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·19. Mai 2026
Ancelottis kalkulierte WM-Wette mit Brasilien: Neymar fährt mit, aber auf Bewährung

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Nach zwei Jahren Pause kehrt Neymar in die Selecao zurück. Eine Startelf-Garantie gibt Trainer Ancelotti dem 34-Jährigen aber nicht.
Die Nominierung Neymars für die WM ist eine Entscheidung, die Carlo Ancelotti mit bemerkenswerter Nüchternheit eingerahmt hat. Brasiliens Nationaltrainer hat den 34-Jährigen ins Aufgebot geholt, ohne ihm zugleich die Startelf zu versprechen. Das ist die eigentliche Botschaft jener Gala am Montag in Rio de Janeiro, bei der lauter Jubel einsetzte, als der Name des Rekordtorschützen fiel. Ein Star wird mitgenommen, aber er wird nicht über das Team gestellt. Ancelotti hat erklärt, man habe Neymar „das ganze Jahr über beobachtet und festgestellt, dass er zuletzt konstant gespielt hat und sich seine körperliche Verfassung verbessert hat". Das ist die sportliche Begründung, und sie wirkt belastbarer, als es die Vorgeschichte vermuten ließ. Seit einer Knieverletzung im WM-Qualifikationsspiel gegen Uruguay im Oktober 2023 hat Neymar nicht mehr für Brasilien gespielt – über zwei Jahre Pause im Selecao-Trikot, ein Zeitraum, in dem ein Spieler aus dem Rhythmus fällt, den eine WM verlangt. Dass Ancelotti ihn dennoch beruft, ist kein Reflex, sondern eine kalkulierte Wette. Auffällig ist, wie der Trainer den Druck von seinem prominentesten Spieler nimmt. „Wir haben uns für Neymar entschieden, nicht weil wir ihn für einen guten Ersatzspieler halten, sondern weil wir glauben, dass er seine Qualitäten ins Team einbringen kann", sagte Ancelotti, „egal ob er eine, fünf oder 90 Minuten spielt oder gar nicht zum Einsatz kommt, ob er einen Elfmeter schießt oder nicht." Das ist eine ungewöhnliche Formulierung für einen Spieler, dessen Karriere lange von Erwartungshaltungen getragen wurde. Ancelotti definiert die Rolle Neymars neu, bevor das Turnier beginnt. Die 79 Tore in 128 Länderspielen begründen den Status, sie ersetzen aber keine Spielpraxis. Bemerkenswert ist auch, dass die Nominierung offenbar nicht allein eine Trainerentscheidung war. Medienberichten zufolge sollen sich neben ehemaligen Selecao-Trainern auch aktuelle Nationalspieler intern für Neymar ausgesprochen haben. Ancelotti selbst hat den Gedanken aufgegriffen: Der Angreifer verfüge „über Erfahrung in solchen Wettbewerben und genießt die Zuneigung der Mannschaft", er könne „für ein besseres Klima im Team sorgen". Damit verschiebt sich die Begründung von der reinen Sportlichkeit hin zur Funktion innerhalb der Kabine. Neymar ist als Bezugspunkt nominiert, nicht zwingend als Stammkraft. Die zweite, fast unscheinbare Mahnung Ancelottis trägt weiter. Es sei wichtig, „nicht alle Erwartungen auf einen einzigen Spieler zu setzen". Wer Brasiliens Geschichte mit Neymar kennt, weiß, wie häufig genau das geschehen ist – und wie oft das Land daran gescheitert ist. Seit dem Titelgewinn 2002 wartet die Selecao auf den sechsten Triumph, und die Kette der Enttäuschungen ist auch eine Kette zu großer individueller Lasten. Ancelotti versucht, dieses Muster zu durchbrechen, indem er Neymar nominiert und gleichzeitig die Bühne kleiner macht. In der Vorrundengruppe C trifft Brasilien auf Marokko, Schottland und Haiti. Es ist eine Konstellation, die Ancelotti Spielraum gibt, Neymar dosiert einzusetzen, ohne den Turnierfahrplan davon abhängig zu machen. Genau das scheint der Plan zu sein. Der Jubel in Rio war laut, die Botschaft des Trainers war leise. Beides gehört zusammen, und beides muss bei dieser WM zueinander passen.







































