TORfabrik.de
·23. Februar 2026
Borussia taumelt weiter – Rückendeckung für Polanski

In partnership with
Yahoo sportsTORfabrik.de
·23. Februar 2026

Borussia Mönchengladbach taumelt weiter durch die Liga. Halbwegs ordentliche Ansätze reichten auch in Freiburg nicht aus, um die notwendigen Punkte einzufahren. Es fehlte erneut in der Summe zu viel, sodass die Situation mittlerweile existenzgefährdend ist. Rouven Schröder stellt sich derweil hinter Eugen Polanski.
Am Sonntagnachmittag in Freiburg zeigte Borussia Mönchengladbach ein Spiel, wie es in dieser Saison schon so oft zu sehen war: Es waren einige Ansätze zu erkennen, man ließ sich nicht herspielen und wusste sich in Zweikämpfen zu wehren, aber in der Summe fehlte doch zu viel. »So viele Szenen, die wir defensiv nicht gut klären, gibt es gar nicht«, sagte Eugen Polanski. »Aber wir müssen in den entscheidenden Situationen da sein.« Das war man beim 0:1 nicht, das nach einem Einwurf fiel. »Da müssen wir wacher sein, um dieses Momentum von Freiburg zu killen«, ärgerte sich Polanski.
Auch das 0:2 war ein Gegentor, das sich mit mehr Entschlossenheit hätte vermeiden lassen. »Das ist der Unterschied zu Freiburg heute: Sie kriegen so ein Tor wahrscheinlich nicht, wir kriegen es.« Erschwerend kam hinzu, dass die Borussia die wenigen defensiven Aussetzer nicht mit eigenen Offensivaktionen ausgleichen konnte. Denn einmal mehr agierte die Mannschaft in erschreckender Harmlosigkeit. »Da müssen wir die Fesseln lösen, das wird so nicht reichen in der Liga«, nahm Sportchef Rouven Schröder kein Blatt vor den Mund. »Es ist wichtig, sich da sehr kritisch die Meinung zu sagen.«
Latente Unsicherheit bei eigenem Ballbesitz
Freiburg reichte es an diesem Nachmittag, einfach strukturiert zu agieren und auf die Fehler von Gladbach zu warten. Dass diese Fehler schon fast zwangsläufig folgen würden, war früh abzusehen. Mehrfach gab es im Aufbauspiel der Borussia wackelige „Harakiri-Aktionen“, die so gerade noch folgenlos blieben. Doch es war klar, dass diese latente Unsicherheit bei eigenem Ballbesitz nicht dazu beitragen würde, den Gegner in irgendeiner Phase zu dominieren und in wirkliche Schwierigkeiten zu bringen. Die Gladbacher hatten als Einzelspieler und im Kollektiv überreichlich mit sich selbst zu tun, als dass sie zu mehr in der Lage gewesen wären.
Auch die personellen Wechsel in der Startelf hatten keinen nennenswerten Effekt. Sander konnte auf seiner Wunschposition im Mittelfeld nicht überzeugen, Scally blieb als rechter Schienenspieler genauso blass wie später als linker Verteidiger. Bolin suchte die Bindung zum Spiel und zu den Kollegen, die wiederum auch nicht so richtig zu wissen schienen, wie sie den Neuzugang einbinden sollten. Dem Gladbacher Spiel fehlte es insgesamt an Intuition, aber auch an einem Plan, der über „zunächst gut stehen und dann schauen wir mal“ hinausging.
Alarmstufe Rot ist längst erreicht
Der Dreifachwechsel nach einer Stunde und die Umstellung auf Viererkette veränderten zwar etwas, aber nicht so grundlegend, dass sich die vielen Positionsrochaden bezahlt gemacht hätten. Es ist zwar gut, polyvalente Spieler zu haben, die theoretisch mehrere Rollen ausfüllen können. Doch wenn in einer ohnehin verunsicherten Mannschaft gleich mehrere Spieler innerhalb einer Partie ihre Positionen wechseln müssen, ist das nicht gerade förderlich für die Stabilität. Borussia wirkte in der letzten halben Stunde zwar optisch etwas gefälliger, aber einen messbaren Effekt gab es nicht.
Das Bemühen kann man den Borussen gewiss nicht absprechen, und auch nach hinten heraus haben sie alles versucht. Mit etwas Glück wäre Tabaković auch der Ausgleich gelungen, doch das Spielglück ist eben auch eines dieser Dinge, das in Gladbach im Moment fehlt. Die bleierne Hilflosigkeit, die sich über Borussia gelegt hat, ist wirklich schwer zu ertragen. Dies alles kommt zur Unzeit, weil sich die Situation immer mehr zuspitzt. Zwei Punkte beträgt der Abstand zum Relegationsplatz, drei zu einem direkten Abstiegsplatz. Alarmstufe Rot ist längst erreicht.
Polanski hat »weiter das volle Vertrauen«
Dass in diesem Fall auch die Position des Trainers hinterfragt wird, hat nichts damit zu tun, dass die Fehlentwicklung der letzten Jahre und der so unausgewogen zusammengestellte Kader die Wurzel allen Übels sind und Eugen Polanski dafür am allerwenigsten kann. Doch es geht mittlerweile nicht mehr um eine lang- oder mittelfristige Perspektive, sondern schlichtweg um die Existenz. Sollte der Abstieg nicht verhindert werden können, wird Borussia Mönchengladbach einen irreparablen Schaden erleiden. Daher muss der Klassenerhalt oberste Priorität haben, und es muss die Frage gestellt werden, ob dieses Ziel eher mit Polanski oder doch mit einem Feuerwehrmann erreicht werden kann.
Rouven Schröder blockt derartige Diskussionen ab und stärkt Polanski den Rücken. »Er hat weiter das volle Vertrauen«, sagt Schröder. »Wenn wir ihm das nicht zutrauen würden, würden wir handeln. Ich glaube, das ist eine klare Aussage. Wir brauchen jetzt keine Headline: „Der Trainer ist gefordert“. Wir sind alle gefordert – für Borussia.« In den nächsten Tagen soll intern mit Bedacht Klartext gesprochen werden. »Es geht darum, einerseits den Finger in die Wunde zu legen und andererseits, das Vertrauen auszusprechen. Es ist Leistungssport, und nur mit dem Dampfhammer draufzuhauen, ist definitiv keine Lösung.« Doch Lösungen müssen her – sonst wird der Abstieg nicht zu verhindern sein.
von Marc Basten – TORfabrik.de | Foto: Daniela Porcelli – Getty Images









































