Bayers Trainersuche wird langsam zur Farce | OneFootball

Bayers Trainersuche wird langsam zur Farce | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: 90min

90min

·20. Mai 2026

Bayers Trainersuche wird langsam zur Farce

Artikelbild:Bayers Trainersuche wird langsam zur Farce

Es ist längst ein offenes Geheimnis: Kasper Hjulmand wird Bayer 04 Leverkusen wohl in den kommenden Wochen verlassen. Und ehrlich gesagt wäre alles andere inzwischen kaum noch vermittelbar.

Nachdem die Werkself nach dem Abgang von Xabi Alonso bei den Trainerentscheidungen mehrfach komplett danebenlag, muss der nächste Schuss endlich sitzen. Andernfalls wird auch Simon Rolfes ernsthaft zur Diskussion stehen müssen und das völlig zurecht. Der Meister-Architekt der erfolgreichsten Bayer-Saison der Vereinsgeschichte droht gerade dabei zuzusehen, wie Leverkusen all das verspielt, was man sich über Jahre hart erarbeitet hat.


OneFootball Videos


Statt sich dauerhaft als Deutschlands größter Bayern-Herausforderer zu etablieren, reißt die Werkself durch fragwürdige Trainerentscheidungen und teure Fehleinkäufe Stück für Stück ihr eigenes Fundament wieder ein.

Das Versteckspielen hilft niemanden

Deshalb ist es grundsätzlich nachvollziehbar, dass sich Leverkusen diesmal mehr Zeit bei der Trainerentscheidung nehmen will. Schließlich müssen neben Simon Rolfes und Fernando Carro offenbar auch die Verantwortlichen der Bayer AG und der Gesellschafter-Ausschuss um Werner Wenning überzeugt werden.

Nach den Fehlern der vergangenen Monate wäre eine überstürzte Entscheidung tatsächlich fatal. Was allerdings überhaupt keinen Sinn ergibt, ist das öffentliche Festhalten an Kasper Hjulmand. Laut mehreren Medienberichten soll dieses Vorgehen vor allem taktische Gründe haben, um sich im Trainer- und Transferpoker eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen.

Ganz ehrlich: Das ist absoluter Unfug. Jeder halbwegs informierte Verein weiß längst, dass Bayer im Sommer einen neuen Trainer holen wird. Dieses Versteckspiel bringt niemandem einen Vorteil – wirkt nach außen aber zunehmend planlos und ist vor allem Hjulmand gegenüber unfair.

Ich bin wahrlich kein großer Verfechter seiner Spielidee oder mancher Kaderentscheidungen und freue mich ebenfalls auf einen Neustart im Sommer. Trotzdem sollte man bei aller berechtigten Kritik nicht vergessen, in welcher Situation der Däne übernommen hat. Hjulmand fand die Mannschaft am dritten Spieltag als komplett verunsicherten und neuzusammengestellten Haufen vor und schaffte es zumindest, wieder Stabilität hineinzubringen.

Natürlich wiegt das Verpassen der Champions League extrem schwer. Trotzdem hätte Hjulmand zumindest eine klare Kommunikation und einen vernünftigen Abschied vor den eigenen Fans verdient gehabt.

Gerüchteküche brodelt

Außerdem sorgen die von Bayer selbst geschaffenen Gerüchte intern vor allem für zusätzliche Unruhe. Im vergangenen Jahr lief der Trainerprozess trotz der am Ende falschen Entscheidung deutlich strukturierter ab. Erik ten Hag galt früh als einer von wenigen Kandidaten und wurde bereits Ende Mai vorgestellt.

Diesmal wirkt die Suche dagegen deutlich chaotischer. Während Hjulmand weiterhin öffentlich hingehalten wird, tauchen beinahe täglich neue Namen auf. Von Thiago Motta über Michel und Fabian Hürzeler bis hin zu Danny Röhl wurde inzwischen gefühlt jeder zweite Trainer Europas gehandelt.

Intern wird man bei der Werkself hoffentlich längst eine klare Shortlist definiert haben. Immer mehr deutet darauf hin, dass sich die Entscheidung zwischen Filipe Luis, Oliver Glasner und Andoni Iraola zuspitzt.

Bayer braucht jetzt endlich eine klare Entscheidung

Und ehrlich gesagt: Jeder dieser drei Trainer wäre aktuell ein Upgrade zu Kasper Hjulmand. Meine persönliche Wunschlösung wäre dabei Filipe Luis. Der Brasilianer ließ bei Flamengo meist ein variables 4-2-3-1 beziehungsweise 4-3-3 spielen, kombiniert aggressives Pressing mit mutigem Ballbesitzfußball und würde damit perfekt zur offensiven DNA passen, die Bayer unter Xabi Alonso aufgebaut hat.

Vor allem aber könnte die Werkself endlich wieder weg von der Dreierkette kommen, an der seit der Meisterschaft beinahe zwanghaft festgehalten wird. Gleichzeitig bringt Filipe Luis eine enorme Siegermentalität sowie moderne Ansätze mit. Natürlich wäre seine fehlende UEFA-Pro-Lizenz ein Risiko, aber genau ein solches Risiko sollte Bayer, wie damals bei Xabi Alonso, jetzt eingehen.

Artikelbild:Bayers Trainersuche wird langsam zur Farce

Wird Filipe Luis neuer Bayer-Coach? | Wagner Meier/GettyImages

Sollte sich dieses Problem allerdings nicht lösen lassen, wäre Oliver Glasner für mich die beste Alternative. Der Österreicher wäre wohl die stabilste und sicherste Lösung. Mit seinem intensiven 3-4-2-1, aggressivem Umschaltspiel und seiner Bundesliga-Erfahrung hat er mehrfach bewiesen, dass er Mannschaften schnell stabilisieren, entwickeln und sogar Titel gewinnen kann.

Andoni Iraola wiederum wäre vermutlich die spektakulärste Option. Der Spanier steht für kompromisslosen Hochgeschwindigkeitsfußball mit enorm hohem Pressing und genau die Energie, Mentalität und Konsequenz fehlt Bayer aktuell komplett.

Egal, welcher Name es am Ende wird: Die Werkself braucht endlich wieder eine klare Idee, eine klare Führung und vor allem einen Trainer, der den Klub sportlich wieder eine klare Identität verleiht. Und genau deshalb sollte dieser Prozess jetzt auch zeitnah beendet werden – aus Gründen der Kaderplanung, aber vor allem auch aus Fairness gegenüber allen Beteiligten.

Impressum des Publishers ansehen