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·9. Mai 2026

Champions League sicher: Warum ManUnited Carrick behalten sollte

Artikelbild:Champions League sicher: Warum ManUnited Carrick behalten sollte

Das Old Trafford stand geschlossen. Tosender Applaus auf den Rängen, Manchester United hatte soeben mit 3:2 gegen den FC Liverpool gewonnen. Die Red Devils schafften es damit nicht nur zum ersten Mal seit zehn Jahren beide Ligaspiele in einer Saison gegen den großen Rivalen für sich zu entscheiden, sie erreichten durch den Triumph vor allem das erste Mal die sichere Qualifikation für die Champions League seit 2023.

Auch auf dem Rasen war die Stimmung ausgelassen. Mitten in der Jubeltraube stand Trainer Michael Carrick. Sichtlich emotional aufgeladen und bewegt applaudierte er dem Publikum. Der Amorim-Nachfolger auf Zeit hat etwas geschafft, dass es im Old Trafford schon länger nicht mehr gegeben hat. Aber liegen die Gründe für die rote Erfolgswelle wirklich beim Engländer? Sollte Carrick die Dauerlösung für den geteilten englischen Rekordmeister werden?


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In jedem Fall hat Carrick aktuell realistische Chancen auf ein langfristiges Engagement im Old Trafford. Uniteds Verantwortliche wollen in den nächsten Tagen eine Entscheidung treffen und haben sich bis jetzt laut Informationen von Talksport mit keinen externen Kandidaten auseinandergesetzt, geschweige denn getroffen. Dafür gibt es gute Gründe.

Wird Carrick langfristig Cheftrainer der Red Devils?

Da sind die nackten Zahlen. In 14 Spielen unter Carrick gewann United zehnmal, spielte zweimal Remis und verlor nur zwei Partien. Unter anderem wurden Lokalrivale Manchester City, der angehende Meister aus Arsenal und eben Liverpool bezwungen. Von einem zu leichten Spielplan kann also keine Rede sein.

Eine Erfolgsserie, die der Club dringend nötig hatte. Die Saison 2024/25 schlossen die Red Devils unter Ruben Amorim auf dem desolaten 15. Tabellenplatz ab, nach der Entlassung des Portugiesen im Januar 2026 übernahm Carrick auf dem siebten Platz. Er fand einen Kader vor, den er nicht zusammengebaut hatte, dem Selbstvertrauen sowie eine klare Führung fehlte. In diesem Punkt liegt wohl Carricks größtes Achievement.

Denn die Klublegende hat die Kabine für sich gewonnen. Carricks Führungsstil zeichnet sich laut seinen Spielern durch Respekt und einen klaren Fokus auf Struktur aus. Mittelfeldanker Casemiro attestiert seinem Trainer einen ,,unglaublichen Job“ und dass er ,,alles hat um ein großer Manager für Manchester United zu werden.“ Offensivkünstler Matheus Cunha hebt die Energie und seine Art zu kommunizieren hervor. Das sieht auch Innenverteidiger Lisandro Martinez so. Carrick ,,hat sein Herz berührt“, Mittelfeld-Juwel Kobbie Mainoo will ,,ihm folgen und für ihn auf dem Platz sterben.“

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Foto: Getty Images

Überhaupt Mainoo. Das Eigengewächs ist eins der besten Beispiele für Carrick positiven Einfluss. Amorim verbannte den 21-Jährigen ohne ersichtlichen Grund dauerhaft auf die Bank und schob der Entwicklung des Mittelfeldspielers einen Riegel vor. Unter Carrick wurde Mainoo auf Anhieb zurück in die Startelf beordert, fand zurück zu alter Stärke und erzielte jüngst per technisch anspruchsvoller Direktabnahme den Siegtreffer gegen Liverpool. Der Engländer spielt aktuell vielleicht den besten Fußball seiner jungen Karriere und hat sich durch seine Leistungen zurück in den Kandidatenkreis für eine WM-Teilnahme bei den Three Lions gespielt. Seinem Vereinstrainer sei Dank. Mainoos starke Aussprache Pro-Carrick kommt nicht von ungefähr.

Carrick ist ein Players-Coach und besitzt auch taktisches Know-How

Kritische Stimmen würden hervorheben, dass ein solches Gefüge nicht nachhaltig sein muss. Dass eine schlechte Phase Probleme aufdecken kann, für die es dann keine Lösung gibt. Das Risiko, in Carrick nur ein One-Trick-Pony gefunden zu haben, scheint allerdings äußerst gering zu sein. Der ruhige Stratege ist kein Euphorie-Trainer, der einer Mannschaft durch bloße Floskeln und Lautstärke kurzzeitig Aufbruchstimmung einflößt, nach dem ersten Hoch aber zurück ins Tief fällt. Carrick präferiert Ordnung und Ruhe gegenüber Ekstase und Rausch und hat durchaus die Fähigkeit bewiesen, fußball-taktische Anpassungen zu treffen, sofern diese notwendig sind.

Der Engländer erkannte noch vor dem ersten Spiel die Anfälligkeit des von Amorim bevorzugten Dreierkettensystems inklusive hoch stehenden Schienenspielern. Carrick setzte fortan auf eine klassische Viererkette und installierte Mainoo als zusätzliche Absicherung neben Casemiro im zentralen Mittelfeld.

Das Rad erfand er dadurch sicher nicht neu, aber es war die richtige Anpassung für ein Team, das genau jenes in diesem Moment brauchte. Gegen Brentford Mitte April griff der Manager dann in der Halbzeit zurück auf das offensivere System mit Dreierkette, United gewann am Ende das Spiel.

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Foto: Getty Images

Taktisch könnte man jetzt weiter in spezifische Spielerrollen gehen, in Pressing-Auslöser und wie sich die Tiefenlauf-Rate seit Carricks Ankunft verändert hat. Das trifft aber nicht den zentralen Punkt. Uniteds Probleme sind in erster Linie nicht die fehlende Intelligenz am Taktikboard, sondern die nie einkehren-wollende Ruhe.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht darin, die Dinge komplizierter zu machen als sie sind. Viel eher geht es darum eine klare Struktur vorzugeben, Lärm von der Mannschaft wegzuhalten und Dinge anzunehmen wie sie sind. Carrick wird im Sommer nicht sieben neue Spieler für die Umsetzung seiner fußballerischen Idee fordern, sondern mit dem arbeiten was er hat.

Nicht dass durch Carrick als Dauerlösung an der Seitenlinie die Chancen Uniteds auf Top-Transfers sinken würden. Im Gegenteil. Aussagen wie die von Casemiro, Martinez, Mainoo und Co. haben Wirkung auf andere Spieler, die jüngsten Erfolge inklusive der Königsklassen-Qualifikation ziehen unweigerlich an. Auf der Suche nach einem Casemiro-Ersatz im Mittelfeld dürfte auch Carricks Erfahrung als Spieler ein starkes Pfand darstellen.

Der 44-Jährige gewann unter anderem den Champions-League-Titel und fünfmal die Premier League – all das als Mittelfeldstratege unter Sir Alex Ferguson beim Club, den er jetzt als Trainer zurück in diese Sphären führen soll. Die aktuelle Saison wäre für dieses Unterfangen ein gelungener Start. Sollte United sich trotz aller Carrick-Argumente gegen ein langfristiges Commitment entscheiden, wäre das eine höchst fragwürdige Entscheidung.

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