Baumi ganz offen: „Der mentale Schmerz war riesengroß“ | OneFootball

Baumi ganz offen: „Der mentale Schmerz war riesengroß“ | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: RB Leipzig

RB Leipzig

·20. August 2026

Baumi ganz offen: „Der mentale Schmerz war riesengroß“

Artikelbild:Baumi ganz offen: „Der mentale Schmerz war riesengroß“

Im ersten Teil ging es um große Erfolge, ihre besondere Verbindung und die Frage, was die beiden österreichischen Sportgrößen voneinander lernen können. 

Jetzt wird es persönlicher: Dominic Thiem erzählt in Teil zwei des Doppelinterviews, wie er Baumis Verletzung kurz vor der WM erlebt hat, gibt unserer Nummer 14 einen wichtigen Rat für die Reha – und Baumi verrät, wie groß der mentale Schmerz nach seinem WM-Aus wirklich war.


OneFootball Videos


Artikelbild:Baumi ganz offen: „Der mentale Schmerz war riesengroß“

Baumi, ein einschneidender Moment liegt bei dir noch nicht lange zurück: deine Verletzung kurz vor der WM. Dominic, wie hast du damals davon erfahren?

  1. Dominic: „Beim Test gegen Ghana war ich noch im Stadion, gegen Tunesien habe ich vor dem Fernseher zugeschaut. Da habe ich gesehen, dass Baumi nicht spielt, aber zunächst denkt man sich noch nichts Größeres dabei.Dann wurde öffentlich, dass es eine schwerere Verletzung ist – und schließlich, dass es mit der WM nichts wird. Das war schon ein Schock.Natürlich persönlich, weil ich Baumi gewünscht hätte, dass er diese WM spielen kann. Aber auch als Fan, weil ich weiß, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Das war ein richtig herber Verlust für Österreich.Für eine Verletzung gibt es nie den richtigen Moment. Eine WM sticht natürlich noch einmal heraus. So wie ich Baumi wahrnehme, geht er unglaublich gut damit um. Er hat den Kopf wieder nach vorne gerichtet und sich neue Ziele gesetzt.“ 

Mit 17 Toren und neun Vorlagen spielt Baumi eine bockstarke Saison und reist als Topscorer der Roten Bullen zur Nationalmannschaft. Dann der bittere Rückschlag: Nach seiner Verletzung erreichen den Offensivmann unzählige Nachrichten – eine davon bleibt besonders hängen.

  1. Baumi: „Ich kann mich erinnern, dass Domis Nachricht sehr in die Tiefe ging und mich wirklich bewegt hat. Man hat gespürt, dass er selbst Ähnliches durchgemacht hat und nachvollziehen kann, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe.“ 

Dominic, du hast selbst einige schwere Verletzungen erlebt. Welchen Rat würdest du Baumi für seine Reha geben – vielleicht sogar einen, den ein Sportler eigentlich gar nicht hören möchte?

  1. Dominic: „Der Rat, den kein Sportler hören möchte, lautet wahrscheinlich: Lieber ein bisschen länger mit dem ersten Spiel warten.Bei mir ist genau die andere Einstellung damals zum Verhängnis geworden, weil ich zu früh wieder angefangen habe. Deshalb ist das einer der wichtigsten Ratschläge, die ich geben kann: Lieber ein paar Tage oder im Zweifel sogar ein paar Wochen länger warten. Langfristig zahlt sich das aus.“

Vom großen Schock zu neuen Zielen

Baumi, was tut nach so einer Verletzung mehr weh: die Verletzung selbst oder der Gedanke daran, was man dadurch verpasst?

  1. Baumi: „Der körperliche Schmerz ist total egal. Das ist ein kurzer Moment. Es tut bei der Verletzung weh und vielleicht nach der Operation ein bisschen. Aber der mentale Schmerz war riesengroß. Daraus mache ich kein Geheimnis.Seit ich denken kann, war es eines meiner ganz großen Ziele als Fußballer, bei einer WM zu spielen. Wir haben uns nach 28 Jahren wieder qualifiziert – was für Österreich alles andere als selbstverständlich ist. Im ersten Moment war das brutal.Ich bin aber sehr froh, dass ich ein gutes Umfeld habe und alles schnell ging. Zwei Tage nach der Verletzung wurde ich operiert, eine Woche später bin ich zur Mannschaft zur WM geflogen. Trotzdem dabei zu sein, hat mir sehr geholfen, den Kopf wieder hochzubekommen.Und wie Domi gesagt hat: Es geht darum, sich neue Ziele zu setzen. Jetzt steht eine Champions-League-Saison an, auf die ich mich total freue.Zum Glück bin ich noch nicht Mitte 30. Ich habe hoffentlich noch mindestens eine WM vor mir, vielleicht sogar zwei. Ich werde alles dafür investieren, mich mit Österreich wieder zu qualifizieren und dann auf dem Platz dazu beizutragen, dass wir noch einen Schritt erfolgreicher sind.“
Artikelbild:Baumi ganz offen: „Der mentale Schmerz war riesengroß“

Du hast gesagt, dass sich zu viele negative Gedanken auch auf den Heilungsprozess auswirken können. Was kann man aktiv dagegen tun?

  1. Baumi: „Für mich war es wichtig, mich mit Menschen zu umgeben, die mir Kraft und Zuversicht geben. Die ersten ein, zwei Tage war ich total traurig. Irgendwann habe ich aber zu meinen Eltern, meiner Familie und meiner Frau gesagt: Ich möchte jetzt von niemandem mehr hören, wie schade alles ist oder wie traurig alle sind.Dieser Moment war für mich irgendwann vorbei. Für mich war es wichtig, einen Haken dahinter zu machen und zu sagen: Okay, jetzt gibt es neue Ziele.“ 
  2. Dominic: „Das kann ich zu 100 Prozent bestätigen. Negative Gedanken und Emotionen sind völlig okay. Ich glaube sogar, dass man sie eine gewisse Zeit lang zulassen sollte.Aber irgendwann kommt der Moment, an dem du wieder nach vorne schauen musst. Dann muss Schluss sein mit den negativen Gedanken, mit Selbstmitleid, aber auch mit dem Mitleid der anderen.“ 

Vielen Dank euch beiden für den persönlichen Austausch, die offenen Worte und die spannenden Einblicke. Und hoffentlich bis bald in Leipzig, Domi!

Mehr entdecken

Impressum des Publishers ansehen