FC Bayern München
·27. April 2026
„Bulle“ Roth im Interview zum 80. Geburtstag

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·27. April 2026

Franz „Bulle“ Roth schoss in drei Europacup-Finals des FC Bayern entscheidende Tore – ohne ihn sähe die Geschichte des Rekordmeisters heute anders aus. Am 27. April wird der Mann für die wichtigen Treffer 80. Hier spricht er über seine Freundschaft zu Franz Beckenbauer und Gerd Müller, seine Bewunderung für Harry Kane und Vincent Kompany – und über sein Erfolgsgeheimnis: vor dem Spiel ein Stück Erdbeer-Sahne-Torte.
Herr Roth, wenige Wochen vor Ihrem 80. Geburtstag waren Sie bei einem Spiel der FC Bayern Amateure im Grünwalder Stadion, Ihrer alten Wirkungsstätte. Wie war das? „Es ist fast nicht zu glauben: Ich war das erste Mal dort, seit unsere Mannschaft 1972 ins Olympiastadion umgezogen ist. Vieles ist neu, unsere Kabinen wurden komplett umgebaut – bei uns war da nichts mit Komfort: Da wurden die Koffer reingestellt – mit Trikots, Hosen, Schuhe – und jeder musste sich alles selbst zusammensuchen. Ich weiß noch, wie wir einmal im tiefsten Winter Strumpfhosen anziehen wollten, weil der Platz vereist war. Da sagte unser Manager Robert Schwan nur: ‚Gibt’s nicht.‘ Thema erledigt (lacht).“
Was kam Ihnen sonst so ins Gedächtnis? „Die Stimmung war unglaublich. Bei uns war die Tribüne eine Stehhalle – eine tolle Atmosphäre. Damals kostete eine Eintrittskarte zwei oder drei Mark. Ich erinnere mich, wie ich das erste Mal zur Säbener Straße gefahren bin. Die Strecke führte den Giesinger Berg hoch, am Stadion vorbei, ich dachte: Da könnte ich vielleicht einmal spielen. Als Amateur weißt du ja nicht, ob du es wirklich schaffst. Diese Erinnerungen, dieses Gefühl werden ewig bleiben.“
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Stimmt es, dass Sie mal die Anzeigetafel kaputtgeschossen haben? „Ja, die ging ordentlich zu Bruch. Ich wollte aufs Tor schießen, von weit weg, da musste ich Druck auf den Ball geben. Ich hatte einfach zu viel Kraft (lacht). Ich kam damals aus der Bayernliga zu Bayern. Das erste Spiel ging gegen Eintracht Frankfurt 1:2 verloren. Im zweiten Spiel in Düsseldorf kam ich in die Mannschaft – und ab da war ich Stammspieler.“
Und Sie wurden an der Seite von Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier eine Legende des FC Bayern. „Wir waren eine verschworene Gemeinschaft, haben alles zusammen gemacht, auch neben dem Platz. Mit Gerd war ich oft im Kino, er liebte Western-Filme. Bei ‚Für eine Handvoll Dollar‘ sind wir sogar sitzen geblieben und haben den Film zweimal hintereinander angeschaut. Gerd hat das geliebt, und da sagte ich: ‚Na gut, bleibe ich halt auch noch!‘ Ich bin dem FC Bayern ungemein dankbar für alles, was ich erleben durfte. ‚Legende‘ ist mir ein bisschen zu großer Begriff – für mich war es einfach immer etwas Besonderes, diese Farben zu tragen.“
Für Franz und Gerd wurden vor der Allianz Arena Statuen errichtet. Was würden Sie den beiden heute gern sagen? „(Stimme stockt) Dass wir eine wunderbare Zeit hatten. Dass ich so überaus glücklich bin, dass wir Freunde geworden sind. Dass sie einmalige Menschen waren, etwas ganz Besonderes.
Sie selber haben in drei Europapokal-Finalspielen jeweils entscheidende Tore erzielt. Welches ist Ihnen das wichtigste? „Das wichtigste Tor war das 1:0 im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger gegen Glasgow Rangers in Nürnberg. Das war der Durchbruch, da war der FC Bayern zum ersten Mal auch international in aller Munde. Erst zwei Jahre vorher waren wir in die Bundesliga aufgestiegen, wir waren eine blutjunge Mannschaft, klarer Außenseiter, haben uns aber durchgesetzt. Von da an ging es Jahr für Jahr bergauf.“
Es gibt dieses berühmte Bild von Ihnen im Bett mit dem Pokal auf dem Nachtkästchen … „Eigentlich durfte man den Pokal gar nicht nehmen. Ich wollte damals auch unbedingt den Spielball, der stand aber dem Schiedsrichter zu. Schwan ging mit mir in seine Kabine, und er hat ihn mir überlassen. Ich habe alle unterschreiben lassen, leider sind die Unterschriften mit der Zeit verschwunden. Der Ball ist im FC Bayern Museum zu sehen.“
Sie sind regelmäßig in der Allianz Arena. Was sagen Sie zum FC Bayern heute, 2026 – 50 Jahre nach Ihrem dritten Europapokalsieg in Serie? „Es gibt immer verschiedene Epochen, aber der FC Bayern ist über Jahrzehnte hinweg konstant erfolgreich. Seit ich dabei bin – das ist jetzt seit fast 60 Jahren –, spielt der Verein im Weltfußball vorne mit. Die Fans können so stolz sein. Das liegt daran, dass der Verein herausragend geführt wird. Dass Uli Hoeneß 1979 Manager wurde, war der größte Glücksfall. Der FC Bayern ist Uli Hoeneß – und Uli Hoeneß ist der FC Bayern. Mehr muss man dazu nicht sagen. Auch Franz Beckenbauer oder Karl-Heinz Rummenigge haben nach ihrer Karriere hier Großartiges geleistet.
Wer imponiert Ihnen in der aktuellen Mannschaft besonders? „Harry Kane ist ein Phänomen, ein Ausnahmefußballer. Er kann verteidigen, Tore schießen, er kann alles. Zudem ist er Kapitän von England und stellt sich trotzdem nicht in den Vordergrund. Auch deshalb ist er so erfolgreich. Aber man muss sie alle nennen: Michael Olise, Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Manuel Neuer – du kannst alle aufzählen. Und Vincent Kompany ist aktuell für mich der beste Trainer in ganz Europa. Das geht über das Spielfeld und die Kabine hinaus: diese Ruhe, diese Ausstrahlung. Er hat alles im Griff.“
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Wie sehen Sie Kimmich und Aleks Pavlović auf Ihrer früheren Position? „Beide sind überragend. Sie geben den Rhythmus an. Beide ergänzen sich, beide passen zusammen. Ich wüsste da in ganz Europa nicht viel Besseres. Sie sind beide absolute Profis.“
Sie selber hatten früher ein süßes Geheimnis für Ihre Kraft … „Ich kam von einem Bauernhof und war daher immer als Erster in der Mannschaft wach. An Spieltagen brauchte ich vor der Abfahrt zum Spiel noch einmal eine Stärkung. Also hatte ich eine heimliche Vereinbarung mit dem Hotelpersonal – in einer Ecke in der Küche stand immer ein Teller Erdbeer-Sahne-Torte. Irgendwann erwischte mich Schwan: ‚Was machst du denn da?‘ Erst war er fassungslos, dann sagte er: ‚Iss weiter, wenn du das brauchst.‘
Was wünschen Sie dem FC Bayern für die Zukunft? „Ich habe keine Bedenken, dass der FC Bayern auch in 20, 30 Jahren weiter ganz oben im Weltfußball mitspielt. Hier wird immer vorausgedacht. Der Grundgedanke des FC Bayern ist Erfolg. Und das wird nie verloren gehen. Wir haben uns immer gesagt: ‚Uns zieht keiner die Lederhosen aus.‘ Der FC Bayern kann nicht untergehen. Das gibt es nicht. ‚Mia san mia‘ – das muss bleiben.“
Wir blicken auf die Halfinals des FC Bayern in der Champions League zurück:









































