MillernTon
·24. Juni 2026
Baustelle an der Kollaustraße

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·24. Juni 2026

Am Donnerstag startet der FC St. Pauli offiziell in die Vorbereitung auf die Spielzeit 26/27. Der Kader kommt zum Start an einigen Stellen einer Baustelle gleich.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Kaum zu glauben, aber tatsächlich wird es ab dieser Woche, spätestens ab kommender Woche bei dazugehörigen Clubs untrügliche Zeichen geben, dass die kommende Zweitligasaison jetzt in den Fokus genommen wird. Denn innerhalb der nächsten zehn Tage starten alle diese Clubs in die Sommervorbereitung. Während in der Bundesliga noch Pause ist, wird eine Liga darunter bereits geschwitzt, was angesichts der aktuellen Temperaturen die absolut passende Beschreibung sein sollte.
Die passende Beschreibung für die Situation, in der sich der Kader des FC St. Pauli befindet, liegt ziemlich nahe. Denn der Verein weist darauf hin, dass das Gebiet rund um das Trainingszentrum an der Kollaustraße gerade eine große Baustelle ist, man doch bei der Anreise bitte auf Autos verzichten solle.Diesen Donnerstag startet der Kader unter dem neuen Trainer Marcel Rapp in die Vorbereitung auf die kommende Saison. Und auch der ist eine Baustelle, eine sehr, sehr große sogar. Auch wenn es bis dahin noch ein paar Stunden sind, so dürfte bereits klar sein, dass sich im Kader noch eine ganze Menge tun wird. Aktuell (Stand Mittwochmorgen) stehen den acht Abgängen (Wahl, Vasilj, Mets, Gazdov, Sinani, Sands, Hountondji, Stevens) nur vier „Neuzugänge“ gegenüber. Davon ist tatsächlich aber nur Sam Klein wirklich neu, denn mit Wissou Kaba rückt ein U19-Spieler hoch und mit Erik Ahlstrand und Scott Banks kehren zwei Leihspieler zurück zum FCSP.
Aufgrund des Bundesliga-Abstiegs ist völlig klar, dass beim FC St. Pauli ein personeller Umbruch nahezu unvermeidlich ist. Das zeigt zum Beispiel das Vorjahr: In Kiel (21 Zugänge, 20 Abgänge) und Bochum (20 Zugänge, 23 Abgänge) wurde mehr oder weniger einfach der gesamte Kader einmal durchgetauscht. So gesehen steht dem FCSP (vier Zu-, acht Abgänge) noch der Großteil des Umbruchs bevor.Da es aktuell mehr Ab- als Zugänge gibt, ist der Kader des FC St. Pauli zum Auftakt in die Vorbereitung etwas kleiner. Zudem fehlt Mathias Pereira Lage verletzt und die drei WM-Fahrer fehlen ebenfalls noch einige Zeit (beim vierten, Vasilj, ist ja der Abgang bereits fix). Und ob diese WM-Fahrer überhaupt nochmal für den FCSP spielen werden, ist unklar. Womit wir bereits voll in die Kaderplanung eingestiegen sind.
Karol Mets, Nikola Vasilj und Hauke Wahl sind bereits weg. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass Eric Smith folgen wird. Aus dem Mannschaftsrat der Vorsaison bleiben somit nur Jackson Irvine und Adam Dźwigała übrig. Und auch deren Verbleib ist alles andere als gesichert. Irvine bekräftigte zwar jüngst im Interview mit Sky, dass er bleiben möchte und auch davon ausgeht, aber die letzte Aussage aus dem Verein ist hängen geblieben: Andreas Bornemann erklärte kurz nach Saisonende, dass auch Irvine „Teil des Abstiegs“ gewesen sei. Dźwigała dürfte sich sehr genau anschauen, wie es um seine Spielzeit kommende Saison bestellt ist, nachdem er in der Vorsaison in der Bundesliga so viele Minuten auf dem Rasen stand, wie in noch keiner Spielzeit zuvor, seit er beim FC St. Pauli ist.
Selbst wenn Dźwigała und Irvine dem FC St. Pauli erhalten bleiben, so ist völlig klar, dass das Team ein anderes Gerüst benötigt, als jenes, das den Club in die Bundesliga geführt hat. Diese Achse an Führungsspielern wurde über Jahre aufgebaut und wird nun umgebaut werden müssen. Es braucht ein komplett neues Gerüst an Führungsspielern, eine neue zentrale Achse, die das Team trägt. Fernab davon, dass sowieso noch eine ganze Menge neuer Spieler kommen und andere noch gehen werden, so ist der Aufbau einer neuen Achse die wichtigste Aufgabe des Sommers.
Platz ist vorhanden, um eine neue Achse aufzubauen. Wenn ohne Smith gerechnet wird, dann zählt die Innenverteidigung mit Dźwigała, Robatsch, Nemeth und Andō aktuell nur vier Spieler. Deutlich zu wenig, um für die kommende Saison gut aufgestellt zu sein, selbst wenn mit einer Viererkette geplant werden sollte (was unwahrscheinlich ist).Eine Position weiter vorne ist die Situation vielleicht sogar noch prekärer. Nach dem feststehenden Abgang von James Sands und den wahrscheinlichen Abgängen von Eric Smith und Joel Fujita, bleiben noch Irvine, Matti Rasmussen und Connor Metcalfe übrig (Edit: und natürlich Neuzugang Sam Klein). Es ist alles andere als ausgeschlossen, dass zum Saisonstart von diesen drei Spielern nur noch einer übrig ist. Mit Nick Schmidt und Marwin Schmitz gibt es zwar zwei Nachwuchsspieler, die nun eine größere Rolle im Kader einnehmen könnten, aber auf deren Schultern sich so eine Position sicher (noch) nicht aufbauen lässt. Der Bedarf und auch das Fragezeichen ist also auch auf dieser Position riesengroß.
Zwei andere Positionsgruppen im Kader sind hingegen aktuell bereits zahlenmäßig (und auch qualitativ?) gut besetzt. Mit Manos Saliakas und Arek Pyrka im Kader muss sich kein Zweitligist verstecken. Zudem dürfte sich Louis Oppie nach einem eher verkorksten Start beim FC St. Pauli für die zweite Saison viel vornehmen und die Wichtigkeit von Lars Ritzka ist für das Team unbestritten. Sollte sich keiner der vier verbliebenen Außenverteidger mehr für einen Wechsel interessieren, dann ist diese Position für Zweitligaverhältnisse ziemlich gut. Im Tor gibt es mit Ben Voll bereits einen Nachfolger für Vasilj, es dürfte lediglich eine neue Nummer 2 oder 3 gesucht werden.

Der FC St. Pauli befindet sich zum Start der Saison 26/27 auf der Suche nach einer neuen Führungsriege.
(c) Stefan Groenveld
Etwas mehr Fragezeichen gibt es in der Offensive. Mit Danel Sinani und Andréas Hountondji stehen zwei Abgänge bereits fest. Zudem wird Mathias Pereira Lage noch einige Zeit ausfallen. Zum Vorbereitungsstart stehen somit Martijn Kaars, Abdoulie Ceesay, Ricky-Jade Jones und Taichi Hara zur Verfügung, sofern sich von diesen niemand mehr nach einem anderen Verein sehnen sollte. Ob das in Sachen Qualität passt, dürfte ein weiteres großes Fragezeichen der Vorbereitung sein. Im Fall von Kaars ist bereits klar, dass er sich in der 2. Liga sehr gut zurechtfindet. Sofern Jones fit ist, könnte er in dieser Spielklasse eine wichtige Rolle einnehmen. Sollte Ceesay dort weitermachen, wo er zum Ende der letzten Saison aufgehört hat, dann wird jegliche Diskussion um fehlende Qualität im Angriff im Keim erstickt werden. Bei Hara ist die Sache weniger eindeutig und auch weniger positiv: Im letzten halben Jahr kam er so gut wie gar nicht zum Einsatz, konnte überhaupt nicht Fuß fassen am Millerntor. Daher ist völlig unklar, wie und ob es beim FCSP überhaupt für ihn weitergeht.
Das sind also vier Mittelstürmer. Trotzdem fehlt dem Team auf dieser Position wohl ein gewisser Spielertyp. Denn keiner dieser vier Spieler hat bisher den Eindruck erweckt, er könnte die Rolle des Wandspielers übernehmen, die in Rapps Teams bisher oft eine wichtige Rolle spielte. Vielleicht ist die aber auch nicht angedacht, vielleicht plant der FCSP einen anderen Fußball.Was im Kader des FC St. Pauli aber ganz sicher fehlt, sind Spieler, die eine Position hinter dem Angriff spielen können. Marcel Rapp hatte in seiner Zeit in Kiel immer entweder mit einem oder zwei Zehnern spielen lassen. Durch den Abgang von Sinani und den Ausfall von Pereira Lage, den wahrscheinlichen Abgang von Fujita sowie dem zumindest denkbaren Abgang von Metcalfe, fehlen dem FC St. Pauli Spieler für diese Position komplett. Hier muss also noch etwas passieren.
Wobei es mit Erik Ahlstrand eigentlich einen Spieler gibt, der auf diese Position passen könnte. Ob er nach seiner Leihe zu Heracles Almelo aber überhaupt ein Interesse daran hat, zum FC St. Pauli zurückzukehren? Das dürfte auch stark davon abhängen, wie Rapp mit Ahlstrand plant, ob er ihm eine größere Rolle zutraut, als Blessin es tat. Gleiches gilt für Scott Banks, der in der vergangenen Saison in England auf 14 Torbeteiligungen in 42 Spielen kam. Er kam dabei als offensiver Außenbahnspieler zum Einsatz, würde beim FCSP dann aber sicher eher in die Rolle des offensiven Außenverteidigers passen (so wie es zum Beispiel Reese oder Bernhardsson in Kiel unter Rapp taten). Klingt nach einer spannenden Idee, aber es ist völlig unklar, ob ernsthaft darüber nachgedacht wird.
Zum Vorbereitungsauftakt gibt es beim FC St. Pauli also noch eine ganze Menge Fragezeichen in Sachen Kaderzusammensetzung. Das war übrigens in der Vorsaison anders, da war der Kader zum Start beziehungsweise kurz nach Start der Vorbereitung bereits nahezu komplett (Kaars und Hountondji kamen später, der Rest der Neuzugänge war bereits da), was sicher auch einen Anteil am erfolgreichen Saisonstart des FCSP hatte. Nun werden zum Auftakt wohl nur 19 Spieler dabei sein, weil es viele Abgänge gab und weitere noch mit ihren Nationalteams auf Reisen sind. Zwar wird der Kader sicher mit U23- und U19-Spielern aufgefüllt werden, aber es ist völlig klar, dass sich das Gesicht des FC St. Pauli im Verlauf der nächsten Wochen noch massiv verändern wird. Es werden sich noch weitere Spieler verabschieden – und dann auch noch eine ganze Menge neuer Spieler hinzukommen. Es wird sich noch ziemlich viel verändern. Wie auf einer Baustelle also.
// Tim
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