraufhin betrieb er mit seiner Frau Ellie bis in die siebziger Jahre eine Gaststätte, die den Namen „FC Flotho“ trug. Am 29. Januar 2000 verstarb der „Schwarze Panther“ Heinz Flotho im Alter von 84 Jahren in einem Gelsenkirchener Pflegeheim.
Am erfolgreichsten als VfL-Spieler im DFB-Dress war jedoch niemand Geringeres als Hannes Haferkamp. Viermal lief der Flügelstürmer für die Nationalmannschaft auf und verbuchte dabei zwei Treffer. Zuvor machte der Stürmer ab 1948 im Trikot des VfL auf sich aufmerksam. So war Haferkamp, der über eine herausragende Technik und großes Spielverständnis verfügte, maßgeblich an den Qualifikationen zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft in den Jahren 1950 und 1952 beteiligt. So kam es für den damals 29-Jährigen im Juni 1951 zum ersten Länderspieleinsatz. Nachdem die Türkei bereits nach fünf Minuten im Berliner Olympiastadion geführt hatte, glich Haferkamp in der 66. Minute per Distanzschuss zum 1:1 aus. Am Ende musste er sich bei seinem Debüt durch einen erneuten Gegentreffer in der 85. Minute jedoch mit 1:2 geschlagen geben.
Bundestrainer Sepp Herberger imponierte die Leistung Haferkamps aber dennoch und nominierte die VfL-Legende auch im September 1951 für das Freundschaftsspiel gegen Österreich im damaligen Praterstadion in Wien. Während ein gewisser Ernst Happel, der ab 1992 Namensgeber der Spielstätte werden sollte, bei den Gastgebern in der Startelf stand, musste Hannes Haferkamp zunächst auf der Bank Platz nehmen. In der 70. Minute, als die deutsche Mannschaft bereits mit 1:0 führte, kam der Stürmer schließlich für Felix Gerritzen in die Partie. Und auch gegen die Österreicher setzte Haferkamp dem Spiel seinen Stempel auf und erzielte in der 87. Minute den 2:0-Endstand. Von diesem Spiel existieren noch Radio- und Videoaufnahmen, die sich im Bestand des VfL-Museums befinden und auch in das Video zum 100. Geburtstag von Hannes Haferkamp eingebettet sind. So kam der gebürtige Osnabrücker auch in den Länderspielen gegen die Türkei am 21. November 1951 (2:0) und fünf Monate später am 20. April 1952 gegen Luxemburg (3:0) zum Einsatz. Haferkamp durfte sich also berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1954 machen. Eine schwere Tuberkulose-Erkrankung machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Anderthalb Jahre musste der Offensivmann daraufhin pausieren. Zwar schaffte er es kurz vor dem Turnierstart beim VfL wieder auf den grünen Rasen, verpasste aber dennoch das Turnier in der Schweiz und damit auch das Wunder von Bern.
Seine ehemaligen Nationalmannschaftskollegen rund um Bundestrainer Sepp Herberger hatten Haferkamp jedoch nicht vergessen und schickten ihm kurz nach dem Halbfinaleinzug eine Postkarte aus dem schweizerischen Spiez, die heute im VfL-Museum an der Bremer Brücke zu sehen ist. „Lieber Hannes, aus Spiez herzliche Grüße. Ihr Seppl Herberger“, stand dort geschrieben. Darunter zu sehen waren die Unterschriften der Nationalspieler, die wenige Tage später sensationell den ersten WM-Titel Deutschlands einfahren sollten. Von diesem sportlichen Rückschlag ließ sich Haferkamp jedoch nicht unterkriegen. So ging er noch zwei weitere Jahre für die Lila-Weißen auf Torejagd und blickte am Ende seiner Karriere auf 40 Treffer in 141 Pflichtspielen zurück.
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn betrieb er mit seiner Frau Gertrud in Osnabrück ein Lottogeschäft in der Lotter Straße. Die Leidenschaft für das runde Leder verlor er dabei nie. So verfolgte er regelmäßig die Spiele des VfL an der Bremer Brücke, an der er an Spieltagen ebenfalls einen Kiosk betrieb, und traf sich mit Freunden zum Kicken auf der Wiese hinter der Tribüne im Moskaubad. Genau dort erlitt er am 30. Juni 1974 während des Fußballspielens einen Herzinfarkt, dem er wenig später auf der Fahrt ins Krankenhaus erlag. Hannes Haferkamp wurde nur 52 Jahre alt. Bis heute ist er eine, wenn nicht die größte Vereinslegende des VfL. So steht die Bremer Brücke, an der er so zahlreiche Tore erzielte und unvergessene Siege einfuhr, seit dem 17. April 2019 nicht mehr an der Scharnhorststraße 50, sondern am Hannes-Haferkamp-Platz 1.
Mit Theodor Schönhöft endete vor 70 Jahren vorerst die Reihe der VfL-Spieler in der deutschen A-Nationalmannschaft. Die Geschichten von Schönhöft, Billen, Flotho und Haferkamp zeigen jedoch eindrucksvoll, dass die Bremer Brücke schon früh Heimat von Spielern war, die sich auch auf höchster Ebene einen Namen machten. Vier Nationalspieler, vier besondere Lebenswege und ein gemeinsames Kapitel in der Geschichte des VfL Osnabrück, das bis heute untrennbar mit den drei Rauten verbunden ist.
Text: Jendrik Greiwe Fotos: Archiv VfL Museum
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