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·18. Januar 2026

Arbeloas Feuerwehrmann: Güler löscht das Feuer im Bernabéu

Artikelbild:Arbeloas Feuerwehrmann: Güler löscht das Feuer im Bernabéu
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Gegen Levante war Arda Güler der entscheidende Mann nach seiner Einwechslung – Foto: Angel Martinez/Getty Images

Deeskalation dank Einwechslung

Dass es Pfiffe geben würde, war klar. Dass es so heftig und intensiv wurde, war dennoch ziemlich überraschend. Bereits eine Stunde vor Anpfiff des Heimspiels gegen Levante (2:0) gab es die ersten lauten Unmutsbekundungen gegen Real Madrids Spieler seitens des Publikums, als sie zum Aufwärmen erstmals am Samstagnachmittag den Rasen des Estadio Santiago Bernabéu betraten. Sekunden vor Anstoß wurde es dann noch lauter, als alle 70.000 Zuschauer ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert gegen die eigenen Spieler veranstalteten, die sie während des ersten Halbzeit dann fast durchgehend weiter auspfiffen. Manche Spieler, wie Vínicius Júnior, Jude Bellingham und Federico Valverde, die man im Madridismo als die Hauptverantwortlichen für das unrühmliche Ende von Xabi Alonso ausgemacht hatte, wurden sogar bei jedem Ballkontakt gnadenlos mit Pfiffen bestraft.


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Nach einer katastrophalen ersten Hälfte, in der dem Team von Álvaro Arbeloa praktisch nichts gelungen war, wurde nicht nur weiter und noch lauter gepfiffen, sondern die Lage drohte im zweiten Durchgang noch mehr zu eskalieren. Zu viel Unmut, Unzufriedenheit und inzwischen auch Wut hatte sich bei Reals Fans nach den jüngsten Ereignissen und Misserfolgen angesammelt, und zu schlecht präsentierte sich die Mannschaft erneut. Doch dann wechselte Arbeloa direkt zur Pause den Retter ein – mit Arda Güler kam endlich Schwung in das bis dato fast nicht existente Offensivspiel der Blancos. Der Türke brachte endlich etwas Klarheit, Struktur und Ruhe, aber auch Biss ins völlig verunsicherte Team, das am Ende einen Sieg errang, der unerlässlich war, um die Königlichen im Kampf um die Liga zu halten und die Gemüter zumindest ein wenig zu beruhigen.

Güler verändert den Spielverlauf

Mit seiner Ball- und Passsicherheit und seinem Gespür für den richtigen Moment veränderte er den Rhythmus der Partie. Der Elfmetertreffer von Kylian Mbappé zum 1:0 in der 58. Minute, nachdem Güler endlich die dicht gedrängte Abwehr von Levante mit einem Steilpass durchbrochen hatte, den niemand zuvor spielen konnte, bis die Nummer 15 auftauchte, erwies sich als der Schlüsselmoment an einem bis dato in jeder Hinsicht so schwierigen Nachmittag. Kurze Zeit später war der 20-Jährige auch beim zweiten Treffer entscheidend beteiligt: Seine präzise Ecke fand den Kopf von Raúl Asencio, der das 2:0 erzielte und Real Madrid so eine ruhigere Schlussphase bescherte, in der es sogar zu einem noch höheren Sieg hätte kommen können.

Doch auch abseits der beiden Tore hatte der Einsatz des türkischen Nationalspielers eine heilende Wirkung auf die bis dato so nervöse Mannschaft, der nichts gelingen wollte. Trotz der aufgeheizten Atmosphäre bewies Güler Mut und Verantwortung, forderte den Ball, gab auch den ersten Schuss in der zweiten Hälfte ab, gleichzeitig beruhigte er aber die Gesamtstatik der Partie. Mit dem Linksfuß als Antreiber agierten die Madrilenen endlich flüssiger, zielstrebiger und selbstbewusster und beendeten schließlich eine Partie einigermaßen souverän, die auf eine weitere Katastrophe hinauszulaufen drohte. Und retteten sich vor noch größerem Zorn ihrer Anhänger.

Unter Alonso zuletzt außen vor

Nach einer äußerst schwierigen Vorsaison unter Carlo Ancelotti, in der Güler wenig und wenn, dann meist als rechter Flügelstürmer zu Einsatz kam – eine Rolle, die ihm überhaupt nicht lag – hatte sich der Türke unter Xabi Alonso schon im Sommer als Mittelfeld-Chef festgespielt. Bei der Klub-WM setzte Alonso ihn ausschließlich und konsequent im offensiven Mittelfeld ein, und der ehemalige Feherbahce-Spieler packte die Gelegenheit beim Schopf. Beim Turnier in den USA wurde Güler in allen sechs Spielen eingesetzt, gehörte nicht nur wegen eines Treffers und zwei Torvorlagen zu den besten Madrilenen. Das Vertrauen des Trainers tut Arda spürbar gut, der nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental ganz anders wirkte und mit einem ganz anderen Selbstvertrauen auftrat, als es noch unter Ancelotti der Fall war. Als dann die neue Saison angefangen hatte, wurde der Türke in jeder der ersten zehn Partien eingesetzt – nur einmal kam er von der Bank. In Xabi Alonsos System schien der Techniker  eine Schlüsselrolle im offensiven Mittelfeld der Königlichen einzunehmen. Sowohl im Spielaufbau als auch im letzten Drittel des Spielfeldes hatte sich das im türkischen Altindag geborene Ausnahmetalent als der entscheidende Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive etabliert.

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Doch dann kam der Herbst und mit ihm auch die Krise des Arda Güler. Nach der Rückkehr von Jude Bellingham nach dessen Schulter-OP klickte es in der königlichen Offensive nicht mehr so wie noch zu Saisonbeginn. Es hatte den Anschein, als hätte Reals Mittelfeld keine gute Balance, wenn die Beiden gleichzeitig auf de Platz stehen. Außerdem kam immer wieder Gülers noch fehlende Robustheit als zusätzliches Hindernis dazu: Obwohl Arda in den letzten beiden Jahren seit seiner Ankunft in der spanischen Hauptstadt enorm körperlich zugelegt hat und längst nicht mehr der schmächtige Junge von damals ist, ist die physische Komponente immer noch seine größte Schwäche. Zu oft resultieren noch Direktduelle gegen physisch und mannorientiert agierende Teams in gefährlichen Ballverlusten und Umschaltsituationen für Gegner, wie beispielsweise im Stadtderby bei Atlético Madrid (2:5) immer wieder zu beobachten war. Oder aber im Liga-Clásico gegen den FC Barcelona (2:1), als sein Ballverlust den Katalanen den zwischenzeitlichen Ausgleich ermöglichte.

All dies brachte den Edel-Techniker nicht nur aus dem bis dato sehr guten Rhythmus, sondern kostete ihn im Laufe der Zeit auch den Stammplatz. Denn, als es im November zur ersten großen Krise bei Real kam und das Team innerhalb weniger Wochen die Tabellenführung einbüßte, setzte Alonso immer mehr nur auf Bellingham. Irgendwann ging es für den baskischen Coach dann um seinen Job und dann blieb Arda fast völlig außen vor. In den letzten Wochen spielte der Türke unter Alonso schließlich fast gar keine Rolle mehr.

Neue Chance mit Arbeloa

Der Auftritt in der zweiten Halbzeit gegen Levante half am Samstag nicht nur Real Madrids Mannschaft und Trainer Arbeloa, sondern dürfte auch Arda Güler eine neue Chance eröffnet haben, sich wieder als eine Schlüsselfigur im Offensivspiel der Königlichen zu etablieren. Gegen Levante wurde wieder auffällig ist, wie gut die Offensivachse Güler-Mbappé funktioniert – wie schon seit Saisonbeginn. Niemand kennt die Laufwege des Franzosen besser und niemand versteht es besser, den Superstar im entscheidenden Moment einzusetzen als Güler, der mit mit mit durchschnittlich 2,5 Key-Pässen pro Spiel ligaweit in dieser Kategorie an zweiter Stelle steht – nur Mbappé ist mit 2,7 noch besser.

Gülers Zahlen 2025/26

  • Einsätze: 30
  • Startelf: 22
  • Minuten: 1.803
  • Tore/Vorlagen: 3/10
  • Key-Pässe pro Spiel: 2,5 (Platz 2 in LaLiga)

Fast noch entscheidender: Der Kreativkopf ist mental gereift, wie sich gegen Levante eindeutig zeigte. Er hat sich von den neuerlichen Rückschlägen nicht verunsichern lassen, ist selbstbewusster und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Im Anschluss an die Partie lobte Arbeloa auf der Pressekonferenz seinen Schützling in höchsten Tönen und deutete mehr als an, weiter auf den 20-Jährigen setzen zu wollen. Und wenn Arda so wie zu Saisonbeginn und gegen Levante weitermacht, wird Reals neuer Trainer ohnehin nicht um ihn herumkommen.

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