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·4. April 2026

Bayern-Spielmacherin Linda Dallmann: "Kann meine Kreativität ausleben"

Artikelbild: Bayern-Spielmacherin Linda Dallmann: "Kann meine Kreativität ausleben"

Ein Höhepunkt folgt auf den nächsten. Nach dem Einzug in das Halbfinale der Königsklasse will der aktuelle Doublesieger FC Bayern München am Ostermontag (ab 15.30 Uhr, live bei Sky) gegen die SGS Essen das Endspiel um den DFB-Pokal der Frauen erreichen. Im DFB.de-Interview spricht Nationalspielerin Linda Dallmann (31) mit Mitarbeiter Ralf Debat über das Duell mit ihrem Ex-Klub und ihre gute Form.

DFB.de: Erleben Sie gerade die beste Zeit Ihrer Karriere, Frau Dallmann?


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Linda Dallmann: Es macht aktuell auf jeden Fall sehr viel Spaß und fühlt sich gut an.

DFB.de: Der FC Bayern steht im Halbfinale der UEFA Women's Champions League, ist nur noch drei Punkte vom erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft entfernt und hat den Einzug in das Endspiel um den DFB-Pokal vor Augen. Könnte es überhaupt besser laufen?

Dallmann: Schwierig. (lacht) Wir waren ja schon in den zurückliegenden Jahren sehr erfolgreich. Was aber ein wenig gefehlt hat, waren die herausragenden Ergebnisse in der Champions League. Bei unserem Potenzial war es eigentlich überfällig, wieder einmal das Halbfinale zu erreichen. Das hatten wir uns vorgenommen und haben es jetzt auch geschafft. Das ist etwas Besonderes.

DFB.de: Schon die zurückliegende Saison war mit dem Double historisch. Dennoch scheint das Team noch stärker zu sein. Woran machen Sie das vor allem fest?

Dallmann: Obwohl wir mit José Barcala einen neuen Trainer bekommen haben, mussten wir nicht bei Null anfangen, sondern er konnte auf dem davor erarbeiteten Fundament aufbauen, José hat natürlich seine eigenen Ideen und einen spanischen Spielstil mit noch mehr Ballbesitz ins Team gebracht. Was José und das gesamte Trainerteam auszeichnet, sind die Ruhe und die Selbstsicherheit, die sie ausstrahlen. Davon profitieren wir und dadurch haben wir auf jeden Fall noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. So ist es beispielsweise kein Zufall, dass wir gerade in die Champions League schon einige Spiele nach Rückständen noch gedreht haben.

DFB.de: Auch Ihre Rolle innerhalb des Teams hat sich unter dem neuen Trainer José Barcala verändert. Warum kommt Ihnen seine Herangehensweise besonders entgegen?

Dallmann: Nach einer nicht ganz einfachen Situation in der zweiten Halbserie der zurückliegenden Saison bekomme ich jetzt wieder deutlich mehr Spielzeit und spüre viel Vertrauen in mich und meine Stärken. Ich spiele jetzt zwar ein wenig weiter rechts und damit nicht zu 100 Prozent in dem Zehnerraum, den ich grundsätzlich bevorzuge. Ich bekomme aber extrem viele Freiheiten und kann meine Kreativität ausleben.

DFB.de: Im Vergleich zur Vorsaison sind Sie auch wieder deutlich torgefährlicher, erzielten zuletzt auch den 2:1-Siegtreffer in der Königsklasse gegen Manchester United. Wie gut tun Ihnen solche persönlichen Erfolgserlebnisse?

Dallmann: Wenn es gut läuft, dann gelingen auch mal solche Dinge wie dieser Volleyschuss. Das war vor allem auch deshalb besonders, weil es mein erstes Tor in der Allianz Arena war - und dann auch noch ein entscheidendes. Normalerweise bin ich gar nicht der Typ, der beim Jubeln groß aus sich herausgeht. Diesmal musste ich aber eine Ausnahme machen. (lacht)

DFB.de: Sie sind bekannt dafür, gerne auch zusätzliche Trainingseinheiten einzuschieben, um Ihre Fitness zu verbessern. Sind die aktuellen Leistungen die Belohnung dafür?

Dallmann: Ich war schon in der Vergangenheit oft im Gym, habe viel an mir gearbeitet. Ein Learning aus der Vorsaison war für mich, dass ich mich läuferisch noch verbessern und viel für meine Ausdauer tun kann. Davon profitiere ich jetzt. Dadurch ist es dann auch möglich, die Konzentration bis zum Ende hochzuhalten und auch mal in der 86. Minute einen schwierigen Ball optimal zu treffen.

DFB.de: Auch Ihr Standing bei der Nationalmannschaft hat sich spürbar verbessert. Was bedeutet Ihnen das?

Dallmann: Es tut gut, keine Frage. Der zurückliegende Lehrgang mit dem Start in die WM-Qualifikation hat viel Spaß gemacht. Daran wollen wir in den kommenden Wochen beim DFB anknüpfen. Allerdings weiß ich auch, dass es kein Selbstläufer wird. Im Laufe meiner Karriere habe ich gelernt, wie schnell es manchmal in die eine oder andere Richtung geht.

DFB.de: Der nächste sportliche Höhepunkt ist das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Ihren früheren Verein SGS Essen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Partie?

Dallmann: Es ist nicht vergleichbar mit einem Ligaspiel. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie viele Emotionen ein solcher Höhepunkt bei den Spielerinnen der SGS Essen auslöst. Ich gehe davon aus, dass wir gegen einen tiefen Block viel Geduld aufbringen und die Konter unterbinden müssen. Grundsätzlich wird es aber an uns liegen, wie das Spiel ausgeht.

DFB.de: Der FC Bayern ist klarer Favorit, hat erst kürzlich in der Liga in Essen 5:0 gewonnen. Warum kann die SGS dennoch ein gefährlicher Gegner sein?

Dallmann: Zu meiner Zeit standen wir auch mehrfach im Halbfinale des DFB-Pokals und sogar im Endspiel. Das hat für einen Verein wie Essen, bei dem alle Beteiligten mit viel Herzblut bei der Sache sind, eine wahnsinnige Bedeutung. Das sollte man nicht unterschätzen. Wir benötigen den vollen Fokus, um erfolgreich zu sein.

DFB.de: Welchen Stellenwert hat der DFB-Pokal im Vergleich zur Meisterschaft und zur Champions League?

Dallmann: Die Liga steht immer an erster Stelle. Dennoch ist es selbstverständlich für uns auch ein wichtiges Ziel, das Pokalfinale zu erreichen und auch zu gewinnen. Dass wir dem VfL Wolfsburg zehn Jahre lang den Pott überlassen mussten und oft vorzeitig ausgeschieden sind, tat schon weh. Umso schöner war das Double vor einem Jahr.

DFB.de: Würden Sie deshalb besonders gerne im Endspiel auf die Wölfinnen treffen?

Dallmann: Dieses Duell wäre schon cool für den deutschen Frauenfußball. Aber erst einmal müssen beide Teams dafür ihre Hausaufgaben machen.

DFB.de: Was macht vor allem den Reiz des Endspiels im Kölner RheinEnergieSTADION aus?

Dallmann: Die gesamte Atmosphäre ist speziell. Gerade für mich persönlich ist es immer etwas Besonderes, im Westen und damit in der Nähe meiner Heimat am Niederrhein zu spielen. Die Menschen dort sind kulturell noch einmal anders und leben den Fußball. Sollten wir es nach Köln schaffen, werden viele Familienmitglieder und Freunde dabei sein. Das ist durch den weiten Weg nach München sonst nicht immer möglich.

DFB.de: Die SGS Essen belegt in der Google Pixel Frauen-Bundesliga vier Spieltage vor dem Saisonende einen Abstiegsplatz. Wie groß ist noch Ihre Verbundenheit mit dem Klub?

Dallmann: Ich verfolge nach wie vor, wie es in Essen läuft, und drücke fest die Daumen, dass der Verein in der Liga bleibt. Es ist schwierig, ohne eine Männer-Profiabteilung im Rücken auf diesem Niveau zu bestehen. Umso beachtlicher ist es, was die SGS leistet, speziell auch bei der Förderung junger Spielerinnen. Das hat mir ja auch extrem geholfen. Deshalb habe ich dem Verein sehr viel zu verdanken.

DFB.de: Trauen Sie dem Team den Klassenverbleib denn noch zu?

Dallmann: Warum nicht? Die SGS hat noch drei Heimspiele, trifft auch auf direkte Konkurrenten. Daher hoffe ich sehr, dass sie es schaffen und im besten Fall beim Saisonfinale in einem ausverkauften Stadion an der Hafenstraße feiern können.

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