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·23. August 2026

Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Borussia Dortmund

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Borussia Dortmund

Unsere Serie Get German Football News Bundesliga 2026/27 Tactical Previews kehrt nun nach Westfalen zurück und zu einem Verein, den dieser Autor schon viel zu viele Jahre lang vergeblich zu verstehen versucht. Der Borussia-Dortmund-Abschnitt vom vergangenen Sommer begann mit einem Rückblick auf Sebastian Kehls unglücklichen Hinweis, der BVB verfüge nach mehr als einem Jahrzehnt pflichtgemäßer Platzierungen hinter Bayern über irgendeine Form von „rechtmäßigem Erbe“. Der Autor reagierte darauf, indem er Dortmund als ewigen Zweiten des deutschen Fußballs bezeichnete, die jährliche Titelfrage sofort mit einem „natürlich nicht“ beantwortete und am Ende allen empfahl, ihre Titelhoffnungen bequem bei null zu belassen.

Dem folgte dann natürlich, dass Dortmund Zweiter wurde.


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Hmpf.

Irgendwann erreicht man in diesem Beruf einen Punkt, an dem das Prognostizieren von Borussia Dortmund dem Versuch ähnelt, von Troja nach Hause zu navigieren. Auf der Karte sieht die Route unkompliziert aus. Das Schiff wirkt stabil genug. Alle an Bord haben diese Aufgabe schon einmal erledigt. Dann öffnet irgendein Idiot einen Sack voller Wind, jemand anderes hört Gesang von einer verdächtigen Insel, die Innenverteidiger verlieren bei einer Ecke einen Zyklopen aus den Augen und – bevor irgendwer genau versteht, was passiert ist – treiben wir alle im Mittelmeer herum und fragen uns, warum St. Pauli gerade in der Nachspielzeit ausgeglichen hat.

So ist eben das Dortmund-Erlebnis. Der Autor wünschte wirklich, er könnte hier noch ein paar weitere Anspielungen auf die „Odyssee“ einweben, aber Dortmunds hektisches Ende des Transferfensters machte es ihm buchstäblich unmöglich, irgendwo drei freie Stunden zu finden, um Christopher Nolans neuestes Epos zu sehen. Statt seine griechische Mythologie aufzufrischen, schrieb er endlose Transfertexte über griechische BVB-Neuzugänge. Nachdem ihm eine wohlverdiente Flucht aus dem Alltag so unhöflich genommen wurde, hat der Autor inzwischen das Gefühl, Dortmund schulde ihm tatsächlich etwas. Vierzehn Jahre ohne Bundesliga-Titel kann man verzeihen. Kinotermine absagen zu müssen nicht.

Zumindest bedeutete die vergangene Saison auf dieser Reise echten Fortschritt. Dortmund wurde Vizemeister. Es gab weniger Wochenenden, an denen man zusehen musste, wie der BVB gegen eine Mannschaft Punkte liegen ließ, deren gesamter Jahreslohn ungefähr dem Handschuhbudget von Gregor Kobel entspricht. Zum Glück haben der neue Sportdirektor Nils Ole Book und seine Kollegen für Hilfe gesorgt, indem sie 56 Millionen Euro für zwei Griechen ausgegeben haben. Konstantinos Karetsas kam von Genk. Giannis Konstantelias folgte von PAOK. Joey Veerman stieß ebenfalls von PSV dazu, aber er ist Niederländer und daher für die hier konstruierte literarische Idee weitgehend unbrauchbar. Wir haben eine Odyssee zu schreiben, und die Nederlanders müssen einfach warten, bis sie an der Reihe sind.

Diesmal könnte der Witz allerdings auf Kosten des Autors gehen.

Dortmund wirkt ziemlich gut.


Borussia Dortmund


Wenn man die überdehnte Mythologie-Erzählung kurz beiseitelässt, erzählt Dortmunds tatsächlicher Sommer eine deutlich konkretere Geschichte. Kovač hielt am 3-4-2-1 fest, das den BVB auf Platz zwei getragen hatte, während der Verein das Personal darin aggressiv umbaute: mehr Kreativität hinter Guirassy, mehr Kontrolle im Mittelfeld, mehr Tempo und Jugend in der Abwehr und deutlich weniger Geduld mit mehreren etablierten Namen, deren Entwicklung zu stagnieren begann. Das Ergebnis ist weniger ein Neuaufbau als eine Neukalibrierung – und eine teure noch dazu, was darauf hindeutet, dass Dortmund nicht länger nur hofft, die bestehende Struktur werde sich schon von selbst weiterentwickeln.

Wichtige personelle Veränderungen, Dortmund

Geschätzte Transferbilanz im Sommer = -70 Mio. Euro

Dortmund hat in diesem Sommer 108,5 Mio. Euro ausgegeben, was nach sehr viel Geld klingt, bis man sich erinnert, dass offenbar ungefähr die Hälfte davon dafür verwendet wurde, hinter Serhou Guirassy das antike Griechenland nachzubauen. Konstantinos Karetsas kam für 30 Mio. Euro von Genk. Giannis Konstantelias folgte von PAOK für weitere 26 Mio. Euro. Das griechische Duo bildet das Herzstück eines bedeutenden offensiven Neustarts, bei dem zwei Deutsche in den Wind geschossen wurden. Julian Brandt wechselte ablösefrei zu Ajax und Karim Adeyemi schloss sich für 22 Mio. Euro Barcelona an.

Joey Veermans Wechsel für 22 Mio. Euro von PSV verändert das Mittelfeld dahinter. Der Niederländer gibt Kovač etwas, das seiner Mannschaft in der vergangenen Saison selbst dann gelegentlich fehlte, wenn sonst alles funktionierte: einen ruhigeren Ballverteiler, der den Ballbesitz kontrollieren und vertikale Pässe durch die erste gegnerische Linie spielen kann. Felix Nmecha bleibt die etablierte Box-to-Box-Kraft. Dortmund hat also nicht viel Geld ausgegeben, um Kovačs 3-4-2-1 zu ersetzen, sondern um die Spieler in den zentralen Räumen dieses Systems deutlich besser darin zu machen, mit dem Ball interessante Dinge anzustellen.

Die Investitionen in die Abwehr folgten demselben jugendlichen Muster. Der 19-jährige Joane Gadou kostete 19,5 Mio. Euro und kam aus Salzburg. Der brasilianische Linksverteidiger Kauã Prates wechselte für weitere 7 Mio. Euro von Cruzeiro. Der 18-jährige Ecuadorianer Justin Lerma kostete 4 Mio. Euro. Dahinter rückten Samuele Inácio, Mathis Albert, Enzo dos Santos und Mussa Kaba aus Dortmunds Jugend- oder Reservestruktur auf. Das Durchschnittsalter der Neuzugänge liegt bei fast absurden 19,7 Jahren. Man kann Lars Ricken und Book in diesem Sommer wirklich für ihre gute Arbeit loben, indem sie Spieler geholt haben, die eigentlich noch Hausunterricht brauchen.

Entsprechend haben viele ältere oder ins Stocken geratene Projekte den Verein verlassen. Adeyemi und Brandt stehen dabei an der Spitze, während Julien Duranville für 5 Mio. Euro zu Lyon ging, Cole Campbell für 6 Mio. Euro nach Elversberg wechselte und Kjell Wätjen für 2,5 Mio. Euro zu Midtjylland zog. Yan Couto verließ den Verein auf Leihbasis in Richtung Como, Salih Özcan wechselte zu Beşiktaş und Niklas Süle entschied sich, seine Karriere nun tatsächlich zu beenden. Diant Ramaj und Almugera Kabar wurden erneut verliehen. Insgesamt wirkt der personelle Umbruch wie der Versuch, genau in den Zonen mehr technische Qualität hereinzubringen, in denen Kovačs Fußball gelegentlich zu vorhersehbar wurde.

Die Grundordnung hat also überlebt. Die Besetzung nicht. Dortmund hat netto rund 70 Mio. Euro ausgegeben, um Kovač jüngere Beine, bessere Passgeber und genug offensive Fantasie zu verschaffen, damit eine weitere Saison nicht wieder zu einer verlängerten Übung darin wird, darauf zu warten, dass Guirassy alles löst. Ob Karetsas und Konstantelias am Ende ihrer eigenen Odyssee mit Champions-League-Schätzen zurückkehren, ist ein Problem für später.

Im Moment scheint Ithaka zumindest irgendwo rund um den Signal Iduna Park zu liegen.

Notizen aus der Vorbereitung, Dortmund

Dortmunds Sommer begann mit so vielen Teenagern auf dem Platz, dass das Ganze wie ein echtes Sommerjugendlager wirkte. Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen setzte einer wild zusammengewürfelten XI über weite Strecken der ersten Halbzeit zu, bevor Justin Lerma mit seinem ersten BVB-Tor ein 1:1 zur Pause rettete. Eine komplett umgebaute Mannschaft stellte nach der Pause dann die erwartete Ordnung wieder her. Guirassy traf. Takato Yamamoto legte noch einen nach und Dortmund gewann 3:1. Yamamotos Beitrag erwies sich als besonders unerquicklich für die ursprünglichen Pläne des Klubs. Er war von Gamba Osaka mit Kaufoption ausgeliehen worden und eigentlich für die U23 vorgesehen, doch der 18-Jährige beeindruckte einen Trainer, der offen zugab, kaum zu wissen, wer er überhaupt war.

Fortuna Düsseldorf lieferte das erste brauchbare taktische Material. Dortmund stellte erneut eine jugendlastige Mannschaft auf, doch die bekannte Kovač-Architektur blieb klar erkennbar. Der Aufbau erfolgte aus einer Dreierkette. Yamamoto und Mathis Albert agierten als aggressive Halbstürmer und attackierten die gegnerischen Innenverteidiger. Das hohe Pressing funktionierte ziemlich gut, auch wenn die ebenso hohe Abwehrlinie naturgemäß Konter einlud. Albert traf nach einem langen Ball von Alexander Meyer, Dortmund führte zur Halbzeit. Dann kam das traditionelle Ritual der Vorbereitung, bei dem alle gleichzeitig wechseln und alle bisherigen Erkenntnisse in einen nahegelegenen Recyclingcontainer geworfen werden. Die Ersatzmannschaft presste deutlich weniger aggressiv, erzeugte fast nichts und kassierte beim 1:2 zwei Gegentore.

Die Japan-Reise brachte zunächst mehr Frust als Erkenntnisse. Cerezo Osaka presste Dortmund eine halbe Stunde lang nieder, traf nach einer frühen Ecke und gewann am Ende 1:0. Kovačs 3-4-2-1 blieb intakt, doch das Problem wurde immer offensichtlicher: Dortmund konnte Ballbesitz herstellen, ohne damit viel Interessantes anzufangen. Selbst nachdem ein Achtfachwechsel mehr Kontrolle brachte, fehlte im letzten Drittel auffällig die Präzision. Filippo Mané ging zudem mit Oberschenkelproblemen runter. Die erfreulichere Entwicklung betraf Yamamoto, der erneut begann und Guirassys beste Chance der ersten Halbzeit vorbereitete. Der U23-Spieler, den Kovač zwei Wochen zuvor noch nicht kannte, wurde immer schwerer an den Absender zurückzuschicken.

Mehrere WM-Rückkehrer standen gegen den FC Tokyo wieder zur Verfügung und sorgten sofort für etwas mehr Aufsicht durch Erwachsene. Dortmund wirkte deutlich stabiler und gewann durch Fábio Silva mit 1:0. Das interessantere Experiment fand auf den Flügeln statt. Maximilian Beier arbeitete links, der gelernte Linksfuß Daniel Svensson rechts. Kovač erklärte später die Logik dahinter: Wing-Backs auf dem jeweils anderen Fuß könnten ins Zentrum ziehen, dort Überzahl schaffen und Raum für Verlagerungen öffnen, statt einfach nur die Außenlinie entlang an Außenverteidigern vorbeisprinten zu wollen. Dortmund besitzt nicht viele klassische Wing-Backs, also entschied Kovač, nicht länger so zu tun, als wäre das der Fall. Das Experiment gefiel ihm gut genug, um es als Option für die Zukunft zu bezeichnen.

Dann kam Arsenal. Dortmund reiste ins Emirates und gewann 3:2, obwohl der amtierende englische Meister deutlich mehr Chancen kreierte. Das Ergebnis hätte die Jugendbewegung im Kader kaum offensiver bewerben können. Der 18-jährige Samuele Inácio verwertete Nmechas Steckpass zum 1:0. Der 18-jährige Konstantinos Karetsas schlenzte ein wunderschönes 2:0 vom Strafraumeck ins Tor. Der 19-jährige Joane Gadou legte nach einer Ecke das dritte Tor nach. Arsenal griff viel an. Dortmund erledigte die ziemlich wichtige Aufgabe, den Ball ins Netz zu befördern. Kompaktheit, Intensität und Effizienz haben Kovačs BVB geprägt; das war eine ungewöhnlich wörtliche Demonstration des letzten Punkts.

Die Generalprobe gegen Roma zeigte dann, wie sehr sich das Offensivbild verändert hatte. Dortmund lag irgendwie schon nach neun Minuten 0:2 zurück, bevor Karetsas die Kontrolle übernahm. Seine Hereingabe half beim Anschlusstreffer von Ryerson, sein vertikaler Pass schickte später Inácio auf die Reise und zwei Abschlüsse in der zweiten Halbzeit hätten beinahe den Sieg gebracht. Guirassy glich nach einem Freistoß von Ryerson aus, während Dortmund die Roma anschließend über lange Strecken zurückdrängte. Auch das Wing-Back-Experiment kehrte zurück, diesmal nur in einer anderen Variante: Svensson spielte wieder rechts, Ryerson links. Ihre Zusammenarbeit führte direkt zum ersten Tor. Offenbar kommen Kovačs Wing-Backs inzwischen mit umkehrbaren Anweisungen.

Der Sommer endete also deutlich stimmiger, als er begonnen hatte. Das bestehende taktische System verschwand nie wirklich. Das Pressing blieb aggressiv, Guirassy blieb der Bezugspunkt und Kovač nutzte zunehmend einrückende Wing-Backs, um zentrale Überzahlen zu erzeugen. Verändert hat sich die Qualität innerhalb dieser Struktur. Das frühe Dortmund konnte Spiele kontrollieren und dennoch lange Phasen damit verbringen, vergeblich nach dem Knopf mit der Aufschrift „Erschafft etwas“ zu suchen. Gegen Arsenal und Roma begannen Karetsas, Inácio und der Rest der jungen Offensivfraktion, ihn wiederholt zu drücken.

All das gab uns etwas Schlüssiges, das man testen konnte, sobald der Fußball wichtig wurde.

Gewinner des Trainingslagers, Dortmund

Fábio Silva, MS

Serhou Guirassy bleibt Dortmunds Startstürmer. Lassen wir da jede unnötige Spannung beiseite. Fábio Silva zeigte in der Vorbereitung dennoch genau die Art von Leistungen, die die Position hinter ihm deutlich weniger zeremoniell erscheinen lassen. Er war gegen Oberhausen gefährlich, verpasste es nur um Zentimeter, die Niederlage gegen Cerezo noch zu retten, und erzielte dann gegen den FC Tokyo den Siegtreffer, weil er schneller reagierte als alle um ihn herum. Außerdem bereitete er in diesem Spiel Beiers beste Chance der ersten Halbzeit vor. Jahr zwei scheint deutlich besser zu werden als Jahr eins. Zugegeben, das heißt nicht allzu viel.

Silvas Profil bleibt anders als das von Guirassy. Er bewegt sich mehr, sucht andere Räume und kann nicht die gesamte physische Arbeit des Guineers als Zielspieler reproduzieren. Der Punkt ist: Er muss das auch nicht mehr. Ein Ersatzstürmer wird erheblich nützlicher, wenn der Austausch des Starters nicht bedeutet, ihn eins zu eins kopieren zu müssen. Silva verlässt die Vorbereitung als glaubwürdige Alternative, die den Angriff verändern kann, statt ihn nur aufrechtzuerhalten. Übrigens bekam diese vorab geschriebene These etwas Bestätigung, sobald der Pflichtspiel-Scout begann. Gönnen wir dem Autor eine kurze und seltene Ehrenrunde.

Samuele Inácio, HS/OM

Inácio begann die Vorbereitung als weiteres Mitglied der riesigen Dortmunder Jugenddelegation und machte es nach und nach immer schwerer, ihn wieder nach unten zu schicken. Der 18-Jährige erhielt schließlich ernsthafte Minuten mit immer ernsthafteren Mitspielern. Dann kam Arsenal. Nmecha schickte ihn nach sieben Minuten, und Inácio vollendete mit der offensichtlichen Nervosität eines Spielers, der eine unkomplizierte Trainingsübung abschließt, statt Dortmund im Emirates gegen den englischen Meister in Führung zu bringen.

Er behielt auch in der Generalprobe gegen Roma eine wichtige Rolle, als Gadoùs Balleroberung und Karetsas’ hervorragender Pass ihn durchschickten. Diese Chance ging zwar nicht rein, doch der Eindruck bleibt, was die Deutschen „imponiert“ nennen. Inácio wurde nicht mehr in jugendlastigen Experimentaufstellungen versteckt. Er begann zusammen mit Karetsas und hinter Guirassy gegen Champions-League-Gegner. Die Verpflichtung von Konstantelias macht den Weg brutal konkurrenzintensiv. Trotzdem verlässt Inácio das Camp mit der Gewissheit, dass Kovač sich zumindest merken muss, wo er die Nummer des Jungen hingelegt hat.

Takato Yamamoto, OM/ZM

Ob dieser Youngster in dieser Saison regelmäßige Bundesliga-Minuten bekommt, bleibt diskutabel. Halten wir einfach fest, dass Kovač die Tür zur ersten Mannschaft offenließ und Yamamoto – mit dem besten Fuß voran – wiederholt versuchte, hindurchzugehen. Er begann das Testspiel gegen Düsseldorf als einer von Dortmunds beiden hohen Halbstürmern, startete erneut gegen Cerezo und bereitete Guirassys beste Chance der ersten Halbzeit vor, ehe er gegen Tokyo früh den verletzten Senior-Offensivspieler Chukwuemeka ersetzte. Die wichtigste Entwicklung ist hier weder ein einzelnes Tor noch ein Assist. Yamamoto verwandelte sich von einem eingeplanten U23-Spieler in jemanden, für den Kovač immer wieder Einsätze bei den Profis fand. Genau so sieht ein Gewinner der Vorbereitung aus.

Konstantinos Karetsas, OM

Hier gibt es null Diskussionsbedarf. Dortmund gab 30 Mio. Euro für einen 18-Jährigen aus und sah dann zu, wie er die normale Eingewöhnungszeit behandelte, als wäre sie irgendein putziger Bundesliga-Brauch für andere Leute. Karetsas traf wunderschön gegen Arsenal, begann auch in der Generalprobe gegen Roma und verbrachte anschließend große Teile dieses Spiels damit, die Italiener zu quälen. Karetsas lieferte nicht nur genug Highlights für ein komplettes Vorbereitungsvideo. Kovač vertraute ihm bereits in einem der beiden offensiven Halbräume, sobald die Gegner ernst wurden. Odysseus brauchte zehn Jahre, um anzukommen. Karetsas brauchte ungefähr drei Wochen.

Joane Gadou, IV

Dortmund gab die 19,5 Mio. Euro für Joane Gadou nicht nur aus, damit der 19-Jährige einen hervorragenden Blick auf Waldemar Antons Rücken hat. Der frühere Salzburg-Verteidiger spielte die gesamte Vorbereitung hindurch, kehrte nach einer kurzen Unterbrechung wegen Kreislaufproblemen sofort zurück und startete gegen Arsenal. Dann erzielte er im Emirates auch noch Dortmunds drittes Tor, weil die Teenager-Übernahme des Sommers offenbar aus jeder Positionsgruppe vertreten sein musste. Gadoùs Tempo, Physis und progressives Verteidigen passen bereits gut zur äußeren Rolle in Kovačs Dreierkette. Solange Nico Schlotterbeck nicht verfügbar ist, scheint die Startelf plötzlich deutlich näher als erwartet.

Verlierer des Trainingslagers, Dortmund

Jobe Bellingham, ZM

Bellingham als Verlierer des Trainingslagers zu bezeichnen, braucht etwas Einordnung. Er spielte viel, blieb bei den stärkeren Auswahlen eingebunden und tat nichts, was darauf hindeutet, dass Kovač ihm plötzlich misstraut. Unglücklicherweise für den 20-Jährigen entschied Dortmund spät im Sommer, dass das zentrale Mittelfeld Joey Veerman braucht. Zweiundzwanzig Millionen Euro später scheint der PSV-Regisseur nun sehr wahrscheinlich Felix Nmecha zu begleiten, wann immer Kovač seine beste Mischung aus Progression und Box-to-Box-Power will. Autsch. Vom prognostizierten Bundesliga-Stammspieler zum Kandidaten für die gefürchtete Einstufung als „Rotationsspieler“! Manchmal verliert man das Trainingslager nicht wegen irgendetwas, das auf dem Trainingsplatz passiert, sondern weil der Sportdirektor mit einer Quittung aus den Niederlanden zurückkehrt.

Carney Chukwuemeka, OM/ZM

Eher eine unangenehme als eine besonders verdiente Kategorie. Chukwuemeka kehrte gegen den FC Tokyo aus seiner verkürzten Sommerpause zurück und war sofort an Dortmunds bestem frühen Angriff beteiligt, kombinierte mit Bellingham und setzte dann Silva ein. Leider war kurz zuvor auch sein rechtes Knie in Kontakt mit dem Rasen geraten. Er versuchte weiterzumachen, hielt aber nur bis zur 23. Minute durch. Spätere muskuläre Probleme hielten ihn dann auch aus der Generalprobe gegen Roma heraus. Zeit in der Vorbereitung zu verpassen, ist schon unerquicklich genug. Sie zu verpassen, während Dortmund 56 Mio. Euro für Karetsas und Konstantelias ausgibt und gleichzeitig sieht, wie Inácio, Yamamoto und Albert auf sich aufmerksam machen, ist deutlich schlimmer.

Almugera Kabar, LV/IV

Kabar erhielt in der stark experimentellen Anfangsphase der Vorbereitung Chancen, doch sein Sommer entwickelte sich letztlich in die entgegengesetzte Richtung zu Yamamoto, Inácio und Gadou. Während sich diese Youngster immer näher an Kovačs Pläne für die Profis heranschoben, ging der deutsche Jugendnationalspieler schließlich per Leihe zu NEC Nijmegen. Das könnte sich als genau der richtige Entwicklungsschritt erweisen. Kauã Prates kam dazu, die Optionen in der etablierten Dreierkette und auf den Wing-Back-Positionen blieben dicht besetzt, und Kabars Minuten waren andernorts besser aufgehoben. In einem Sommer, in dem scheinbar jeder Dortmunder Teenager gleichzeitig die Profimannschaft stürmen wollte, würde zwangsläufig irgendwann jemand feststellen, dass nicht genug Stühle da sind.

Taktischer Supercup-Scout, Dortmund

Die gute Nachricht zu Dortmunds erstem Pflichtspiel lautet, dass das „neue“ Dortmund nach Kovačs Vorbereitungsarbeit gut einstudiert und weitgehend stimmig wirkte. Die schlechte Nachricht ist, dass Bayern München den Pokal schon wieder mitnahm. Die 1:2-Niederlage wurde im Verlauf auch deutlich chaotischer, als das Ergebnis vermuten lässt. Ramy Bensebaini machte einen besonders miserablen Abend perfekt, als er in der 90. Minute für sein Foul an Ismael Saibari glatt Rot sah. Die ersten 75 Minuten kann man trotzdem als nützliche taktische Stichprobe betrachten.

Kovač blieb im Supercup seinem 3-4-2-1 treu. Joane Gadoùs starker Sommer brachte ihm sofort einen Startelfeinsatz im Pflichtspiel neben Waldemar Anton und Ramy Bensebaini ein. Felix Nmecha und Jobe Bellingham arbeiteten zentral, während Samuele Inácio und Konstantinos Karetsas die offensiven Halbräume hinter Serhou Guirassy besetzten. Am interessantesten war jedoch, dass Kovač sein Experiment mit Wing-Backs auf dem jeweils anderen Fuß direkt in ein Spiel übertrug, das tatsächlich zählte. Der gelernte Linksfuß Daniel Svensson startete rechts. Julian Ryerson wechselte auf links.

Aufstellung – BVB (Supercup)

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Borussia Dortmund

Etwa 25 Minuten lang gab es genug Versprechen, um das Experiment zu rechtfertigen. Ryerson gewann früh weit vorne den Ball, Karetsas hob einen klugen Ball hinter die Bayern-Kette auf Guirassy und schlug später eine hervorragende diagonale Verlagerung nach links. Der junge Grieche arbeitete auch fleißig nach hinten, um Svensson gegen Luis Díaz zu helfen. Dortmund konnte den Ball durch die Struktur bewegen. Das Problem kam, als Bayern schwierigere Fragen stellte.

Der Titelverteidiger sicherte sich nach und nach den Ballbesitz, beschleunigte durchs Mittelfeld und drängte Dortmund zurück. Die BVB-eigenen Fehler halfen dabei enorm. Bellingham spielte früh einen gefährlichen Querpass direkt in den Lauf von Díaz, und Nmecha wirkte kurz darauf im Mittelfeld unaufmerksam. Keiner der beiden Mittelfeldspieler schaffte es, genug Verbindung zwischen Dortmunds defensiven und offensiven Linien herzustellen. Guirassy erhielt den Ball deshalb weite Teile der ersten Halbzeit mit dem Rücken zum Tor, versuchte direkte Ablagen, während die beiden offensiven Achter zunehmend aus dem Spiel verschwanden.

Bayerns Führung in der 28. Minute legte nicht sofort irgendeinen großen taktischen Defekt offen. Die Szene vor dem zweiten Tor tat es. Dortmund hatte kurz vor der Pause einen eigenen Einwurf. Svensson versuchte, den Ball in Richtung Mittelfeld voranzutreiben, obwohl Kovač später erklärte, dass seine Mannschaft den Ball nach hinten hätte sichern und den Aufbau über die Defensivlinie neu starten sollen. Bellingham verlor dann den Ball, und Michael Olise marschierte durch zum 2:0. Kovačs Ärger danach war aufschlussreich. Dortmund hatte es geschafft, den eigenen Neustart in einen Bayern-Konter zu verwandeln.

Das spricht ziemlich sauber für das Problem der ersten Halbzeit. Die Formation selbst hatte nicht versagt. Dortmund hatte es versäumt, den Ball innerhalb dieser Formation sicher genug zu zirkulieren. An den Flügeln versteckte sich noch ein weiterer nützlicher Hinweis. Svensson hatte von der ungewohnten rechten Seite aus ordentlich verteidigt, bot nach vorne aber wenig an und wirkte bei Dortmunds bester offenen Chance der Halbzeit ehrlich unsicher, mit welchem Fuß er abschließen sollte. Ryerson wiederum bekam auf seiner unnatürlichen linken Seite schließlich Probleme mit Olise. Kovač hatte in der Vorbereitung gezeigt, dass einrückende Wing-Backs funktionieren können. Bayern lieferte die deutlich weniger romantische Erinnerung daran, dass taktische Neuheit die Spieler, die sie umsetzen, trotzdem besser machen muss.

Damit kam die erste bedeutende Veränderung.

Zur Halbzeit kehrte Svensson auf die linke Seite zurück und Ryerson auf die rechte. Noch wichtiger: Giannis Konstantelias ersetzte Inácio im linken offensiven Halbraum.

Aufstellung – BVB (46. Minute)

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Borussia Dortmund

Der Unterschied war sofort da.

Konstantelias nutzte gleich seinen zweiten Ballkontakt als Dortmunder in einem Pflichtspiel, um zwei Bayern-Verteidiger im Dribbling anzulaufen und einen nützlichen Freistoß herauszuholen. Kurz darauf flankte Karetsas auf seinen Landsmann zu einem akrobatischen Versuch. Danach bediente Konstantelias Guirassy im Strafraum, bevor Karetsas Manuel Neuer zu einer hervorragenden Reaktion zwang. Die beiden Griechen kombinierten plötzlich miteinander, statt nur auf entgegengesetzten Seiten derselben Formation zu existieren. Karetsas, der vor der Pause stark abgetaucht war, als Dortmund die Kontrolle verlor, erwachte wieder zum Leben. Konstantelias attackierte wiederholt Verteidiger, band Gegner und schickte Mitspieler in die Räume, die diese Bewegungen öffneten.

Die „Odyssee-Strategie“ wird offenbar deutlich besser, wenn beide Griechen auf dem Boot sitzen dürfen.

Das war nicht nur eine personelle Veränderung. Kovač erklärte später, dass Dortmund nach der Pause bewusst mehr Risiko akzeptierte. Der Ball wurde entschlossener gehalten, aggressiver angegriffen und mehr Spieler wurden nach vorne geschoben. Das 3-4-2-1 blieb bestehen, aber seine Interpretation wurde deutlich weniger konservativ. Diese Unterscheidung ist wichtig. Kovač brauchte keine andere Formation. Er brauchte dieselbe Formation mit mehr Mut und mehr kreativer Qualität.

Kurz nach der Stunde kam die nächste Veränderung. Joey Veerman ersetzte Nmecha im zentralen Mittelfeld, Maximilian Beier ersetzte Karetsas in der offensiven Reihe und Fábio Silva übernahm von Guirassy im Sturmzentrum.

Aufstellung – BVB (63. Minute)

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Borussia Dortmund

Veermans Debüt verlief relativ ruhig, doch die Auswechslung an sich ist für Dortmunds sich entwickelnde Hierarchie wichtig. Bellinghams Verteilung führte zu mehreren gefährlichen Ballverlusten. Veerman scheint der Spieler zu sein, der neben Nmecha für die tiefere Struktur sorgen soll, die Dortmund gegen Bayern fehlte. Silvas Interpretation der Stürmerrolle brachte einen unmittelbareren Kontrast. Guirassy hatte weite Teile der ersten Halbzeit mit dem Rücken zum Tor an Bayerns Abwehrlinie geklebt. Silva ließ sich häufiger fallen, bewegte sich in zusätzliche Räume und war stärker in Kombinationen eingebunden.

Die Belohnung kam in der 75. Minute.

Nachdem Jonathan Tah den Ball verloren hatte, zog Konstantelias vom Flügel nach innen und nahm die defensive Aufmerksamkeit mit sich. Svensson stieß von seiner wiederhergestellten Position als linker Wing-Back außen durch. Der Grieche schickte den Schweden, Svensson legte quer durch den Strafraum und Silva traf. Eine letzte Umstellung folgte, als Marcel Sabitzer Ryerson ersetzte. Beier, der zunächst Karetsas’ Rolle im offensiven Halbraum übernommen hatte, ließ sich anschließend eine Linie tiefer fallen, als Dortmund auf den Ausgleich drängte.

Aufstellung – BVB (74. Minute)

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Borussia Dortmund

Auch das unterstrich Beiers eigenartige Nützlichkeit für Kovač. In der Vorbereitung war er bereits als einrückender Wing-Back und als offensiver Mittelfeldspieler aufgetaucht. Hier wechselte er im selben Pflichtspiel zwischen Offensiv- und Mittelfeldlinie. In der Nachspielzeit hätte er beinahe die ultimative Belohnung geliefert, als Anton andribbelte und ihn frei vor Neuer durchsteckte. Beier setzte den Abschluss über die Latte.

Die 1:2-Niederlage lieferte also einen nützlicheren Scout, als das Ergebnis zunächst vermuten lässt. Gadoùs Probleme in der ersten Halbzeit mit Bayerns Tempo zeigten, dass sein rasanter Aufstieg in der Vorbereitung weiterhin sehr stark ein Entwicklungsprojekt ist. Das Experiment mit einrückenden Wing-Backs schaffte den Sprung von der Vorbereitung in den Wettbewerb, doch Bayern legte auch seine Grenzen offen. Das Mittelfeldduo Nmecha-Bellingham bot zu wenig Sicherheit und Verbindung. Konstantelias machte sich sofort bemerkbar. Silva zeigte eine alternative Interpretation der Neunerrolle.

Kovačs 3-4-2-1 bleibt der Rahmen. Dortmund sucht nicht nach einem anderen System. Man sucht nach den richtigen Kombinationen innerhalb dieses Systems. Gegen Bayern war die erste Version zu vorsichtig, zu fehleranfällig und zu leicht voneinander getrennt. Die zweite wurde schneller, mutiger und deutlich einfallsreicher, sobald Konstantelias kam, die Wing-Backs auf vertrautes Terrain zurückkehrten und Kovač die Risikobremse löste.

Ausnahmsweise könnte Dortmunds Weg nach Ithaka also keine weiteren zehn Jahre auf See erfordern. Vielleicht muss man einfach nur sicherstellen, dass beide Griechen auf dem Boot bleiben.

Das System hat sich nie wirklich verändert.

Die Qualität – und der Mut – darin schon.

Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt. Die Originalversion auf 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 kannst du hier lesen.

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