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·6. Juli 2026

Arsène Wenger bremst Klopp-Euphorie: Ein Trainer allein rettet deutschen Fußball nicht

Artikelbild:Arsène Wenger bremst Klopp-Euphorie: Ein Trainer allein rettet deutschen Fußball nicht

Bei Kroos & Kroos auf TikTok warnt Arsène Wenger vor zu großen Erwartungen an Jürgen Klopp. Toni Kroos stimmt zu: Es mangelt an Weltklasse-Spielern.

Es ist ein ungewöhnliches Setting für eine deutsche Fußballdebatte: Arsène Wenger sitzt bei Toni und Felix Kroos auf TikTok, in ihrer Sendung „Kroos & Kroos: Die WM unter der Lupe", und der 76-jährige Franzose spricht aus, was in Frankfurt niemand gerne hört. Jürgen Klopp, der designierte Bundestrainer, sei kein Heilsbringer. Er könne es gar nicht sein. „Wird das ausreichen, um das Schicksal des deutschen Fußballs endgültig zu wenden? Ich bin mir nicht sicher, denn es gibt im Land einige tiefgreifende Probleme, die schon seit einiger Zeit bestehen." Das ist die entscheidende Passage.


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Wenger zweifelt nicht an Klopp. Er zweifelt am Material. „Gute Spieler brauchen einen großartigen Trainer, und großartige Trainer brauchen gute Spieler" – dieser Satz ist so banal, dass er beinahe wieder klug wirkt, weil er die deutsche Debatte auf ihren Kern zurückführt. Man diskutiert seit Monaten über den richtigen Mann auf der Bank, während die eigentliche Frage lautet: Wer soll für ihn spielen? Der Rücktritt Julian Nagelsmanns nach dem WM-Aus gegen Paraguay hat die Trainerfrage in den Mittelpunkt gerückt und die Spielerfrage in den Schatten gestellt.

Toni Kroos, der in der Sendung neben Wenger sitzt, springt ihm bei. „Wir sind uns zu 100 Prozent einig. Es mangelt ein wenig an Weltklasse-Spielern." Das ist bemerkenswert, weil Kroos hier nicht als Talkshow-Gast spricht, sondern als jemand, der bis vor Kurzem selbst in dieser Kabine saß. Wenn der Weltmeister von 2014 seinen Nachfolgern öffentlich attestiert, dass ihnen die Weltklasse fehlt, dann ist das mehr als eine Analyse. Es ist ein Befund über die Substanz.

Klopp selbst hat den Boden für diese Debatte längst bereitet. „Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern. Ob das am Ende dann ich sein werde oder wer auch immer das sein wird, das ändert nichts daran, dass die Veränderungen notwendig sind." Wer so spricht, weiß, dass die Aufgabe größer ist als seine eigene Person. Wenger honoriert das ausdrücklich: „Er ist ein kluger Mann, und das weiß er auch. Er hat die Persönlichkeit, um wieder Hoffnung und Zuversicht zu wecken." Kurzfristig, sagt Wenger, könne Klopp Hoffnung freisetzen. Kurzfristig. Das Wort verdient Beachtung.

Denn Hoffnung ist kein Turnier-Konzept. Hoffnung reicht für die ersten Wochen, für die erste Pressekonferenz, für das erste 3:0 gegen einen zweitklassigen Gegner. Danach beginnt die Arbeit, die Wenger meint, wenn er von tiefgreifenden Problemen spricht, die seit Jahren bestehen. Ausbildung, Kaderdichte, internationale Erfahrung auf den entscheidenden Positionen – all das lässt sich nicht durch die Verpflichtung eines Trainers reparieren, der aktuell noch aus dem Red-Bull-Kosmos losgeeist werden muss.

Man sollte Klopp nicht überfrachten mit den Erwartungen, die der DFB gerade in ihn projiziert. Wenger, der Klopp zuletzt 2018 in der Premier League gegenüberstand, kennt beide Seiten des Betriebs – die Bank und die Verwaltung, seit er bei der FIFA als Direktor für globale Fußballförderung arbeitet. Sein Einwand ist keine Kritik am designierten Bundestrainer, sondern eine Bitte um Realismus. Klopp kann viel. Er kann eine Mannschaft aufrichten und ein Publikum zurückgewinnen. Ob er den Rückstand zur Weltspitze aufholen kann, entscheidet sich nicht auf seiner Bank. Es entscheidet sich auf dem Platz, mit den Spielern, die er dort vorfindet. Und da hat Wenger recht: Es sind zu wenige.

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