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·17. August 2026
Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau | 1. FSV Mainz 05

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·17. August 2026

Wir erreichen offiziell einen bedeutenden Meilenstein in der nächsten Ausgabe unserer taktischen Bundesliga-2026/27-Vorschauen von Get German Football News. Mit dem FSV Mainz 05 haben wir nun ein Drittel des Feldes abgedeckt. Und zu diesem Anlass hätten wir uns ehrlich gesagt kaum einen interessanteren Klub aussuchen können. Im Laufe des Sommers sind die Mainzer zu den Lieblingen der deutschen Fußballpresse geworden. Alle loben die hervorragende Arbeit von Urs Fischer, der dieser Mannschaft in der vergangenen Saison beim Klassenerhalt geholfen hat. Die Transferklasse des Sommers 2026 steht in vielen deutschen Fußballpublikationen ganz oben, wenn es um die Bewertung der Arbeit zwischen den Spielzeiten geht. Auf dem Papier und in der gesamten Vorbereitung scheint alles perfekt zu sein.
Wird am Ende auch alles zusammenpassen, sobald der ernsthafte Wettbewerbsfußball beginnt? Genau diese spannende Frage hat diesen Autor unverhältnismäßig viel Zeit und viel zu viele Gedanken gekostet. Wie wir unten sehen werden, ist der ganze Hype um dieses Team größtenteils verdient. Man sollte allerdings im Hinterkopf behalten, dass wir hier nur über inoffizielle Spiele sprechen. Fischer hat dennoch einen verdammt guten Job gemacht. Bo Henriksen und sein mitreißender „Rumpelstilzchen-Tanz“ mögen leider weg sein. Fischer beweist trotzdem einmal mehr, dass er tatsächlich Stroh zu Gold spinnen kann. Der „Karnevalsverein“ hat eine schillernde Persönlichkeit verloren, seine Identität aber behalten.
Am meisten überrascht bei dieser Mannschaft, dass Fischers Fußball nicht derselbe zermürbende Low-Block-Müll ist, den man noch aus seinen Union-Tagen kennt. Als dieses Projekt begann, erwartete man eher eine Mannschaft, die darauf ausgelegt ist, Druck aufzunehmen statt selbst zu erzeugen. Das Mainz, das wir am Ende der vergangenen Saison gesehen haben, legte sicherlich den Fokus darauf, defensive Fehler zu minimieren und es mit Klarheit und Rhythmus simpel zu halten. Aus der Dreierkette wurde eine Fünferkette. Mitunter glaubte man sogar, eine echte Siebenerkette zu erkennen.
Und was haben wir hier? Eine ziemlich unerwartete Entdeckung. Fischers neues Team scheint keinerlei Interesse daran zu haben, sprichwörtlich den Bus zu parken. Ein neues Gefühl für achsenspezifische Disziplin ist klar erkennbar, aber dieses Team macht trotzdem ständig Defensivfehler. Es scheut kein Risiko und kann schlicht Spaß machen. Man findet hier echte Freude an einem völlig unerwarteten Ort. Etwas, das quälend und schrecklich langweilig sein sollte, kostet einen am Ende das halbe Wochenende.
Das „neue Mainz“ hinterlässt das Gefühl, man sehe eine knochenharte Sportart wie American Football – nur ohne die wahnsinnig nervigen TV-Auszeiten. Es ist, als würde man auf deutschen Karneval gehen und plötzlich feststellen, dass manche Deutschen tatsächlich minimale Tanzstandards erfüllen. Der Geist von Rumpelstilzchen lebt vielleicht nicht in Fischers Auftreten weiter, doch die Mannschaft tanzt mit der Energie und Lebendigkeit von zehn kleinen „Henriksen-Klonen“ über den Platz. Vielleicht hat der gefallene Däne am Ende doch etwas Wichtiges hinterlassen.
Oder vielleicht hat dieser Klub einfach eine großartige Führung an der Seitenlinie.
Geschätzte Transferbilanz im Sommer = +1,2 Mio. Euro
Unser erster analytischer Abschnitt muss mit einem Vorgang beginnen, der nichts mit Ab- oder Zugängen von Spielern zu tun hat. Nadiem Amiris Entscheidung zu bleiben ist eine kolossale Nachricht. Wow. Damit haben nur die wenigsten gerechnet. Sport-Geschäftsführer Christian Heidel und Sportdirektor Niko Bungert ist da ein kleines Wunder gelungen. Amiri selbst schien nur 48 Stunden vor seiner emotionalen Ankündigung vor den Fans bei einer Vereinsveranstaltung noch fest entschlossen zu sein, zu grüneren Weiden weiterzuziehen. Beim Thema großer Coups setzte das FSV-Verwaltungsteam dem monumentalen Sommer mit dem fest verpflichteten Stefan Posch noch die Krone auf. Heidel und Bungert sind wie kleine Halbgötter. Falls sie diesen Sommer etwas falsch gemacht haben, muss es dem Autor entgangen sein.
Mainz weist einen Transferüberschuss auf, weil einige vielversprechende Talente – Verteidiger Nikolas Veratschnig und Stürmer Ben Bobzien – zusammen für 4,5 Mio. Euro verkauft wurden. Der totale Flop Arnaud Nordin brachte vom Stade Rennes 2,2 Mio. Euro ein, und der gut ausgehandelte Leihdeal von Tom Krauß mit Köln ließ weitere 3,5 Mio. Euro in die FSV-Kassen fließen. Der große Posch-Transfer wäre ohne den Überschuss aus solchen Verkäufen nicht möglich gewesen. Heidel und Bungert verstärkten die Defensive zusätzlich mit dem anderen großen Sommerzugang, der Verpflichtung von Innenverteidiger Fabio Gruber aus Nürnberg für 3,5 Mio. Euro.
Ansonsten waren die Summen für die festen Verpflichtungen von Silas (nachverhandelt nach der Saison) und Sheraldo Becker (Kaufoption im mittleren sechsstelligen Bereich) kaum der Rede wert. Die beiden haben ihren Wert längst über ihr in Gold gesponnenes Stroh hinaus bewiesen. Beide Angreifer scheinen jeweils rund 500.000 Euro gekostet zu haben. Der japanische Mittelfeldspieler Sota Kawasaki, also der „nicht ganz“ Kaishu-Sano-Ersatz, soll rund 1 Mio. Euro gekostet haben. Wieder nur Kleingeld auf dem großen Budgetbrett. Und es ist stark zu bezweifeln, dass der neue Ersatzkeeper Alexander Schwolow viel gekostet hat.
Die beiden ablösefreien Neuzugänge? Eric Martel (als möglicher Sano-Ersatz) und Ransford Königsdörffer (man glaubt es kaum) sind im Grunde perfekte Ergänzungen. Zweifel am Letzteren? Vollkommen verständlich. Lesen Sie einfach weiter, wenn Sie sehen möchten, welche weiteren Wunder in der Vorbereitung noch passiert sind. In der „Bizarro-Welt“, die der aktuelle Zustand dieses Klubs ist, steht alles Kopf. Urs Fischer fasziniert. Deutsche können offenbar ein bisschen tanzen. Massenhysterie herrscht.
Wir kommen nicht darum herum, bei den Testspielen hier etwas tiefer einzusteigen. Der Autor ist bei der Frage, ob dieses Team wirklich echt ist, genauso unersättlich neugierig wie alle anderen. Was machen wir aus dieser Serie? Greifen die Nullfünfer nach einem kurzen einjährigen Intermezzo erneut Europa an? Die Ergebnisse verdienen einen genaueren Blick. Deshalb begleiten wir gern die komplette Reise von Pfeddersheim bis Bournemouth – demselben Bournemouth, das Augsburg in einem anderen Testspiel eine Ohrfeige verpasst hat. Tauchen wir ein!
Die Mainzer Profis nahmen ihre Arbeit früher auf als alle anderen Bundesliga-Spieler. Das erste Aufwärmspiel fand am 4. Juli statt. Königsdörffer, Philipp Tietz, William Bøving und Anthony Caci erzielten schöne Tore beim 11:0-Kantersieg gegen TSG Pfeddersheim. Auch Eric Martel schnürte einen Doppelpack. Danach folgte ein weiteres lockeres Testspiel gegen Sportfreunde Eisbachtal, in dem Tietz und Königsdörffer erneut trafen. Der inzwischen verliehene Nelson Weiper erzielte einen Hattrick. Bøving sammelte zwei wichtige Assists und bereitete Königsdörffers 4:0 sowie Tietz’ 5:0 kurz vor der Pause vor. Eine insgesamt spektakuläre Leistung führte zu einem 10:0-Sieg.
Noch ziemlich bedeutungsloses Zeug.
Dann wurde es ernster. Mit schwerstem Herzen muss der Autor berichten, dass die Mainzer seinen geliebten 1. FC Kaiserslautern am 17. Juli in einem Testspiel am alten Bruchweg komplett zerlegt haben. Fischers altes 3-3-2-2 – bekannt aus Union-Zeiten – überrollte den FCK beim 4:1. Die Pfälzer entgingen gegen ihren Rivalen aus der Pfalz sogar noch Schlimmerem. Tietz und Sheraldo Becker entschieden die Partie mit zwei Treffern in den ersten zehn Minuten praktisch sofort. Danach legte Paul Nebel per Elfmeter nach. Sogar Marco Richter trug sich später noch zum 4:1 ein. Auweia!
Das Spiel gegen Lautern zeigte, dass Fischers Truppe keinerlei Angst hatte, eine Testpartie wie ein Pflichtspiel zu behandeln. Nach dem Blitzstart, der die Begegnung weitgehend wertlos machte, ließ der FSV-Trainer seine bevorzugte Elf bis kurz nach der Stundenmarke auf dem Platz. Auch gegen Holstein Kiel im nächsten Test ließ die Mannschaft nicht nach. Direkt dort weitermachend, wo sie aufgehört hatte, verwandelten die Mainzer aggressive Ballgewinne erneut sofort in vertikale Angriffe. Phillip Tietz sah Kiels Keeper Lio Rothenhagen weit vor seinem Tor stehen und bestrafte ihn aus ungefähr 40 Metern mit dem Führungstor.
Rael Nakuzola gewann dann weit links vorne den Ball, bevor Ransford Königsdörffer den anschließenden Umschaltmoment zum 2:0 ruhig abschloss. Fischer begann nach der ersten von zwei 50-Minuten-Hälften kräftig zu wechseln, doch die Grundstruktur blieb bestehen. William Bøving sorgte schließlich für den schönsten Abschluss des Nachmittags, als er den Ball zum 3:0 gefühlvoll über den Keeper hob. Selbst Marco Richter – ja, schon wieder der blutende Marco Richter! – wurde später noch ein weiteres Tor aberkannt.
Vier Tests, vier Siege.
Jetzt wurde es interessant.
Der fünfte Sieg brachte den hässlichen Fischer-Fußball, auf den wir gewartet hatten. Shabab Al-Ahli schaffte es in Kufstein weitgehend, Mainz in eine unschöne, ereignisarme Partie hineinzuziehen. Noch schlimmer: Eric Martel verdrehte sich beim Blocken eines frühen Schusses das Knie und musste vom Platz. Mainz tat sich danach schwer, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, überließ dem Gegner viel Ballbesitz und mehrere der besseren Chancen. Robin Zentner hielt die Partie zunächst torlos, ehe Andreas Hanche-Olsen in der 71. Minute nach einer Ecke von Paul Nebel doch noch per Kopf traf. Das 1:0 hielt die perfekte Bilanz trotzdem intakt.
Gegen Udinese stellte Fischer fast eine komplett andere Mannschaft auf. Kaishu Sano, Nadiem Amiri und Jae-sung Lee kehrten nach ihrer WM-Pause zurück. Alexander Schwolow gab sein Debüt im Tor. Da Tietz am Vortag durchgespielt hatte, bekamen Sheraldo Becker und Königsdörffer vorn gemeinsam die komplette Spielzeit. Königsdörffer legte Becker schon in den ersten vier Minuten auf, bevor die Italiener von einigen schlampigen Mainzer Aktionen profitierten. Schwolow zeigte zunächst mehrere ordentliche Paraden, leistete sich dann aber zwei Patzer, die Udinese die Führung ermöglichten.
Udinese ging schließlich mit einer 3:1-Führung in die Pause. Mainz reagierte sofort. Königsdörffer bediente Becker erneut zum 2:3, bevor er selbst in der 60. Minute den Ausgleich zum 3:3 erzielte. Drei direkte Torbeteiligungen des Ex-HSV-Angreifers retteten das 3:3 und sorgten dafür, dass der erste Makel in der Saisonvorbereitung nicht tatsächlich eine Niederlage war. Das bislang eindrucksvollste Ausrufezeichen folgte dann eine Woche später gegen Paris FC. Der Vorgänger namens „Boring Ball“ war schnell vergessen.
Fischer brachte am Bruchweg etwas auf den Platz, das seiner aktuellen A-Elf sehr nahekam, wobei Amiri und Lee hinter dem Angriff agierten. Fabio Gruber eröffnete den Torreigen nach einer Ecke von Amiri mit einem spektakulären Fallrückzieher. Tietz entschied dann offenbar, dass Tore aus 40 Metern zu einem festen Merkmal seines Sommers werden sollten. Kaishu Sano stibitzte Pierre Lees-Melou den Ball, Tietz blickte hoch, bemerkte den herumirrenden Kevin Trapp und blamierte den ehemaligen deutschen Nationalkeeper prompt aus der Distanz.
Noch wichtiger: Die Qualität brach nicht ein, als Fischer zu rotieren begann. Nakuzola wirkte auf links erneut vollkommen sicher. Königsdörffer verwandelte spät einen Elfmeter, und Kacper Potulski nutzte nach einer Ecke einen weiteren Torwartfehler zum 4:0-Endstand. Selbst nach einer regelrechten Wechsel-Lawine behielt Mainz Form, Pressingintensität und Angriffsgeist bei. Na, was sagt man dazu?
Der letzte Härtetest gegen Bournemouth lieferte dann so etwas wie einen Realitätscheck, ohne die makellose Sommerbilanz wirklich zu verderben. Die Gäste aus der Premier League pressten von Beginn an aggressiv und erstickten Mainzer Versuche, hinten herauszuspielen, regelmäßig im Keim. Auch Fischers hohe Abwehrlinie wirkte anfällig, sobald Bournemouth die erste Pressingwelle erfolgreich überspielt hatte. Die Engländer hätten wahrscheinlich in Führung gehen müssen.
Stattdessen umging Robin Zentner das ganze Problem einfach.
Nach einer abgefangenen Flanke schleuderte der Mainzer Keeper den Ball mit einem großartigen Wurf über mehr als das halbe Feld direkt in den Lauf von Sheraldo Becker. Der Stürmer entwischte der Abwehrlinie und schob in der 14. Minute ruhig zum 1:0 ein. Mainz fand danach besser ins Spiel und erspielte sich noch ein paar weitere Möglichkeiten, doch Bournemouth fand schließlich wieder die Lücken. Evanilson nutzte kurz vor der Pause erneut eine Öffnung hinter der hoch stehenden Abwehr und glich aus.
Das Muster verbesserte sich direkt nach der Halbzeit kaum. Bournemouth blieb immer dann das gefährlichere Team, wenn es das Tempo anzog. Um die Stundenmarke herum tauschte Fischer dann auch die übrigen neun Feldspieler aus. Wieder einmal sah die „zweite Reihe“ überhaupt nicht wie eine solche aus. Nennen wir sie lieber einen „zweiten Stich“.
Statt unter der Last der Wechsel einzubrechen, blieb Mainz konkurrenzfähig und stahl sich am Ende sogar selbst den Sieg. Otto Ruoppi fand William Bøving in der 78. Minute am Strafraumeck, und der Däne vollendete zum 2:1. Bournemouth drängte weiter auf den Ausgleich, und Königsdörffer hätte auf der anderen Seite beinahe noch das 3:1 gemacht. Keines von beidem geschah. Sieben Siege und ein Unentschieden aus acht Vorbereitungsspielen. Nicht schlecht.
Jetzt sind die lockeren Gegner, Experimente und 100-Minuten-Kuriositäten vorbei. Im Pokal wartet der VfB Krieschow. Zeit für das echte Geschäft.
Der zuvor „ungesehene“ Mainzer Angriffshelfer macht seine Präsenz nun ganz sicher deutlich spürbar. Tietz war schon bei der bemerkenswerten Rettung in der Rückrunde enorm wichtig, obwohl die Tore selbst eher selten von ihm kamen. Wer genau hinsah, erkannte die tiefen Bewegungen, die intensiven Läufe, das Binden gegnerischer Verteidiger und die Bereitschaft zur Drecksarbeit, die sein Umfeld besser machten. Dieser Sommer brachte nun auch die auffälligen Dinge. Tietz erzielte in jedem der ersten vier Vorbereitungsspiele von Mainz das erste Tor. Pfeddersheim, Eisbachtal, Kaiserslautern und Kiel kassierten alle den ersten Treffer vom selben Mann. Eine amüsante Erklärung könnte auf dem Rücken seines Trikots stehen. Nach dem Wechsel von der Nummer 20 auf die klassische Stürmer-Nummer 9 gab Tietz offen zu, dass ihm die neue Nummer eine Extraportion Selbstvertrauen gegeben habe, und entschuldigte sich bei allen Mainz-Fans, die schon das alte Trikot gekauft hatten.
Dieses Selbstvertrauen ist eindeutig zu sehen. Tietz’ irrer Versuch gegen Kiel war dafür das klarste Beispiel. Später zog er gegen Paris FC im Grunde denselben Trick noch einmal ab und blamierte Bundesliga-Veteran und Ex-Nationalkeeper Kevin Trapp. Jetzt will er es aber wissen!! Diese Tore springen natürlich ins Auge, sollten aber nicht verdecken, was Tietz für Fischers Angriff unersetzlich macht. Sich in Zweikämpfe werfen, Luftduelle gewinnen, Bälle klatschen lassen und Mitspieler durchstecken, ist genauso wichtig. Genau diesen Spieler hat GGFN im Abstiegskampf der vergangenen Saison hervorgehoben: einen Stürmer, dessen Arbeit beim Einleiten von Angriffen und Kontern durch tiefe Bewegungen leicht aus dem Statistikbogen verschwinden kann. Jetzt spielt sogar die Statistik mit.
Überraschung! Der 24-Jährige hat seinen Namen verkürzt und seine Torbeteiligungen ausgeweitet. Leider brachte es Königsdörffer in der vergangenen Saison nur auf fünf seiner berühmten „Waffel-Partys“. Wenigstens durfte er sich irgendwann in einen „Double Stack“ stürzen. Wie auch immer: Für den gebürtigen Berliner sind in dieser Saison wohl reichlich süße Belohnungen zu erwarten. Fünf Tore in 33 Bundesliga-Einsätzen waren in seiner ersten Bundesliga-Saison nicht gerade sensationell, doch sein Trainer betonte wiederholt, dass Königsdörffers Wert über den Statistikbogen hinausgehe. Seine Läufe, sein Raumgefühl, sein Arbeitseifer und seine Fähigkeit, Gegenspieler zu binden, zählten ebenfalls. Sein Doppelpack im Februar gegen Union zeigte schließlich, was passieren kann, wenn auch der Abschluss funktioniert.
Vielleicht erleben wir jetzt endlich den Durchbruch. Die Vorbereitung spricht jedenfalls klar dafür. Gegen Udinese zeigte der frühere HSV-Angreifer seine kompletteste Leistung des Sommers: zweimal Vorlagen für Sheraldo Becker, dazu selbst das 3:3. Wichtiger als die nackte Zahl ist, auf welche Weise diese Beiträge zustande kamen. Königsdörffer lief hinter die Kette, zog in die Kanäle, presste hoch, schloss Umschaltsituationen ab, kreierte Chancen und sammelte Assists. Der Spieler, der in den Sommer noch wie eine nützliche Ergänzung für die Breite ging, hat sich womöglich bereits in die Diskussion um Fischers bevorzugtes Sturmduo gespielt.
Zeit, das Waffeleisen vorzuheizen.
Die Bundesliga passt tatsächlich besser zu ihm. Becker sagte das kurz nach seiner Wiedervereinigung mit seinem alten Union-Berlin-Trainer im vergangenen Winter. Alles, was wir seitdem gesehen haben, deutet darauf hin, dass zwischen den beiden aus Union-Zeiten noch reichlich Leben steckt. Fischer wusste schon immer genau, wie er mit dem absurden Tempo des Amsterdamers, seinen direkten Läufen und seiner Bereitschaft, Räume anzugreifen, umgehen muss. In diesem Sommer traf Becker früh gegen Kaiserslautern und legte dann mit dem Doppelpack gegen Udinese seinen produktivsten Auftritt hin.
Der abschließende Test gegen Bournemouth zeigte noch klarer, warum Becker für diese Mainzer Version so wertvoll bleibt. Robin Zentner spielte den Ball einfach über das Pressing des Premier-League-Klubs hinweg in den freien Raum, Becker verbrannte sofort die Abwehrlinie, und der Stürmer vollendete eiskalt zum 1:0. Die Tore gegen Lautern, Udinese und Bournemouth machen Lust auf mehr. Noch besser: Seine Fähigkeit, hinter Tietz zu starten, gibt Fischer genau das ergänzende Profil, das der große Zielspieler braucht. Die Bundesliga mag Becker besser liegen. Urs Fischers Bundesliga passt offenbar am besten zu ihm.
Meine Güte, wie viele Angreifer passen hier eigentlich rein? Die wichtigere Frage: Wer zum Teufel ist dieser Junge? Mainz’ Akademie in Côte d’Ivoire? Mainz hat eine Akademie in Côte d’Ivoire?! Ja, tatsächlich. Haidara kommt über die Akademie in Jacqueville, die vom früheren Mainzer Stürmer Aristide Bancé gegründet wurde. Fischer warf den Teenager schnell zu den Profis, und fast hätte er zweimal getroffen. Der gerade erst 18 Jahre alt gewordene Spieler scheint in seiner Entwicklung deutlich weiter zu sein als erwartet. Wann wir das nächste Mal von ihm hören, ist unklar, aber der Autor möchte festhalten, welchen Eindruck er hier hinterlassen hat.
Immerhin sind wir jetzt im Mittelfeld angekommen! Vom kompletten und völligen Flop unter einem dänischen Trainer zur Überraschungsfigur unter jemandem, zu dem vorher keinerlei Verbindung bestand. Bøving wirkte in seiner ersten Saison in Mainz wie ein klarer Fehleinkauf: 223 Bundesliga-Minuten, zwei Startelfeinsätze, sieben Einwechslungen und nur eine Vorlage im Ligabetrieb. Diese Vorbereitung war komplett anders. Bøving lieferte beim frühen Kantersieg gegen Eisbachtal zwei Assists und erzielte dann gegen Kiel eines der schönsten Mainzer Tore des Sommers – mit cleverem Laufweg, starkem ersten Kontakt und gefühlvollem Lupfer über den Keeper.
Danach blieb er produktiv und verwertete schließlich Otto Ruoppis Pass zum Siegtreffer gegen Bournemouth, nachdem Fischer fast die komplette Bank gebracht hatte. Die Athletikdaten erklären einen Teil des Aufschwungs: Bøving besitzt beeindruckendes Tempo und soll das Trainerteam in den Sommer-Leistungstests wirklich beeindruckt haben. Zum ersten Mal seit seiner Ankunft hat sich der Spieler gezeigt, von dem Mainz dachte, ihn verpflichtet zu haben. Da ist er also. Umso ärgerlicher, dass dieser Autor ihn im taktischen Puzzle einfach nicht dauerhaft unterbringen kann.
Erinnern Sie sich an diesen Jungen? Er kam tatsächlich schon im vergangenen Winter am Deadline Day technisch gesehen nach Mainz, wurde aber sofort an seinen finnischen Stammklub zurückverliehen. Die Aktenlage spricht für sich. Jetzt ist er für ein dauerhaftes Vorspielen in der Bundesliga zurück. Ruoppi verlor in diesem Sommer keine Zeit und erzielte beim 11:0 gegen Pfeddersheim direkt sein erstes Mainzer Tor. Die aussagekräftigeren Hinweise kamen später. Ruoppi sammelte weiter Minuten, obwohl die Gegner stärker wurden, und legte schließlich William Bøving gegen Bournemouth den Siegtreffer auf. Seine technische Qualität, Mobilität und Fähigkeit, Spielzüge zu verbinden, geben Fischer eine weitere funktionale Option, wenn die erste Einheit rotiert. Das Bundesliga-Vorspielen hat ziemlich gut begonnen.
Kann er „Finnishen“?
Die Vorbereitung deutet darauf hin, dass die Antwort „Ja!“ lauten könnte.
Dieser Unbekannte verdient seinen eigenen Abschnitt. Nakuzola begann den Sommer als kaum mehr als eine U23-Kuriosität und beendete ihn, indem er sich in vielleicht den absurdesten Positionskampf des gesamten Mainzer Kaders spielte. Fischer vertraute dem Youngster früh neben etablierten Profis und gab ihm mit stärker werdender Konkurrenz weiter ernsthafte Minuten. Gegen Kiel führte Nakuzolas aggressiver Ballgewinn weit links direkt zum 2:0 durch Königsdörffer; gegen Paris FC wirkte er nach seiner Einwechslung in eine stark rotierte Mannschaft erneut völlig sicher.
Das heißt nicht, dass er plötzlich an Andreas Hanche-Olsen vorbeigezogen ist, der topfit zurückkehrte und den Sommer kämpferisch nutzte, um wieder Boden gutzumachen, oder an Kacper Potulski, einem 18-jährigen polnischen Nationalspieler mit bereits vorhandener Bundesliga- und Europa-Erfahrung. Genau das macht Nakuzolas Trainingslager so beeindruckend. Rechnet man dann noch Fabio Gruber, Kohr, da Costa, Bell und nun den wohl defensiven Anführer Stefan Posch in dieselbe Dreier-Positionsschlange hinein, wird das Ganze fast absurd. Nakuzola hat keinen Stammplatz gewonnen. Er hat etwas fast genauso Schwieriges geschafft: Es unmöglich gemacht, ihn aus der Diskussion auszuklammern.
Wird überhaupt noch Platz für ihn da sein, wenn er von seiner Verletzung zurückkommt? Man fragt sich ernsthaft, ob Hollerbach oder Nelson Weiper bei diesem Klub überhaupt noch eine Zukunft haben. Die beiden etwas prominenteren deutschen Namen, die in der vergangenen Saison eigentlich das Gesicht dieses Angriffs bilden sollten, könnten die Farben des Karnevalsvereins womöglich nie wieder tragen. Hollerbachs Achillessehnenriss macht jede Bewertung seines eigenen Sommers natürlich extrem unfair. Seinen Platz hat Hollerbach nicht wegen schwacher Leistungen verloren. Die Hierarchie hat sich einfach weiterentwickelt, während er stillstand. Und er ist nicht der einzige bekannte Name, der nun auf eine deutlich veränderte Ordnung blickt.
Paul Nebel traf gegen Kaiserslautern und ist offensichtlich viel zu talentiert, um aus der Rechnung zu verschwinden, aber selbst der deutsche U21-Nationalspieler wirkt nicht mehr sicher gesetzt auf einer der beiden Offensivpositionen hinter Fischers Stürmern. Jetzt ist Amiri geblieben, Lee genießt weiter Vertrauen, Bøving hat eine starke Vorbereitung gespielt, und die schiere Zahl an brauchbaren Sturmkombinationen erhöht den Druck weiter vorne noch mehr. Nebel hatte keine schlechte Vorbereitung. Er scheint nur vom automatischen Herzstück zu jemandem geworden zu sein, der um jeden Startelfeinsatz kämpfen muss und bei auslaufendem Vertrag vielleicht lieber gehen würde.
Dann ist da noch Silas. Mainz stand ihm nach dem schrecklichen Schien- und Wadenbeinbruch vorbildlich bei und verschaffte ihm einen neuen Vertrag, statt den kongolesischen Angreifer in der Reha hängen zu lassen. Auch seine Qualität vor der Verletzung steht nicht wirklich infrage. Leider gilt dieselbe gnadenlose Mathematik. Silas verpasste den kompletten Sommer, während Fischer neue Kombinationen entdeckte, die ohne ihn hervorragend funktionierten.
Bis er und Hollerbach wieder voll einsatzfähig sind, könnten Tietz, Königsdörffer, Becker und vielleicht sogar Haidara die Offensivrotation längst über Monate geprägt haben. Bøving und Ruoppi machen die Räume dahinter zusätzlich enger. Irgendwie gibt es in diesem Team fast genauso viele offensive „Verlierer“ wie „Gewinner“. Immerhin war der Autor diesmal vernünftig genug, einen „Sammelabschnitt“ daraus zu machen.
Es gibt zwar nie einen guten Zeitpunkt für eine Verletzung, aber diese schmerzt besonders. Der frühere deutsche U21-Kapitän war gut gestartet. Martel erzielte im Auftakt-Kantersieg gegen Pfeddersheim zwei Tore und schien auf dem besten Weg zu sein, sich im Mittelfeld als wichtigste Alternative zu Sano zu etablieren, bevor er sich beim Blocken eines Schusses gegen Shabab Al-Ahli das Knie verdrehte. Das Timing hätte kaum schlechter sein können. Mainz hat plötzlich Kawasaki in der Eingewöhnung, Ruoppi drängt in die Diskussion, und es gibt genug Möglichkeiten, das Mittelfeld um Amiri, Sano und Lee herum neu zu ordnen. Wenigstens muss er sich keine Sorgen machen, von Lennard Maloney ersetzt zu werden!
Vielleicht ist die Zeit endlich gekommen, dieses inspirierende Kapitel zu schließen. Bell hat im Laufe der Jahre so viele angebliche Nachfolgepläne überlebt, dass es gefährlich bleibt, ihn abzuschreiben, aber diese Kaderhierarchie wirkt selbst nach seinen Maßstäben brutal. Posch kommt als voraussichtlicher Defensivchef, Kohr und da Costa hatten aus der Vorsaison heraus ein starkes Standing, Hanche-Olsen ist fit zurück, Gruber hat echtes Geld gekostet, Potulski braucht Entwicklungsminuten, und irgendwie hat sich auch Nakuzola noch in die Debatte gespielt. Der Mann, den Bo Svensson einst berühmt als „neun Leben“ bezeichnete, hat womöglich tatsächlich die berühmte „Katzenschwelle“ überschritten. Hoffentlich verschwindet er nicht eines Nachmittags in den Wald und kommt nie zurück.
Meh. Konzentrieren wir uns einfach darauf, wie schön es ist, Schwoli wieder zurückzuhaben. Seine eigentliche Bewerbung in der Vorbereitung war grauenhaft, aber wen interessiert das wirklich? Schwolow zeigte gegen Udinese mehrere respektable Paraden, machte aber mit zwei teuren Fehlern vieles davon wieder zunichte, als die Italiener ihre 3:1-Pausenführung herausspielten. Robin Zentners Status stand ohnehin nie ernsthaft zur Debatte, also reden wir hier kaum über eine dramatische Torwartkontroverse. Schwolow kam nach Mainz zurück, um erfahrene Bundesliga-Absicherung zu bieten, nicht um sich das Trikot mit der Nummer 1 zu schnappen. Wenn man in einem derart positiven Sommer aber unbedingt Verlierer finden will, schreibt sich ein Ersatzkeeper, dessen wichtigster Test zwei auffällige Fehler beinhaltete, fast von selbst auf die Liste. Der Autor will nicht einmal noch einen Witz dazu machen.
Jetzt kommt der Punkt, an dem wir alles zusammenführen müssen – etwas, das der Autor den Großteil des Tages bis in den frühen Abend hinein tatsächlich bewusst vermieden hat. Es sind ehrlich gesagt einige knifflige Personalentscheidungen zu treffen. Außerdem lässt sich die ganz am Anfang des Artikels gestellte Frage nicht leicht beantworten. Das neue „Fischerball“ – wie Bournemouth gezeigt hat – kann von Gegnern geknackt werden, die das weiche Zentrum ausnutzen. Langjährige Bundesliga-Reporter wissen, wie schlimm das alte „Fischerball“ werden konnte. Auch diese neue Version kann implodieren.
Fischer bleibt normalerweise seiner Linie treu. Wir gehen also davon aus, dass das 3-3-2-2 bestehen bleibt, und nehmen außerdem an, dass Kaishu Sano ausgeschöpft wird, solange es geht, bevor ein möglicher Verkauf abgeschlossen wird. Damit ergibt sich von der Dreierkette aufwärts eine ziemlich leicht ableitbare Aufstellung. Im Grunde wird erwartet, dass Fischer die besten sieben Spieler aus der Bournemouth-Elf so lässt, wie sie waren. Warum auch nicht? Das System funktioniert. Tietz ist der Bezugspunkt. Becker sorgt für Tiefe. Amiri und Lee besetzen die Halbräume. Caci und Mwene agieren als enge Wingbacks, die sich bei Bedarf improvisiert in den Angriff einschalten können.
Aufstellung – M05 (PROGNOSE)

In der Dreierkette wird es interessanter, wenn nicht sogar so verwirrend, dass ein echter Karnevals-Kater droht. Der Autor tippt nur auf eine Veränderung. Stefan Posch übernimmt für den fehleranfälligen Danny da Costa, während Fabio Gruber nach rechts rückt. Posch kann als vertikaler Vorstoßspieler nach vorn schieben, der auf der Achse an Sano gekoppelt ist, und Mainz so eine weitere Möglichkeit geben, das Aufbauspiel durch die Mitte zu strecken. Darüber hinaus verfügt Fischer über fast absurd viele Varianten. Zum Glück sind wir die Defensiv-Warteschlange in diesem Text schon oft genug durchgegangen!
Klar wie Kloßbrühe? Gut. Zumindest die größeren Schlussfolgerungen lassen sich leichter ziehen. Kann dieses Team um die Conference League mitspielen? Absolut. Platz sieben fühlt sich wie die Obergrenze an, falls Sano bleibt. Noch wichtiger: Die Schlagkraft des „zweiten Stiches“ gilt für beide Enden des Feldes. Königsdörffer kann den Angriff verändern, ohne ihn zu schwächen. Bøving und Ruoppi sind gute Rotationsoptionen, dazu vielseitige. Die defensiven Alternativen sind beinahe komisch zahlreich. Das ist nicht nur eine starke Startelf. Nichts von dem, was er verändert hat, hat aufgehört zu funktionieren.
Der Vorbehalt bleibt Bournemouth. Mainz hatte Probleme, wenn ein Gegner den Aufbau erfolgreich anlief, den ersten Druck umspielte und den Raum hinter der hoch stehenden Abwehr attackierte. Bundesliga-Gegner werden das sehen. Die besseren werden es ausnutzen. Deshalb zögert man, das Ganze allein wegen eines ungeschlagenen Sommers schon als „echtes Ding“ auszurufen. Drei oder vier überzeugende Pflichtspielauftritte werden uns deutlich mehr verraten.
Für den Moment?
Der Hype liegt größtenteils richtig.
Lasst uns endlich spielen!
Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt. Die Originalversion auf 🏴 kannst du hier lesen.







































