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·29. Juni 2026
Ausgerechnet Undav: Der FIFA-Algorithmus stellt DFB-Joker über Messi und Mbappé

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Deniz Undav führt das FIFA-Power-Ranking mit 8,37 Punkten an. Drei Tore, zwei Vorlagen – Wengers Algorithmus belohnt Wirkung pro Minute.
Ein Algorithmus stellt Deniz Undav vor Lionel Messi und Kylian Mbappé. Das ist die Schlagzeile, die der Weltverband nach dem Vorrunden-Abschluss in Amerika produziert hat, und sie klingt zunächst wie ein Tippfehler. Der Stuttgarter führt das FIFA-Power-Ranking mit 8,37 von zehn Punkten an, vor Messi (8,33) und Mbappé (8,12). Entwickelt wurde dieses Bewertungssystem unter der Leitung von Arsène Wenger, der nach seinen Jahren bei Arsenal jetzt also den Algorithmus verantwortet, der den Joker zum besten Angreifer eines WM-Vorrundenmoduls erklärt. Man kann das belächeln, aber die Zahlen, die hinter dem Wert stehen, sind nicht ganz ohne. Undav hat in der Gruppenphase drei Tore erzielt und zwei weitere vorbereitet. Pro Tor hat er 30 Minuten Einsatzzeit gebraucht, minimal weniger als Messi mit 33 Minuten. Wer als Einwechselspieler in einer halben Stunde trifft, produziert eine Effizienz, die jede Datenlogik anders gewichten muss als die 90 Minuten eines Kapitäns, der ein Turnier strukturieren soll. Genau dort beginnt die interessante Frage. Wengers System ordnet Feldspielern Werte in Offensive, Kreativität und Defensive zu, jeweils zwischen null und zehn. Dass bei der Kreativität Michael Olise (8,02) vorne liegt und in der Defensive der Kanadier Derek Cornelius (7,3), zeigt, dass der Algorithmus keine Stars belohnt, sondern Funktionen. Er fragt nicht, wer ein Spiel prägt, sondern wer in welcher Minute welche messbare Handlung produziert. Undav profitiert davon, weil seine Stichproben kurz sind und seine Bilanz darin makellos. Das ist nicht unfair, aber es ist eine bestimmte Art, Fußball zu lesen. Messi schießt, wie es im SID-Text heißt, alles kurz und klein, Mbappé und Ousmane Dembélé verzaubern ganz Frankreich – und trotzdem werden sie an einem Spieler gemessen, der spät kommt und früh trifft. Das ist die alte Diskussion zwischen Eindruck und Effizienz, nur dass sie diesmal nicht in einer Kneipe geführt wird, sondern auf den offiziellen Kanälen des Weltverbandes. Wer den Algorithmus akzeptiert, akzeptiert auch, dass der Joker eine eigene Kategorie verdient hat. Tatsächlich ist die Rolle des Einwechselspielers im modernen Fußball längst keine Notlösung mehr. Sie ist ein Stilmittel, das Trainer einplanen wie eine zweite Halbzeit mit anderem Drehbuch. Undav gegen die Elfenbeinküste, beim 2:1 Matchwinner, ist genau diese Figur: einer, der nicht das Spiel über zwei Stunden trägt, sondern den Moment löst, in dem es kippt. Der Algorithmus bewertet das so hoch, weil er Wirkung pro Minute misst – und Wirkung pro Minute ist im Joker-Geschäft eine Disziplin, in der Messi und Mbappé strukturell nicht antreten können. Bleibt die Frage, was dieser erste Platz wert ist. Mbappé war 2022 mit acht Toren Torschützenkönig, und niemand erinnert sich an Zwischenwertungen aus der Vorrunde. Auch das Power-Ranking wird nach dem Achtelfinale anders aussehen, wenn die Einsatzzeiten steigen und die Stichproben sich angleichen. Bis dahin aber hat Undav etwas geschafft, das nicht jeder Einwechselspieler schafft: Er ist messbar geworden, ohne sein Profil zu verlieren. Und Wengers Algorithmus hat gezeigt, dass er an Namen nicht interessiert ist – was, je nachdem, wie man es liest, sein größter Vorzug oder seine größte Schwäche ist.







































