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·17. April 2026

Barcelonas UEFA-Beschwerde ist keine Aufklärung, sondern Ablenkung von eigenem Versagen

Artikelbild:Barcelonas UEFA-Beschwerde ist keine Aufklärung, sondern Ablenkung von eigenem Versagen

Zwei Rote Karten, null Selbstkritik: Barcelonas Beschwerde bei der UEFA ignoriert die eigene Disziplinlosigkeit und instrumentalisiert Schiedsrichterfehler als Erklärung fürs Aus.

Zwei Rote Karten in zwei Spielen. Beide Male Notbremse, beide Male per VAR bestätigt. Pau Cubarsi im Hinspiel, Eric García im Rückspiel – und in beiden Partien beendete der FC Barcelona das Spiel mit zehn Mann gegen Atlético Madrid. Wer diese Fakten kennt und trotzdem eine Beschwerde formuliert, in der die eigene Disziplinlosigkeit mit keiner Silbe vorkommt, betreibt keine Aufklärung: Der betreibt Ablenkung. Barcelonas zweite Eingabe bei der UEFA ist ein bemerkenswertes Dokument. Der Klub beklagt „fehlerhafte Anwendung der Regeln und unzureichendes Eingreifen des Video-Schiedsrichterassistenten in eindeutig wichtigen Situationen". Gemeint sind unter anderem zwei potenzielle Elfmeterszenen, darunter das Handspiel von Atlético-Verteidiger Marc Pubill im Hinspiel. Man kann über diese Szene diskutieren. Man kann sogar zu dem Schluss kommen, dass der Pfiff hätte ertönen müssen. Aber ein Klub, der eine 0:2-Niederlage im Hinspiel und ein Gesamtergebnis von 2:3 ausschließlich mit Schiedsrichterfehlern erklärt, hat den Kontakt zur Selbstreflexion verloren. Joan Laporta, Barcelonas Präsident, nannte die Schiedsrichterleistung im Rückspiel eine „unerträgliche Schande". Die UEFA hatte die erste Beschwerde – jene wegen des Pubill-Handspiels – bereits als unzulässig abgewiesen. Barcelonas Antwort darauf war keine Einsicht, sondern eine Eskalation: eine erweiterte Klageschrift, die nun „erheblichen sportlichen und finanziellen Schaden" geltend macht. Das klingt nicht nach einem Klub, der das Schiedsrichterwesen verbessern will. Das klingt nach einem Klub, der eine Erzählung braucht. Barcelona steht in La Liga auf Platz eins, mit neun Punkten Vorsprung auf Real Madrid. Hansi Flick hat in seiner ersten Saison das nationale Triple geholt – Supercopa, Copa del Rey, Meisterschaft. Der Verein ist sportlich alles andere als am Boden. Doch in der Champions League endete die Reise im Viertelfinale, gegen ein Atlético, das jetzt im Halbfinale auf Arsenal trifft. Das schmerzt. Und genau dieser Schmerz macht die Beschwerde so durchschaubar. Wer alles gewinnt außer den einen Titel, den er am meisten will, sucht nach Erklärungen – gerne solche, die nichts mit der eigenen Leistung zu tun haben. Das Gefährliche daran ist nicht Barcelonas Frustration. Es ist die Normalisierung eines Narrativs, in dem Niederlagen nur durch externe Fehler zustande kommen. Wenn ein fünfmaliger Champions-League-Sieger das Schiedsrichterwesen öffentlich als Skandal rahmt, hat das Gewicht. Andere Klubs werden folgen, andere Präsidenten werden die Rhetorik kopieren. Und am Ende steht eine Erosion des Vertrauens, die weit über ein Viertelfinalduell hinausgeht – nicht weil die Kritik an einzelnen Entscheidungen unberechtigt wäre, sondern weil sie instrumentalisiert wird. Barcelona bietet der UEFA an, „zusammenzuarbeiten, um das Schiedsrichtersystem zu verbessern". Ein schöner Satz, der in einer Pressemitteilung steht, die gleichzeitig von Schande spricht. Zusammenarbeit beginnt mit Selbstkritik. Zwei Platzverweise, null Erwähnung in der eigenen Beschwerde – das ist keine Kooperation, das ist Kalkül.

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