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·21. Juni 2026

Baby statt WM: Was der Fall Doku über den Profifußball offenlegt

Artikelbild:Baby statt WM: Was der Fall Doku über den Profifußball offenlegt

Belgiens Nationalspieler Jeremy Doku wird Anfang Juli Vater. Der Verband prüft einen Privatjet-Flug von Seattle nach London während der WM.

Der belgische Nationalspieler Jeremy Doku hat in dieser Woche einen Satz gesagt, der eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist: „Wenn Sie mich fragen, was ich mir wünsche, ist meine Antwort klar: Niemand möchte die Geburt seines ersten Kindes verpassen." Der 24-Jährige von Manchester City und seine Frau Shireen erwarten Anfang Juli ihr erstes Kind. Der Termin liegt damit, wenn alles normal läuft, irgendwo zwischen einem Sechzehntelfinale und einem Viertelfinale dieser Weltmeisterschaft. Belgien hat noch nicht einmal sicher die K.o.-Runde erreicht – nach dem 1:1 gegen Ägypten zum Auftakt ist offen, ob es die Frage überhaupt geben wird – und trotzdem bestimmt sie die Schlagzeilen.


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Dass eine private Familienangelegenheit zur öffentlichen Debatte wird, sagt mehr über den Profifußball als über Doku. Der belgische Verband zieht laut Medienberichten einen Express-Hin- und Rückflug von Seattle nach London mit einem Privatjet in Betracht, rund neun Flugstunden pro Strecke. Das ist die logistische Antwort auf einen Konflikt, den der moderne Spitzensport nicht gelöst, sondern nur verlagert hat. Und es zeigt, dass der RBFA, wie Doku selbst betont, „seine Spieler unterstützt und Verständnis für die Situation hat". Eine Familie, ein Flugzeug, ein Plan B – so weit, so pragmatisch.

Komplizierter wird es bei der öffentlichen Reaktion. Die französische Journalistin France Pierron hat Doku zuletzt deutlich kritisiert: „Du hast die Chance, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, und es gibt hunderte Fußballspieler, die alles geben würden, um in dieser Position zu sein." Dem Vater komme bei der Geburt ohnehin nur eine Nebenrolle zu. Diese Argumentation ist in zwei Hinsichten bemerkenswert. Zum einen reduziert sie die Anwesenheit eines Vaters auf eine Funktion. Zum anderen rechnet sie das individuelle Lebensereignis gegen die hypothetische Sehnsucht anderer auf, ein Spiel zu bestreiten, das diese anderen ja gar nicht bestreiten.

Der Satz „Du hast doch die Chance" ist im Profifußball ein altes Disziplinierungsinstrument. Er funktioniert, weil er das Privileg in eine Pflicht verwandelt. Wer das Glück hat, Teil eines WM-Kaders zu sein, soll sich gefälligst hinten anstellen, mit allem, was sein restliches Leben ausmacht. Doku selbst formuliert das Dilemma erwachsener als seine Kritiker: „Ich weiß, dass es im Fußball viele Aspekte zu berücksichtigen gibt. Wir werden sehen, was wir tun können." Das ist kein Aufstand, sondern der Versuch, zwei Verpflichtungen zu verbinden, die sich nicht ausschließen müssen.

Bemerkenswert ist auch, dass Doku nicht der einzige Fall im belgischen Aufgebot ist. Abwehrspieler Brandon Mechele befindet sich nach Verbandsangaben in einer ähnlichen Lage – nur, dass über ihn niemand spricht. Das deutet darauf hin, dass die Aufregung weniger mit dem Sachverhalt zu tun hat als mit Dokus Prominenz als Offensivspieler von Manchester City. Beim Spiel gegen den Iran an diesem Sonntagabend wird er ohnehin fehlen, krankheitsbedingt, wie der RBFA am Samstag mitteilte.

Bleibt die Frage, was diese Debatte am Ende offenlegt. Vielleicht dies: Der Profifußball hat gelernt, mit Privatjets zu reagieren, aber noch nicht mit Selbstverständlichkeit. Dass ein Spieler bei der Geburt seines Kindes dabei sein möchte, sollte keine Schlagzeile sein. Dass es eine ist, ist die eigentliche Geschichte.

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