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·28. Juni 2026
Azzouzi im Interview: "Fundament gelegt für das, was nun kommt"

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·28. Juni 2026

Die erste Saison von Rachid Azzouzi als Geschäftsführer Sport von Alemannia Aachen glich einer Achterbahnfahrt: Mentaler Workload bei der Kaderplanung, stockender Motor in der Hinserie und Turbo-Zündung in der Rückrunde. Im Interview mit liga3-online.de spricht Azzouzi über die bisherigen elf Monate in Aachen, seine Ziele mit der Alemannia, Kaderveränderungen zur neuen Saison – und aktuelle Gerüchte um Torjäger Mika Schroers.
liga3-online.de: Fast ein Jahr Alemannia Aachen: Wie fällt – nach der Rückkehr in die Heimatregion – Ihr Fazit aus, Herr Azzouzi?
Rachid Azzouzi: Insgesamt bin ich zufrieden. Man darf nicht vergessen, dass die Umstände am Anfang alles andere als optimal waren. Der Kader war noch nicht zu Ende geplant, es gab viele verletzte Spieler. Wir hatten wenig Zeit und die Situation war kompliziert. Aber: Wir haben kühlen Kopf bewahrt und gute Transfers getätigt. Von Mika Schroers bis Mehdi Loune: Wir haben es unter anderem geschafft, mehr Dynamik und Tempo in die Mannschaft zu bringen. Dass es dann noch nicht direkt erfolgreich gelaufen ist, war absehbar. Viele Faktoren haben zu einer herausfordernden Hinserie geführt.
Viel Zeit zum Einleben brauchten Sie im Sommer 2025 wohl nicht. Wann hatten Sie das erste Mal den Moment, wo Sie dachten: Ich bin wirklich froh, wieder hier zu sein.
Aufgrund des hohen Workloads in den ersten Monaten muss ich sagen: Ich hatte nicht einmal die Zeit, diesen Gedanken zu fassen. Die Aufgabe war vom ersten Tag an so umfassend, dass ich mich ihr komplett hingegeben habe. Ich habe zwar schon viele Jahre auf dieser Position hinter mir, vor allem in der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Aber die Umstellung auf die 3. Liga – mit ihren ganz eigenen Gegebenheiten und Charakteristika – ist nicht zu unterschätzen. Eine Stütze war für mich der Kontakt zu Familie und Freunden, die ich zuvor einige Jahre nicht viel gesehen hatte. Meine Mama, Geschwister und ehemalige Schulfreunde um mich herum zu haben, hat definitiv gut getan. Auch, weil meine Frau mit unseren zwei Kindern in Hamburg geblieben war.
Während der Motor in der Hinserie noch stockte, zündete die Alemannia in der Rückrunde den Turbo. War das ein Vorgeschmack auf das, was nun in der gesamten nächsten Saison folgen könnte?
Ich war noch nie dafür bekannt, große Parolen rauszuhauen. Das wird sich auch nicht ändern. Aber: Die Rückserie war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir haben nicht nur viele Punkte geholt, sondern dominant gespielt und viele Tore geschossen. Man kann schon festhalten, dass wir uns in einen gewissen Rausch gespielt haben. Das Selbstvertrauen war zum Saisonende riesig. Wir haben ein Fundament gelegt für das, was nun kommt. Dennoch schmerzt es natürlich, einige Leistungsträger – wie Lars Gindorf und Pierre Nadjombe – zu verlieren. Uns ist nicht bange mit unserem starken Kader, aber sicher hätten wir solche Spieler gern gehalten.
Mit welchen Zielen startet Aachen in die Saison 2026/27, die aufgrund der WM in Mexiko, Kanada und den USA erst am 7. August startet?
Wir haben uns positiv weiterentwickelt und waren in der Rückrunde wahrscheinlich über einen langen Zeitraum die Mannschaft der Stunde. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Alemannia Aachen bis 2024 elf Jahre in Folge in der Regionalliga West gespielt hat. Dass die Erwartungshaltung von allen im Umfeld ist, irgendwann in die 2. Bundesliga aufzusteigen, ist nachvollziehbar. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Das Tivoli-Stadion gehört uns nicht, die Mitarbeiterstruktur im Klub befindet sich in einer Entwicklungsphase. Es geht nicht nur um Spieler, Siege und Punkte. Mein Ziel ist es, den Verein organisch gesund wachsen zu lassen. Zwar wehren wir uns nicht gegen Erfolg. Aber nur, weil der Verein eine große Geschichte hat und regelmäßig mehr als 30.000 Zuschauer ins Stadion pilgern, heißt das noch lange nicht, dass wir uns unter Druck setzen müssen.
Das klingt sehr nach Ihren allgemeinen Glaubenssätzen und Arbeitsweisen, mit denen Sie auch schon viele andere Vereine geführt haben.
Es geht für mich immer darum, einen Verein langfristig auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen. Ganz egal, ob der Klub FC St. Pauli, Greuther Fürth oder eben Alemannia Aachen heißt. Ich versuche überall, Vereine gut für die Zukunft aufzustellen und dabei nicht bloß an kurzfristige Erfolge zu denken.
Aktuell liegt der Fokus auf dem Start der Saisonvorbereitung und der Kaderplanung. Geben Sie gern ein Update durch – auch mit Hinblick auf die Personalie Mika Schroers.
Mika Schroers hat eine großartige Saison gespielt. Deshalb haben wir bereits im April entschieden, die Kaufoption zu ziehen und ihn an uns zu binden. Wir planen mit ihm, aktuell gibt es keine Anfragen. Auch, wenn ich die brodelnde Gerüchteküche selbstverständlich verfolge. (lacht) Hierzu möchte ich nur sagen: Wenn ich lese, dass Mika Schroers mit Ligakonkurrenten wie Rot-Weiss Essen und Hansa Rostock in Verbindung gebracht wird, verstehe ich das nicht wirklich. Warum sollte er dorthin wechseln, wenn er bereits bei einem ambitionierten Drittligisten wie Alemannia Aachen spielt? Unabhängig von den vielen Gerüchten muss ich aber auch betonen: Ich glaube nicht, dass irgendein Verein die Ablöse, die wir im Kopf haben, bezahlen wird. Sollten unmoralische Angebote herein flattern, sieht die Lage anders aus – und wir werden uns damit beschäftigen.
Gibt es sonst noch News zum Kader?
Auf der Position von Pierre Nadjombe, der zum 1. FC Magdeburg zurückkehrt, wollen wir noch etwas machen. Wir suchen also einen offensiv ausgerichteten Außenverteidiger. Eine weitere Überlegung ist, es hier mit Fabio Torsiello zu versuchen. Das könnte gut funktionieren. Auch in der Innenverteidigung kann noch etwas passieren.
Wie wichtig wäre es, Leistungsträger wie Mika Schroers zu halten? Wie realistisch ist das überhaupt, wenn noch viele andere Klubs anklopfen sollten?
Sehr realistisch. Wir sind ein großer und ambitionierter Verein, der sich nicht verstecken muss. Die Begeisterungsfähigkeit im Umfeld und die gesamte Vereinskultur sind besonders, nicht nur für die 3. Liga. Hier zu spielen und zu arbeiten, macht einfach Spaß. Und ich sage selbstbewusst, dass Aachen einer der attraktivsten Standorte in der 3. Liga ist. Wir stehen für Seriosität und eine gewisse Haltung, die wir konsequent leben. Dennoch bleiben wir bescheiden, ohne dabei langweilig zu werden. Es geht darum, sich vernünftig einzuordnen, und sich weder schlechter noch besser zu machen, als du bist.
Noch kurz ein Blick nach Düsseldorf, wo Sie auch selbst schon gearbeitet haben: Wie haben Sie die Entwicklung bei der Fortuna miterlebt?
Ich war vom Abstieg der Fortuna genauso überrascht wie wohl jeder andere Fußballfan auch. Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass Düsseldorf wirklich runter geht. Aber das zeigt mal wieder: Wenn gewisse Dinge in einem Klub nicht ineinander greifen und aus dem Ruder laufen, kann es jeden treffen. Trotzdem bleibt Düsseldorf weiter ein sehr attraktiver Standort. Und für mich ist klar, dass der Verein zu den absoluten Aufstiegsfavoriten zählt. Wir reden nun einmal von Fortuna Düsseldorf. Von einem Klub, der noch vor zwei Jahren den Aufstieg in die Bundesliga in der Relegation gegen den VfL Bochum haarscharf verpasst hat. Ich bin gespannt, wie Samir Arabi als neuer Sportvorstand die Aufgabe anpackt. Wir freuen uns sehr auf die Duelle mit der Fortuna.
Abschließend hören wir gern noch eine Einschätzung zur aktuell laufenden WM, bei der Sie als gebürtiger Marokkaner sicher zwei Nationen die Daumen drücken. Wie weit geht es für das DFB-Team und Marokko?
Da ich selbst für Marokko gespielt habe bei den WM-Turnieren 1994 und 1998 und ich insgesamt einen intensiven Bezug zum Land habe, drücke ich in erster Linie Marokko die Daumen. Die Gruppenspiele waren vielversprechend. Deutschland ist ebenfalls ordentlich ins Turnier gestartet, hat aber bereits zu spüren bekommen, wie hoch auch die Qualität von Nationen wie die Elfenbeinküste oder Ecuador ist. Wie weit es geht, ist schwer zu sagen. Deutschland müsste spätestens im Achtelfinale einen schweren Brocken aus dem Weg räumen, Marokko schon vorher im Duell mit der Niederlande. Es geht auf jeden Fall so langsam ans Eingemachte.
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