FC Bayern München
·27. Februar 2026
Bayern, Dortmund und das ewige Trainer-Karussell

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·27. Februar 2026

Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.
Vor dem nächsten „Clásico“ am Samstagabend in Dortmund werfen wir das Trainer-Karussell an, das sich zwischen Säbener Straße und Borsigplatz seit gut einem halben Jahrhundert munter dreht. Unsere Titel-Trainer Niko Kovač und Thomas Tuchel sind da nur die jüngsten Beispiele.
Doch wir wollen tiefer graben – mit fünf Männern, die quasi als „Wanderer zwischen den Welten“ für beide Klubs auf der Trainerbank gesessen sind. Ihre Namen stehen stellvertretend für das ewige Hin und Her: Branko Zebec, Udo Lattek, Pál Csernai, Otto Rehhagel – und Ottmar Hitzfeld, der „General“, der mit beiden Klubs den europäischen Gipfel eroberte.
Branko Zebec formte aus den jungen Wilden um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller eine disziplinierte Meistermaschine – und führte den FC Bayern 1969 zum ersten Double seiner Geschichte. Er setzte in einer ganzen Saison nur 13 Spieler ein, ließ brutal hart trainieren und machte aus dem übermütigen Offensivteam eine kontrollierte, konditionsstarke Einheit.
„Wenn der Branko sagt, das Tischtuch ist grün, dann ist es grün. Auch wenn’s blau ist“, sagte Gerd Müller.
Die Spieler nannten ihn „harten Hund“ und „Cäsar“. Dieter „Mucki“ Brenninger erinnerte sich: „Wir haben unglaublich intensiv trainiert. Er setzte sich mit einem Stuhl auf den Platz, nahm Kieselsteine in die Hand, für jede Runde einen. Wir mussten laufen, bis die Hand leer war.“
Der jugoslawische Taktikfuchs und Erfinder der Abseitsfalle prägte die rationale, kontrollierte Spielweise des FC Bayern, mit der der Klub bis heute bei Bedarf Gegner zermürbt. Als die Ergebnisse einbrachen, war Zebec 1970 in München Geschichte. Udo Lattek, Wunsch-Nachfolger der Spieler, übernahm.
Über ein Jahrzehnt später führte Branko Zebec den damals kriselnden BVB 1982 auf Platz sechs – das beste Ergebnis seit zwölf Jahren. Doch seine Alkoholprobleme eskalierten, ein Autounfall vor dem Westfalenstadion wurde zum Sinnbild des Absturzes. Der Mann, dem der FC Bayern so viel zu verdanken hatte, kam nie mehr auf die Beine und starb 1988 mit nur 59 Jahren.
Udo Lattek kam im März 1970 als Trainer-Neuling vom DFB zum FCB – und leitete die erste prägende Erfolgsepoche der Klubgeschichte ein. Gerd Müller schwärmte: „Unter ihm haben wir das schönste Leben gehabt, und das erfolgreichste. Beim Udo haben wir praktisch alles gewonnen, und im Training fast nur Tennis gespielt.“
Lattek baute die jungen Wilden Uli Hoeneß und Paul Breitner ein. Er gestaltete rund um Maier, Beckenbauer und Müller eine Einheit, die von 1972 bis 1974 dreimal in Folge Meister wurde und 1974 erstmals den Europapokal der Landesmeister gewann. Als es 1974/75 kriselte, weil die Mannschaft satt geworden war, kam es zum legendären Abschiedsgespräch mit Präsident Wilhelm Neudecker. Lattek: „Herr Neudecker, wir müssen etwas ändern.“ Der Präsident: „Sie haben recht. Sie sind gefeuert.“
Nach seiner Bayern-Rückkehr 1983 legte „Uns Udo“ einen weiteren Meister-Hattrick drauf. Zigarettenschwaden und Weißbier im Bus, der Trainer bei der Meisterfeier hosenlos – es waren wilde Zeiten, in denen Lattek trotzdem alles im Griff hatte.
In Dortmund stand „Uns Udo“ zweimal an der Seitenlinie – 1979 bis 1981 mit gemischtem Erfolg, dann 2000 als 65-jähriger Feuerwehrmann in höchster Abstiegsnot. Für fünf Spiele lieh ihn sein TV-Arbeitgeber DSF („Doppelpass“) an den BVB aus. Lattek führte Dortmund mit Assistent Matthias Sammer noch auf Platz 11. 75.000 Fans feierten ihn im Westfalenstadion. Ein allerletztes Mal durfte Erfolgsmensch Udo seiner Passion nachgehen: „Fußball – und speziell die Bundesliga – ist für mich wie eine Droge.“
Pál Csernai war der erste Konzepttrainer der Bayern, ein taktischer Innovator mit Seidenschal. 1979 übernahm er nach der Spieler-Revolte gegen Max Merkel. Die Mannschaft stimmte im Flugzeug für Csernai, Präsident Neudecker trat zurück.
Der Ungar entwickelte das berühmte „Pál-System“, eine Mischung aus Mann- und Raumdeckung, mit der Bayern wieder zur Spitze aufschloss. „Ohne das hätten wir den Erfolg nicht gehabt. Darauf bin ich richtig stolz. Das war eine Revolution damals“, sagte er. Karl-Heinz Rummenigge adelte ihn als „taktisch genialsten Coach“ seiner aktiven Zeit.
Die unschönen Verabschiedungen von Gerd Müller und Sepp Maier nahmen viele Fans Csernai übel. Doch das Vermächtnis bleibt: Meister 1980 und 1981, das legendäre 4:2 im Pokalfinale 1982 gegen Nürnberg mit Dieter Hoeneß und dem blutigen Turban.
Als die Resultate nachließen, musste er 1983 gehen – Udo Lattek stand wieder „Ante Portas“. In Dortmund war Pál Csernai 1985/86 der nächste Bayern-Mann auf der BVB-Bank. Diesmal misslang der Umbruch, die Schwarzgelben retteten sich erst in der Relegation. Kurios: Wie zuvor in München löste ihn auch hier Assistent Reinhard Saftig ab – noch ein FCB-BVB-Doppel-Trainer.
Bevor er als Bremens König Otto den Thron bestieg, erlebte Rehhagel als Dortmunder Trainer die Bundesliga von ganz unten. Sein BVB ließ sich 1978 am letzten Spieltag in Mönchengladbach mit 0:12 überrollen – bis heute Bundesliga-Rekordniederlage.
Als Werder-Legende Rehhagel 1995 zum FC Bayern kam, jubelte Franz Beckenbauer, man habe den „besten und erfolgreichsten Trainer der Republik“ angeheuert. Der Klub baute ein „Dreamteam“ mit den Neuzugängen Jürgen Klinsmann, Andreas Herzog, Ciriaco Sforza und Thomas Strunz. 6.000 Fans beim Trainingsauftakt, sieben Siege zum Start – Bundesliga-Rekord!
Doch im Glitzerkader des FC Hollywood griff die Devise „Der Star ist die Mannschaft“ nicht mehr. Als sich die Niederlagen häuften, blieb Rehhagel stur: „Meine Taktik ist immer richtig.“
Franz Beckenbauer übernahm vor Saisonende und führte die Bayern zum UEFA-Cup-Sieg gegen Bordeaux. Rehhagel blieb König – nicht von München, aber von Kaiserslautern 1998 als Meister-Aufsteiger und von Griechenland, als „Rehakles“ mit dem EM-Wunder 2004.
In Dortmund schauten viele 1991 skeptisch auf den Gentleman aus Lörrach. „Wat wollt ihr mit dem Schweizer?“, murrten die Trainingszuschauer. Doch aus dem leisen Mann wurde der „General“, der den BVB zu zwei Meistertiteln und 1997 zum Champions-League-Triumph gegen Juve führte – ausgerechnet im Münchner Olympiastadion, im Wohnzimmer des FC Bayern. Das tat weh.
Ein Jahr später war Hitzfeld selbst Münchner. Der Auftrag: Der FC Bayern sollte wieder offensiver, moderner spielen. Hitzfeld führte präzise Regie. Stefan Effenberg nannte ihn „den besten Trainer der Welt“ und lobte sein perfektes taktisches Wissen.
Ottmar Hitzfeld führte seine Bayern nach dem Drama von Barcelona 1999 aus dem Tal der Tränen. Die magische Nacht von Mailand 2001 gegen Valencia mit Elfmeterheld Oliver Kahn, schrieb ihn endgültig in die Bayern-DNA ein. Später gestand er, dass er nach sechs Jahren in München „kurz vor einem Burnout“ stand. 2004 ließ man ihn ziehen.
2007 kehrte Ottmar Hitzfeld noch einmal zurück nach München. Mit neuen Stars wie Franck Ribéry, Miroslav Klose und Luca Toni feierte er prompt das Double. Karl-Heinz Rummenigge kritisierte zwar zwischenzeitlich: „Fußball ist keine Mathematik“, als ihm die Rotation des gelernten Mathelehrers zu viel des Guten war. Doch mit dem „Fußball-Einmaleins“ seiner Aufstellungen bewies auch „Ottmar 2.0“, dass sich Kalkül und Emotion in München wunderbar ergänzen können.
Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“
Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.
In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!









































