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·22. April 2026
Bereit für das Saisonfinale: MSV Duisburg in Lauerstellung

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Betont lässig hatte sich Trainer Dietmar Hirsch in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal gezeigt, wenn er nach den Aufstiegshoffnungen des MSV Duisburg gefragt wurde. Dass die Zebras bis zum Saisonende eine gewichtige Rolle spielen werden ist klar – in den kommenden zwei Wochen könnte für euphorisierte Weiß-Blaue bereits eine Vorentscheidung fallen.
Mit der verdienten 0:1-Niederlage im Derby bei Rot-Weiss Essen, die gerade einmal zweieinhalb Wochen zurückliegt, schien die Luft doch bereits raus aus dieser Spielzeit. Der MSV Duisburg, der famose Regionalliga-Aufsteiger aus dem Vorjahr, hatte doch seine Glanzform der Frühsaison längst verloren. Hatte sich durch einige goldene Momente und die mysteriöse Heimstärke zwar immerhin noch in der Spitzengruppe behaupten können, aber trotzdem alle paar Wochen an Boden verloren. Spiele wie das 1:6 in Wiesbaden und das 1:5 in Rostock hatten doch gezeigt, dass die Meidericher schlicht noch nicht gut genug sind für das große Ziel. Dass die Qualität fehlt, Gegnern in Bestform und in deren Wohnzimmer etwas entgegenzusetzen.
Na denkste! Alle neun Punkte eroberte der MSV seither. Zunächst das erstaunliche, hart erkämpfte 1:0 über den VfL Osnabrück – der einzige Punktverlust vom Spitzenreiter und designierten Zweitliga-Rückkehr zwischen den Spieltagen 25 und 34. Dann das Bangen vor der viel schwierigen Disziplin Auswärtsspiel in Mannheim; eine Hürde, die der MSV höchst effizient mit dem klaren 4:1-Erfolg lockerer als erwartet nahm. Und schließlich jetzt das 3:1 gegen die TSG Hoffenheim II – ein Sieg mit dem Label "Pflichtaufgabe". Doch noch in der Hinrunde hatte die Hirsch-Elf bei der klaren 1:4-Pleite im Kraichgau ja bestens die Stärken des Hoffenheimer Nachwuchses erfahren müssen. Doch davon war am Samstag wenig übrig: 27.500 Zuschauer – Saisonbestwert im Heimbereich! – zitterten und feierten.
Statistisch ist schwer wegzudiskutieren, dass Duisburg an die Ligaspitze gehört. Selbst in der vermeintlich schwächeren Rückrunde ankert der Sportverein schon wieder auf dem 4. Tabellenplatz, hat unter anderem mehr Zähler geholt als die Konkurrenz aus Cottbus, Rostock und Verl. Das Auftreten vor dem heimischen Publikum ist nach wie vor formidabel: Mit 13 Siegen und vier Remis bei keiner einzigen Niederlage schickt man sich an der Wedau an, Rekorde einzustellen: 43 Zähler hat der MSV bereits, 49 sind noch möglich – genau das entspricht dem mittlerweile 15 Jahre alten Bestwert von Eintracht Braunschweig. Auch eine Saison ohne Heimniederlage ist in der 3. Liga eine absolute Rarität. Erzgebirge Aue schaffte dies zuletzt 2015/16, und überhaupt nur noch ein weiterer Verein seit Bestehen: der MSV Duisburg 2014/15, der mit dem damals letzten Heimsieg (3:1 über Holstein Kiel) unter der Führung von Gino Lettieri an Ort und Stelle eine rauschende Aufstiegsfeier einläutete.
Laufen lassen – das ist nun wortwörtlich die Devise von Trainer Hirsch, dem aber anhand immer optimistischerer Aussagen anzumerken ist, dass der Euphorie-Pegel auch bei ihm persönlich steigt. "Mal gucken, ob wir uns nächstes Jahr wiedersehen", verabschiedete er seinen Hoffenheimer Kollegen Stefan Kleineheismann nach dem jüngsten Heimsieg – natürlich mit einer Prise Humor, doch die Nachricht kam an. Selbstbewusstsein dürfen dabei alle ausstrahlen, erst recht der 54-Jährige, der längst mehr ist als ein guter Motivator. Seine Umstellung hin auf eine Dreierkette erweist sich mittlerweile als Glücksgriff, und das obwohl er mit Joshua Bitter einen gelernten Außenverteidiger einsetzt, weil Kapitän Alexander Hahn seit einigen Wochen verletzungsbedingt kürzertritt.
Es passt ebenso in ein womöglich magisches Jahr, dass nun der 20-jährige Ben Schlicke mit der Routine eines alten Hasen die Kette auffüllt. Oder dass der zwei Jahre älter Niklas Jessen, der in den ersten zwei Saisondritteln als Bankdrücker oftmals ohne Einsatzminute blieb, plötzlich als rechter Schienenspieler gesetzt ist. Vorne haben sich schließlich Lex Tyger Lobinger, Florian Krüger und Dominik Kother als vielseitiges Trio gefunden, und während Lobinger mit dem vierten Doppelpack sein bereits 17. Saisontor (acht davon für den MSV) erzielte, schaffen es Krüger und Kother gerade rechtzeitig in ihr erstes Formhoch, seit sie im Sommer 2025 respektive vergangenen Winter ihren Dienst in Meiderich angetreten haben.
Der Weg zur maximalen Euphorie ist vorgegeben, aber keinesfalls leicht. Erst am 37. Spieltag wartet ein Gegner, der selbst in der Fremde besiegt werden muss: Erzgebirge Aue dürfte an diesem Datum zu annähernd 100 Prozent sicher abgestiegen sein. Und auch das finale Duell mit Viktoria Köln bietet angesichts des gesicherten Mittelfeldplatzes der Gäste die perfekte Grundlage für einen 14. oder 15. Heim-Dreier, der mindestens den Relegationsrang sichert. Vorab aber geht es am Freitagabend zur zweitbesten Rückrundenmannschaft nach Aachen, wo es ein Rezept gegen das kongeniale Duo Lars Gindorf und Mika Schroers zu finden gilt. Eine Woche darauf folgt der Showdown gegen Energie Cottbus, das seinerseits mit Tolcay Cigerci und Erik Engelhardt das zweite Ausnahme-Duett mitbringt.
Noch sind die Zebras als Tabellenvierter in Lauerstellung, in diesen 180 Minuten kann sich das gravierend ändern. "Wir machen Druck und wollen jetzt durchziehen", gibt Hirsch den Weg für die zwei besonderen Reifeprüfungen vor. Vier Siege würden mindestens zwei Relegationsspiele sichern, und da auch die Konkurrenz nicht vorm Stolpern gefeit ist, genügt womöglich weniger. Definitiv bereit sind die Fans des MSV, die mit fast 6.000 in die Autos, Busse und Bahnen nach Aachen steigen werden – es könnten sogar noch mehr sein, denn immerhin 1.700 Neuregistrierungen vermeldete die Alemannia laut "Aachener Zeitung" kürzlich für das eigene Ticketportal. Ob inkognito im Heimbereich oder auf der in Weiß und Blau getauchten Nordtribüne des Tivoli: Jeder, der es mit dem MSV hält, weiß um die Wichtigkeit dieser Begegnung. Eine Zweitliga-Rückkehr aus dem absoluten Nichts nach sieben quälenden Jahren führt über das Rückrunden-Schwergewicht.









































