90PLUS
·11. September 2026
Ancelotti räumt auf – aber Neymar ging von allein

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·11. September 2026

26 Spieler, 17 davon ohne WM-Erfahrung aus dem Sommer, acht davon ohne ein einziges A-Länderspiel. Carlo Ancelotti hat angekündigt, nach dem Turnier umzubauen. Am Mittwoch hat er geliefert – und dabei Namen gestrichen, die in Brasilien als gesetzt galten.
Für die drei Testspiele im September und Oktober berief der 67-Jährige lediglich neun Akteure aus dem WM-Kader. Der Altersschnitt liegt bei 24,9 Jahren. Zehn der 26 Spieler stehen bei brasilianischen Klubs unter Vertrag.
Brasilianische Medien sprechen von einem historischen Umbruch, und das ist keine Übertreibung: Seit 2006 gab es nach einer Weltmeisterschaft nur zweimal einen noch größeren Einschnitt – 2010 blieben vier WM-Fahrer im Kader, 2006 waren es acht.
Am radikalsten ist der Bruch zwischen den Pfosten. Alisson und Ederson sind draußen, an ihre Stelle tritt ein komplett neues Trio: Hugo Souza von Corinthians, Otávio von Cruzeiro und Pedro Morisco von Coritiba. Zusammen bringen die drei ein einziges A-Länderspiel mit.
Man kann das als mutig lesen. Man kann es auch als das lesen, was es logisch ist: Wer einen Zyklus über vier Jahre plant, sucht keinen Torhüter für den nächsten Test, sondern einen für 2030.
Ancelotti hatte im Juli, kurz nach dem Achtelfinal-Aus gegen Norwegen, angekündigt, gezielt Spieler zu nominieren, die auch für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles infrage kommen. Genau das ist die Handschrift dieses Kaders. Breno Bidon ist mit einem Marktwert von 22 Millionen Euro der wertvollste der acht Debütanten.
Es geht also nicht um den nächsten Gegner. Es geht um das Gerüst einer Mannschaft, die in vier Jahren stehen soll.
Ein Detail, das in vielen Zusammenfassungen untergeht: Neymar wurde nicht gestrichen. Der Rekordtorschütze – 79 Treffer – hat seine Laufbahn in der Seleção nach der Weltmeisterschaft selbst beendet. Ancelotti hatte ihn im Mai gegen erhebliche Widerstände in den WM-Kader berufen, nachdem er seit 2023 kein Länderspiel mehr bestritten hatte.
Wer aus dieser Personalie einen Kahlschlag konstruiert, erzählt die falsche Geschichte. Der Kahlschlag betrifft Casemiro, Alisson und Ederson. Bei Neymar war es ein Abschied.
Am 25. September trifft Brasilien in Townsville auf Australien, am 29. September in Brisbane erneut. Es ist das erste Duell seit 2017; die Socceroos haben gegen Brasilien bislang genau einmal gewonnen, 2001 beim Konföderationen-Pokal.
Am 3. Oktober folgt in Kolkata das allererste Länderspiel zwischen Brasilien und Indien, im Salt-Lake-Stadion. Indien steht in der FIFA-Weltrangliste auf Position 138. Sportlich ist das kein Test. Kommerziell ist es einer der größten Märkte, die der brasilianische Verband noch erschließen kann.
Drei Freundschaftsspiele gegen Gegner dieser Kategorie sagen wenig über Qualität aus. Sie sagen viel über Prioritäten. Ancelotti nutzt ein Fenster ohne Ergebnisdruck, um acht Spielern das Trikot überzuziehen und zu sehen, wer damit umgehen kann.
Das ist die vernünftigste Verwendung, die man für einen September nach einem gescheiterten Turnier finden kann. Ob daraus eine Mannschaft wird, entscheidet sich frühestens in der WM-Qualifikation. Bis dahin gilt: Wer nach einem Achtelfinal-Aus alles beim Alten lässt, hat aus dem Aus nichts gelernt.







































