VfL Osnabrück
·1. April 2026
Brückenschlag (142): Traumstart in Schweinfurt

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Es war die letzte Zweitliga-Saison der alten Bundesrepublik und gleich am 1. Spieltag bekamen es die Lila-Weißen mit einer Mannschaft zu tun, gegen die sie noch nie gespielt hatten. Der 1. FC Schweinfurt 05, gerade erst aus der Bayernliga aufgestiegen, ermöglichte dem VfL einen perfekten Start, doch am Ende mussten auch die Lila-Weißen um den Klassenerhalt zittern.
Nach 14 langen Jahren in der drittklassigen Bayern- und viertklassigen Landesliga waren die Schweinfurter im Mai 1990 wieder im Fußball-Unterhaus angekommen. Allerdings fehlten ihnen nun mehrere Leistungsträger und Erfolgstrainer Werner Lorant, den es zu Viktoria Aschaffenburg zog, musste ebenfalls ersetzt werden. An seiner Stelle verpflichteten die Unterfranken den erst 29-jährigen Elmar Wienecke, der als jüngster deutscher Profitrainer für Schlagzeilen sorgte.
Auch die Osnabrücker vertrauten einem Vertreter der jungen Generation. Auf Rolf Schafstall und Interimstrainer Friedel Hoppe folgte der 37-jährige Roland Koch, der beim VfL einen Einstand nach Maß feierte. Am 28. Juli 1990 dauerte es im brütend heißen Willy-Sachs-Stadion nämlich nur sechs Minuten, bis eine Flanke von Dirk Gellrich in den Schweinfurter Strafraum segelte und dort in Neuzugang Carsten Marquardt (vorher Schalke 04) einen dankbaren Abnehmer fand.
Bei hochsommerlichen Temperaturen spielte die frühe Führung den Gästen in die Karten. Aus der gut organisierten Abwehr um Keeper Wolfgang Kellner und Libero Dirk Lellek entwickelte der VfL ein souveränes Spiel, ließ kaum gegnerische Chancen zu und erhöhte nach der Pause noch auf 2:0 und 3:0: In der 64. Minute traf Ansgar Brinkmann nach einer sehenswerten Einzelaktion, 12 Minuten später sorgte Claus-Dieter „Pele“ Wollitz mit einem überlegten Schuss ins lange Eck für die endgültige Entscheidung.
Seit zehn Jahren war der VfL nicht mehr mit einem Sieg in die Zweitliga-Saison gestartet, entsprechend begeistert wurde der Erfolg beim Aufsteiger gefeiert. Doch die Freude währte nicht lang. Den Lila-Weißen gelang noch ein Pokalsieg bei Viktoria Köln (s. Brückenschlag 139), aber dann folgten vier Niederlagen gegen Duisburg, Mannheim, Schalke und die Stuttgarter Kickers. Nach nur drei Monaten wurde Roland Koch durch Rolf Grünther ersetzt, erst am letzten Spieltag gelang der Mannschaft nach einem 5:1-Erfolg in Havelse der Klassenerhalt.
Schweinfurt traf es freilich noch ungleich härter. Schnell stellte sich heraus, dass die „Schnüdel“ den personellen und organisatorischen Herausforderungen der 2. Bundesliga nicht gewachsen waren. Erst am 24. Spieltag gelang den Unterfranken der erste Saisonsieg (3:1 gegen Mannheim), dem am 36. nur noch ein weiterer folgte (2:1 gegen Saarbrücken). 27 von 38 Partien gingen verloren – auch das Rückspiel an der Bremer Brücke, das die Lila-Weißen durch Treffer von Uwe Jursch und Uwe Igler mit 2:0 für sich entschieden. Mit weitem Punkteabstand und einem Torverhältnis von 26:95 ging es für Schweinfurt zurück in die Bayernliga. Auch beim nächsten und bis heute letzten Anlauf in der Saison 2001/02 wurde der Klassenerhalt deutlich verpasst.
Elmar Wienecke, dem jungen Trainer, der beim ersten Duell zwischen Schweinfurt und Osnabrück auf der Bank der Unterfranken saß, stand noch eine große Karriere bevor. Zwar wurde er nach dem 5. Spieltag entlassen und beendete seine Trainerarbeit im Alter von nur 33 Jahren. Doch anschließend wurde der promovierte Diplomsportlehrer und spätere Honorarprofessor ein renommierter Sportwissenschaftler und Ernährungsexperte. Der Gesundheitsmediziner gilt als Pionier der Mikronährstofftherapie und wurde für seine innovativen wissenschaftlichen Arbeiten mehrfach ausgezeichnet.
Text: Thorsten Stegemann
Bildausschnitt „Neue Osnabrücker Zeitung“ vom 30. Juli 1990, Foto: Sven Lampe
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