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Philipp Overhoff·20. Juni 2026

Angst, Deutschland? Ein totgesagter WM-Star läuft gerade heiß

Artikelbild:Angst, Deutschland? Ein totgesagter WM-Star läuft gerade heiß

Nach dem klaren 7:1 gegen Curaçao wartet auf die deutsche Nationalmannschaft im zweiten Gruppenspiel ein deutlich härterer Prüfstein. Mit der Elfenbeinküste trifft das DFB-Team auf einen starken Gegner, der in einem Testspiel kurz vor WM-Start sogar gegen Frankreich gewann und gleich mehrere Spieler hat, die der DFB-Elf gefährlich werden können. Gerade mit einem davon hatte wohl niemand mehr gerechnet.

Im Auftaktspiel gelang der Elfenbeinküste ein verdientes 1:0 gegen Ecuador. Für große Aufmerksamkeit sorgte dabei die Bundesliga-Flügelzange aus Yan Diomande und Bazoumana Touré. Nach starken Saisons liegen die Marktwerte der beiden Speedster bei 40, beziehungsweise 90 Millionen Euro.


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Doch die Ivorer sind weitaus mehr als nur ihre beiden bekannten Außenbahnspieler. Im Schatten von Diomande und Touré lauert ein weiterer Star, der nach schwierigen Jahren eindrucksvoll zurück zu alter Stärke gefunden hat – und den meisten Fans ebenfalls bekannt vorkommen dürfte.

Im Gelben U-Boot zurück zu alter Stärke

Denn noch vor einigen Jahren gehörte Nicolas Pépé zu den heißtesten Aktien auf dem internationalen Transfermarkt. Der mittlerweile 31-Jährige feierte seinen Durchbruch einst in der französischen Ligue 1, wo ihm in der Saison 2018/19 herausragende 22 Tore und zwölf Assists gelangen.

Der FC Arsenal nahm von dieser steilen Entwicklung Notiz und verpflichtete den Offensivstar im Anschluss für satte 80 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de). Zu diesem Zeitpunkt war er der teuerste afrikanische Fußballspieler aller Zeiten. Doch diese Monster-Ablöse konnte Pépé in Nord-London zu keinem Zeitpunkt rechtfertigen. Nachdem er in seinen ersten beiden Spielzeiten noch jeweils elf Scorerpunkte sammelte, folgte ein wahres Horrorjahr mit nur einem Ligatreffer. 

Doch warum bekam das einstige Megatalent bei den Gunners so gar keinen Fuß auf den Boden? Erst vor wenigen Wochen sprach Pépé im Interview mit 'Flashscore' über seine Arsenal-Zeit. Dabei ging es in erster Linie auch um seine Beziehung zu Mikel Arteta. "Er ist ein Trainer, der bestimmte Dinge verlangt. Manchmal war es etwas schwierig für mich, da die Kommunikation zwischen uns hin und wieder nicht so gut funktionierte", berichtete Pépé. Die Schuld dafür suchte er allerdings keinesfalls nur bei Arteta: "Ich bedauere genau das am meisten: dass ich nicht genug mit ihm kommuniziert habe.“

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📸 CHARLY TRIBALLEAU - AFP or licensors

Um seiner ins Stocken geratenen Karriere neuen Schwung zu verleihen, wechselte der Tempodribbler 2022 zurück in altbekannte Gefilde. Bei Ligue-1-Klub OGC Nizza floppte er jedoch erneut und ging nur wenige Monate später ablösefrei zu Trabzonspor in die türkische Süper Lig. Normalerweise ein Ort, an dem sich Karrieren ihrem Ende zuneigen. Selbst dort wollte es nicht richtig klappen. Doch statt noch eine weitere Stufe des Abstiegs zu nehmen, zog er im Sommer 2024 ablösefrei nach Spanien weiter.

Dort stellte sich heraus: Der FC Villarreal war genau das, was Pépé all die Jahre gesucht und nicht gefunden hatte. Nach einer soliden ersten Spielzeit blühte er in der abgelaufenen Saison so richtig auf: Mit acht Toren und zehn Vorlagen schoss er das Gelbe U-Boot auf einen starken dritten Tabellenplatz und damit in die Königsklasse.

Pünktlich zur WM befindet sich Pépé also in einer beeindruckenden Verfassung. Gemeinsam mit den jungen Senkrechtstartern Diomande und Touré bildet der Wiederauferstandene eine brandgefährliche Offensive, wegen der sogar ManUnited-Star Amad Diallo nur die Jokerrolle bleibt. Als klassische Neuner kann die Elfenbeinküste zudem auf Elye Wahi und Inter-Juwel Ange-Yoan Bonny bauen.

Auch Diomande musste kämpfen

Es ist ein Team, das mit Rückschlägen umgehen kann. Auch Shootingstar Diomande verriet vor einigen Tagen im 'Players' Tribune', dass seine Karriere keinesfalls nur steil bergauf ging. Bei Bournemouth habe man ihn abgelehnt. Und auch "bei Chelsea, Rangers, Olympiacos, Crystal Palace". Eberechi Eze und Michael Olise seien sogar auf ihn zugekommen und hätten gesagt: “Yo Kid, du bist wirklich gut”. Trotzdem habe ihn niemand verpflichtet.

"Nicht mal die B-Teams der MLS wollten mich. Ich weiß nicht mal warum. Sie haben mir nie einen Grund genannt. Die Erwachsenen haben sich um alles gekümmert. Sie haben mich in ganz Europa angeboten, doch alle sagten nein", so Diomande.

Er habe zurück nach Afrika reisen müssen und sei bitter enttäuscht gewesen. Als ihn Wochen später Leganés, sein Team vor dem Wechsel zu Leipzig, verpflichten wollte, habe er vor Freude geweint.

Ein Tor gegen den DFB als Karriere-Highlight?

Die sportlichen Qualitäten der Elfenbeinküste sind nicht zu übersehen. Jeder einzelne der ivorischen Angreifer verfügt über ordentlich Speed und stellt für die deutsche Defensive somit eine potenzielle Bedrohung dar. Denn wenn die DFB-Elf eine große Schwäche hat, dann ist es eindeutig die Konterabsicherung und die Anfälligkeit nach eigenen Ballverlusten.

Dessen ist sich auch die Elfenbeinküste bewusst. Man kann davon ausgehen, dass die Afrikaner auf eben jene Unachtsamkeiten lauern und anschließend in höchster Geschwindigkeit in die offenen Räume stoßen werden. Vor allem Stürmer Pépé dürfte daher reichlich Gelegenheiten bekommen, um sich auszuzeichnen und seine Comeback-Story fortzusetzen. Womöglich krönt er seine fußballerische Renaissance ja sogar mit einem Tor gegen den viermaligen Weltmeister. Es würde zu seiner Entwicklung im vergangenen Jahr passen.


📸 Darrian Traynor - 2026 Getty Images

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