90PLUS
·24. Juli 2026
Chelsea: Lacroix kommt – und die 300 Millionen auch

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·24. Juli 2026

Rund 51 Millionen Pfund für einen Innenverteidiger, und der FC Chelsea kratzt in diesem Sommer erneut an der 300-Millionen-Euro-Marke. Die eigentliche Zahl aber ist eine kleinere. Sie heißt zehn – Chelseas Tabellenplatz der vergangenen Saison.
Am Freitag einigten sich die Blues mit Crystal Palace auf den Transfer von Maxence Lacroix. Ein guter Spieler, ein sinnvoller Transfer – und doch ein weiteres Kapitel in einer Erzählung, die längst größer ist als jeder einzelne Neuzugang.
Beim Spieler gibt es wenig zu meckern. Lacroix, 26, französischer Nationalspieler und WM-Teilnehmer 2026, gehört zu den schnellsten Innenverteidigern der Premier League und ist im Zweikampf Mann gegen Mann eine Wand. 1,93 Meter, enorme Antrittsstärke, dazu seit dem Abgang von Marc Guéhi ein Anführer der Palace-Abwehr. Zwei Jahre nach seinem Wechsel von Wolfsburg nach London kostet er nun rund 51 Millionen Pfund – und Chelsea bricht dafür sogar mit einem eigenen Prinzip: Seit 2022 hatte der Klub für keinen Spieler jenseits der 26 mehr eine Ablöse gezahlt.
Trainer Xabi Alonso baut seine Abwehr um, und Lacroix passt in dieses Profil: Tempo, Physis, Führungsanspruch. So weit, so nachvollziehbar.
Das Problem beginnt beim Blick auf die Gesamtrechnung. Lacroix ist nicht der erste Millionen-Neuzugang dieses Sommers, sondern nur der jüngste. Für Morgan Rogers legten die Blues rund 117 Millionen Pfund hin – Vereinsrekord und teuerster englischer Spieler der Geschichte. Dazu kamen Rechtsverteidiger Marco Palestra aus Bergamo und Flügelspieler Geovany Quenda. Mit Lacroix klettert die Sommer-Ausgabe auf rund 259 Millionen Pfund, umgerechnet an die 300 Millionen Euro. Und ein Stürmer, ein Torhüter sowie ein Mittelfeldspieler stehen noch auf der Wunschliste.
Und hier kehrt Platz zehn zurück ins Bild. Chelsea hat unter der Führung von Todd Boehly und Behdad Eghbalis Clearlake seit 2022 Summen ausgegeben, die den Transfermarkt neu vermessen haben – und ist in der abgelaufenen Saison im Niemandsland der Tabelle gelandet, ohne Europapokal für die kommende Spielzeit. Jeder neue Rekordeinkauf wirft damit lauter dieselbe Frage auf: Kauft dieser Klub Erfolg – oder nur Kader?
Dazu die Dauerbaustelle Financial Fair Play. Ein Kader, der Sommer für Sommer weiterwächst, kollidiert früher oder später mit den PSR-Vorgaben der Premier League. Chelsea hat das bisher mit langen Vertragslaufzeiten und geschickten Verkäufen aufgefangen. Doch je größer der Kader, desto enger wird die Rechnung – und desto schwerer die Frage nach der Teamchemie in einer Mannschaft, in der jedes Jahr ein halbes Dutzend neuer Gesichter um Plätze kämpft.
Lacroix ist keiner dieser Transfers, über die man den Kopf schüttelt. Er ist schnell, robust, im besten Fußballeralter und füllt eine echte Lücke. Genau das macht die Sache so vertrackt: Chelsea kauft nicht schlecht ein, Chelsea kauft nur unaufhörlich. Die 300 Millionen dieses Sommers werden die Blues nicht ärmer machen. Ob sie sie besser machen, hat der Klub in vier Jahren Kaufrausch noch nicht beantwortet. Die kommende Saison wird der nächste Beleg – in die eine oder die andere Richtung.
Live







































