VfL Osnabrück
·8. Februar 2026
Bann gebrochen und Ambitionen unterstrichen

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·8. Februar 2026

Mit dem 2:0-Heimsieg gegen den TSV Havelse blieb der VfL am gestrigen Samstag auch im vierten Spiel in Folge ungeschlagen. Mit 42 Punkten unterstreichen die Lila-Weißen nun ihren Anspruch auf die oberen Tabellenplätze und wollen diese bis zum Saisonende nicht mehr verlassen.
Als die VfL-Fans gestern die Aufstellung der Osnabrücker sahen, fiel ihnen nicht nur die vier Veränderungen auf, die Cheftrainer Timo Schultz im Vergleich zum vergangenen Wochenende vornahm, sondern auch, dass Stammkraft Bjarke Jacobsen überraschend fehlte. Der Däne konnte das Abschlusstraining verletzungsbedingt nicht mitabsolvieren und fiel somit aufgrund von Rückenproblemen auch für die Partie gegen den TSV Havelse aus. Dass der Ausfall des Topmannes am Samstagnachmittag jedoch während und nach dem Spiel keinerlei Thema war, lag unter anderem an der Leistung von Fridolin Wagner.
So legte der 28-Jährige eine Topperformance an den Tag und überzeugte in allen relevanten Statistiken. Nicht nur die längste Laufdistanz (11,2 km), sondern auch die meisten Ballaktionen (67), Pässe (41) und Zweikämpfe (42) verbuchte der defensive Mittelfeldakteur. Mit einer Zweikampfquote von 71,4 Prozent stellte Wagner zudem die beste Quote des Spiels sowie die fünfbeste des bisherigen Spieltags und war damit ebenfalls maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Lila-Weißen zum zwölften Mal in dieser Saison ohne Gegentor blieben. Selbst sagte er im Interview bei VfL-TV zur defensiven Stärke seiner Mannschaft: „Das ist es, was uns allgemein stark macht: auch den letzten Meter zu gehen und in der Box ekelhaft zu sein. Und all das, was dann auf das Tor geht, hat Jonny [Lukas Jonsson] meistens. Dann spielen wir einfach zu null, und das ist die Basis. Und heute hat man auch Ansätze gesehen, dass es nach vorne immer besser wird. Jetzt probieren wir, das alles immer weiterzuentwickeln und uns stetig zu verbessern.“
Torwart Lukas Jonsson feierte mit dem 2:0-Sieg indes einen persönlichen Rekord, denn noch nie konnte der Schwede innerhalb einer Saison in zwölf Ligaspielen die weiße Weste behalten. Dabei glänzte Jonsson gegen den TSV Havelse vor allem gegen Nassim Boujellab in der 47. Minute sowie beim Freistoß von Besfort Kolgeci in der Nachspielzeit mit herausragenden Paraden. Ebenfalls für die defensive Stabilität verantwortlich war gestern wieder einmal Jannik Müller, der den VfL zum 25. Mal als Kapitän auf das Feld führte und mit einer Zweikampfquote von 63,6 Prozent überzeugte. Und auch Kevin Wiethaup wusste zu überzeugen: Der Mittelfeldmann brachte es auf eine Passquote von 76,9 Prozent und legte zudem die zweitlängste Laufdistanz (10,9 km) zurück.
Die angesprochenen verbesserten Offensivqualitäten des VfL wurden gestern erstmals in der 59. Minute deutlich, als Patrick Kammerbauer einen sehenswerten Angriff der Lila-Weißen zum 1:0 vollendete. Dabei lobte der Außenbahnspieler im Interview bei VfL-TV bei der Entstehung des Tores vor allem seine Mitspieler. „Ich sehe, dass Lars [Kehl] den Ball außen bekommt. Ich weiß, dass ich die Wege in die Box immer konsequent mitmachen muss, weil entweder Bälle abfallen oder, wie in dem Fall, Lars Robin [Meißner] überragend am zweiten Pfosten sieht. Ich laufe zentral ein, Robin sieht das und legt überragend ab. Ich treffe ihn dann auch ganz gut, sodass er ins lange Eck geht. Es war, glaube ich, ein echt schönes Tor.“ Dabei glänzte Kammerbauer in der Partie gegen die Havelser nicht nur durch seinen dritten Saisontreffer, sondern auch mit den zweitmeisten Ballaktionen (57) und einer Passquote von 79,4 Prozent. Besonders freute es ihn jedoch, dass die Lila-Weißen auch zu Hause wieder drei Punkte einfahren konnten: „Wir haben auch zu Hause immer gefightet und Gas gegeben, da hat es einfach nie so geklappt, wie es dann auswärts mal der Fall war. Deswegen freue ich mich, dass wir den Bann heute gebrochen haben.“
Einen ganz persönlichen Bann gebrochen hat gestern auch Robin Meißner. Der Stürmer lieferte nicht nur die Vorlage zum Führungstreffer, sondern konnte mit seinem Tor zum 2:0 endlich seinen Premierentreffer an der Bremer Brücke feiern. Zuvor hatte der 26-Jährige zwar bereits sechsmal für die Lila-Weißen getroffen, jedoch stets auswärts. „Erstes Heimtor, das Thema ist dann jetzt auch zum Glück durch“, erzählte der gebürtige Hamburger sichtlich erleichtert nach dem Abpfiff am Mikrofon bei Magenta Sport. Gefragt danach, wo er denn lieber Tore schießen würde, fiel ihm die Antwort nicht ganz so leicht: „Hier zu Hause ist es immer am schönsten, aber auswärts ist auch schön. Ich weiß nicht, wie viele tausend Leute uns da jedes zweite Wochenende unterstützen und mit uns mitfahren. Das ist auch unglaublich, aber ja, zu Hause ist doch ein Ticken schöner.“ Mit seinem nun siebten Saisontreffer und seiner sechsten Torvorlage in dieser Saison unterstrich der Stürmer seine enorme Qualität und Bedeutung für das Offensivspiel der Osnabrücker.
Am Ende sind es jedoch nicht die Einzelspieler, sondern das gesamte Kollektiv, das für den Heimsieg verantwortlich ist. Mit einer Zweikampfquote von 55,2 Prozent wiesen die Osnabrücker den besten Wert aller Drittligateams am bisherigen Spieltag auf. Und auch Cheftrainer Timo Schultz zeigte sich nach der Partie bei Magenta Sport beeindruckt von seinem Team: „Es ist schon beeindruckend, wie meine Mannschaft, also alle von vorne bis hinten, an die taktischen Grundprinzipien hält. Auch nochmal diesen extra Meter macht und sich in die Bälle reinwirft. Dementsprechend belohnen wir uns auch in den Spielen, wo man chancentechnisch auch ein, zwei Gegentore verdient hätte. Aber die fallen eben nicht, weil wir da sind und Bock haben zu verteidigen. Und weil wir geil darauf sind, zu null zu spielen.“
Mit nun 42 Punkten nach 23 Spielen ist der VfL mitten im Geschehen im Kampf um die Aufstiegsplätze. Dabei betonte Timo Schultz nach dem Abpfiff noch einmal die Ambitionen, die er mit seiner Mannschaft hat. „Ich habe gar keine Lust und kein Interesse daran zu sagen: Wir gucken mal. Nein, wir wollen aufsteigen! Das habe ich von Anfang an gesagt im Winter. Ich glaube, wir sind nicht der größte Verein und nicht der Verein, der die dickste Kohle an die Spieler zahlen kann. Aber wir haben einen guten Spirit, eine gute Energie und eine geile Truppe, mit allen Themen, die wir haben. Wir sind sicherlich nicht für Tiki-Taka bekannt, aber es macht keinen Spaß, gegen uns zu spielen. Wir werden jedes Spiel um drei Punkte streiten.“ So möchte der 48-Jährige auch am nächsten Samstag wieder drei Punkte einfahren, wenn man im Ostseestadion beim F.C. Hansa Rostock zu Gast sein wird (Anpfiff: 14:00 Uhr). Und auch die Mannschaft reist dann mit breiter Brust in die Hansestadt, wie Patrick Kammerbauer nach dem Spiel durchblicken ließ: „Wir sind auswärts stark. Das haben wir gezeigt, und Rostock hat dann vielleicht auch ein bisschen mehr Druck. Mit dem 2:0 heute fahren wir auf jeden Fall mit viel Selbstvertrauen dahin und wollen auch wieder die drei Punkte holen.“
Text: Jendrik Greiwe Fotos: Jonas Jürgens & Fabian Frommeyer









































