OneFootball
Philipp Overhoff·29. November 2025
In partnership with
Yahoo sportsOneFootball
Philipp Overhoff·29. November 2025
Bei Bayer Leverkusen erlebt momentan so mancher Spieler seine ganz persönliche fußballerische Renaissance. Doch keiner spielt sich aktuell so sehr zurück ins Lampenlicht wie Jonas Hofmann.
Genau, der Jonas Hofmann, der in der vergangenen Saison in einer gut verschlossenen Kiste auf der Bayer-Tribüne gelagert wurde.
Der Jonas Hofmann, der mit 33 Jahren plötzlich wieder so wirkt, als hätte jemand seine sportlichen Lebensgeister auf Werkselfeinstellung zurückgesetzt.
Dass Hofmann im Spätherbst seiner Karriere nochmal derart glänzen kann, hätte der eine oder andere Beobachter sicherlich nicht erwartet. Doch ironischerweise passt dieser Aufschwung zu einer ganz anderen, deutlich prominenteren Personalie im europäischen Fußball: Vinícius Júnior.
Dessen angeblich frostiges Verhältnis zu Ex-Leverkusen-Trainer Xabi Alonso geistert seit mehreren Wochen durch nahezu jede Gazette des Kontinents. Vinícius soll sogar eine Vertragsverlängerung von der Klärung dieser Beziehung abhängig machen.
Tja, und genau aus diesem Grund ist Hofmann aktuell so etwas wie Vinícius’ Bundesliga-Bruder im Geiste: Er ist richtig glücklich, seit Alonso nicht mehr sein Trainer ist.
Denn was unter Alonso absolut gar nicht lief, funktioniert unter dem neuen Chef an der Seitenlinie plötzlich erstaunlich gut. Aber der Reihe nach.
Die Bilanz der Saison 2024/2025 liest sich aus Hofmann-Sicht nämlich absolut verheerend. Er absolvierte gerade einmal 352 Einsatzminuten, also weniger als vier komplette Spiele. Dabei waren die zwei Tore und die eine Vorlage, welche er in dieser überschaubaren Zeit sammelte, sogar überaus stabil.
Wie sehr das Verhältnis zwischen Alonso und ihm allerdings gelitten hat, zeigte sich im Sommer. Hofmann sprach mit dem 'Kölner Stadt-Anzeiger' ungewöhnlich offen über die fehlende Kommunikation seines Coaches.
Er könne akzeptieren, wenn ein Trainer Dinge kritisch sieht, aber dann erwarte er, dass diese auch angesprochen werden. "Länger als zwei Wochen sollte ein Trainer damit nicht warten", sagte er damals und machte kein Geheimnis daraus, dass er sich unter Alonso fast mit einem Wechsel beschäftigt hätte.
Die große Enttäuschung war spürbar. Immerhin zählte Hofmann vor knapp zwei Jahren noch zur erweiterten Stammelf des DFB-Teams und gehörte in der Hinrunde der Double-Saison 2023/24 zu Bayers wichtigsten Protagonisten.
Doch von heute auf morgen spielte er unter Alonso keine Rolle mehr. Die komplette Vorsaison, sagte er, packe er "in eine Kiste", die er nicht wieder öffnen wolle.
Als Alonso im Juni dann zu Real Madrid weiterzog, witterte Hofmann eine neue Chance: Erik ten Hag kam aus seinem Sabbatical und schlug mit jeder Menge Ballbesitz-Idealismus im Rheinland auf. Und Hofmann, ein intelligenter, passstarker Spieler für die sogenannten Zwischenräume, matchte auf dem Papier perfekt.
Doch zunächst kam alles anders: Eine Verletzung in der Vorbereitung, fehlender Rhythmus, dazu ein Trainer, der nach nur zwei Bundesliga-Spielen schon wieder entlassen wurde. Besonders bitter: Hofmann schaffte es nicht einmal in den Champions-League-Kader. Heute, wo er wieder aufblüht, wirkt dieser Entschluss ziemlich absurd.
"Die Entscheidungen sind zu dem Zeitpunkt gefallen und sind jetzt leider nun mal so", erklärte Geschäftsführer Simon Rolfes erst am Dienstag vielsagend.

Doch Hofmann ließ sich auch von diesem Rückschlag nicht unterkriegen. Nach ten Hags Mini-Amtszeit setzte Bayer etwas überraschend auf den ehemaligen dänischen Nationaltrainer Kasper Hjulmand. Für den Mittelfeldspieler entpuppte sich diese Entscheidung als sportlicher wie menschlicher Glücksfall. Die beiden kennen sich noch aus gemeinsamen Mainz-Tagen, Hjulmand schätzt Hofmanns taktische Flexibilität enorm.
Das zeigte sich sofort auf dem Platz: Nach elf Spieltagen hat Hofmann schon jetzt mehr Minuten (377) und mehr Scorerpunkte (zwei Tore, zwei Vorlagen) gesammelt als im gesamten Vorjahr. Zuletzt stand er zwei Mal in der Startelf und traf beide Male.
Hjulmand selbst geriet nach dem jüngsten Auftritt in Wolfsburg ins Schwärmen: "Er ist super clever und kann viele Positionen spielen. Er antizipiert sehr gut und ist offensiv wie defensiv sehr gut. Großes Lob für Jonas."
Seit Wochen ist Hofmann fester Bestandteil der gut geölten Bayer-Maschine, die zuletzt vier Pflichtspiele in Serie gewann. Besonders als rechter Schienenspieler der Fünferkette hinterlässt er einen starken Eindruck.
📸 Neil Baynes - 2025 Getty Images
Dass ein Spieler in diesem Alter noch einmal aus der Bedeutungslosigkeit zurück in die Stammelf eines Bundesliga-Topteams findet, ist alles andere als selbstverständlich. Das gilt insbesondere für einen Kader wie jenen von Leverkusen, der in diesem Sommer wieder mal mit Hochgeschwindigkeits-Talenten geflutet wurde.
Doch Hofmann zeigt gerade eindrucksvoll, was er noch immer zu leisten imstande ist. Vor allem aber zeigt er, wie viel Wirkung ein Trainer haben kann, der seinen Spieler wirklich versteht.
Denn der Routinier ist mittlerweile wieder genau so unterschätzt wie er es Zeit seiner Karriere war. Er befindet sich in der Form eines Spielers, der auch in den letzten anderthalb Jahren nicht "in eine Kiste" gehört hätte. Sondern auf den Platz. Genau da, wo er jetzt wieder regelmäßig steht.
📸 RONNY HARTMANN - AFP or licensors









































