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VfL Osnabrück

·28. Juni 2026

Danke, Wilfried: Elf Jahre Verlässlichkeit im VfL-Fahrdienst

Artikelbild:Danke, Wilfried: Elf Jahre Verlässlichkeit im VfL-Fahrdienst

Seit Mai 2015 war Wilfried Ahlert regelmäßig für das Nachwuchsleistungszentrum des VfL Osnabrück unterwegs. Nun beendet der pensionierte Polizist sein Engagement im Fahrdienst – nach elf Jahren, unzähligen Kilometern und vielen Begegnungen mit jungen Spielern auf ihrem Weg durch die Ausbildung an der Illoshöhe.

Es gibt Menschen beim VfL, die selten im Rampenlicht stehen und trotzdem über Jahre hinweg einen wichtigen Teil zum Vereinsleben beitragen. Sie stehen nicht auf dem Platz, schießen keine Tore und werden nicht von der Tribüne gefeiert. Aber ohne sie würde vieles im Alltag eines Vereins nicht funktionieren. Wilfried Ahlert ist einer dieser Menschen.


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Seit Mai 2015 saß der pensionierte Polizist regelmäßig hinter dem Steuer des VfL-Bullis. Damals war Joe Enochs noch im Nachwuchsleistungszentrum tätig, vieles war kleiner, manche Abläufe anders. Für Ahlert begann in dieser Zeit ein Ehrenamt, das ihn über mehr als ein Jahrzehnt begleiten sollte: Nachwuchsspieler abholen, zum Training bringen, zurückfahren, warten, wieder losfahren. Woche für Woche. Saison für Saison.

Angefangen hatte alles mit bis zu drei Fahrten pro Woche. In den vergangenen Jahren reduzierte Ahlert sein Pensum auf eine Tour wöchentlich. Ganz aufhören konnte er lange nicht. „Mir fällt das natürlich auch schwer“, sagt er. Und doch sei irgendwann der Moment gekommen, an dem man ehrlich zu sich selbst sein müsse.

Wer über den Fahrdienst im NLZ spricht, spricht schnell über Organisation. Über Trainingszeiten, Schulschluss, Bahnhöfe, Fahrpläne, Ferien in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, Eltern, die mithelfen, und Jugendliche, die nach einem langen Tag noch zum Training an die Illoshöhe kommen. Doch der Fahrdienst ist mehr als Logistik. Er ist ein Stück Alltag in der Ausbildung junger Fußballer.

Ahlert kennt nahezu jede Strecke im Einzugsgebiet des VfL. Der VfL bietet für seine Spieler unterschiedliche Touren an. Besonders die „Südtour“ wurde in den vergangenen Jahren zu seiner festen Route. An manchen Tagen kamen mehr als 200 Kilometer zusammen. Los ging es am frühen Nachmittag, zurück war er oft erst am Abend. Dazwischen: Spieler einsammeln, absetzen, die nächsten abholen, wieder zurück zur Illoshöhe.

Im Bulli hat Ahlert über die Jahre viele Generationen von Nachwuchsspielern erlebt. Manche stiegen ein, grüßten freundlich und erzählten von Schule, Training oder dem Wochenende. Andere setzten sich hin, Kopfhörer rein, Blick aufs Handy. Auch das habe sich verändert, sagt er. Früher sei mehr gesprochen worden.

Trotzdem blieb der Kontakt zu den Jungs für ihn immer ein besonderer Teil seiner Aufgabe. Ahlert war Fahrer, Ansprechpartner und manchmal auch derjenige, der klare Grenzen setzte. Etwa, wenn Spieler sich nicht anschnallten oder immer wieder zu spät zum Bulli kamen. Die neuen Fahrzeuge, erzählt er schmunzelnd, hätten ihm zumindest beim Anschnallen geholfen. Wenn es piept, merken es die Spieler schnell selbst.

Einmal wurde Ahlert konsequenter. Ein Spieler kam trotz mehrfacher Erinnerung wiederholt zu spät. Die anderen saßen bereits im Bulli, einige mussten später noch Züge erreichen. Irgendwann fuhr Ahlert los. Der Spieler blieb stehen, die Eltern mussten ihn abholen. „Seitdem tipptopp“, sagt Ahlert trocken. Beschwerden habe es keine gegeben. Im Gegenteil: Die Mitspieler hätten verstanden, dass Verlässlichkeit keine Kleinigkeit ist.

Gerade im Nachwuchsfußball zählt diese Verlässlichkeit. Viele Spieler kommen direkt aus der Schule, fahren lange Strecken, trainieren mehrfach pro Woche und haben am Wochenende Spiele. Wer nach dem Training noch einen Zug erwischen muss, kann sich keine unnötigen Verzögerungen leisten. Ahlert hat das über Jahre erlebt. Und er hat gesehen, wie viel Disziplin die Jugendlichen aufbringen müssen, um Schule und Leistungssport miteinander zu verbinden.

Dass viele trotz dieses Pensums starke schulische Leistungen bringen, beeindruckt ihn bis heute. Für Ahlert ist das kein Zufall. Wer im NLZ bestehen will, muss sich strukturieren, pünktlich sein und Verantwortung übernehmen.

Vor seiner Zeit im VfL-Fahrdienst war Ahlert mehr als 40 Jahre Polizist, größtenteils im Osnabrücker Südkreis. Verantwortung zu übernehmen, hinzusehen und sich um andere zu kümmern, prägte also schon sein Berufsleben. Auch abseits des Fußballs zeigt sich diese Haltung in einer außergewöhnlichen Geschichte.

Seit mehr als 25 Jahren begleitet Ahlert einen deutschen Häftling, der in einem Hochsicherheitsgefängnis in Arizona im Todestrakt sitzt. Ende der 1990er-Jahre wurde er über Berichte im Fernsehen und in den Medien auf das Thema Todesstrafe aufmerksam. Aus grundsätzlicher Ablehnung der Todesstrafe begann er zu recherchieren und stieß auf den Fall zweier deutscher Brüder, die in den USA zum Tode verurteilt worden waren. Er schrieb einen Brief, ohne zu wissen, ob überhaupt eine Antwort kommen würde.

Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich über die Jahre eine regelmäßige Begleitung. Ahlert schrieb Briefe, später E-Mails, hielt Kontakt zu Anwälten und zum deutschen Konsulat und reiste inzwischen rund 25-mal in die USA. Einer der beiden Brüder ist mittlerweile in Haft verstorben. Den anderen besucht Ahlert in Arizona bis heute– mehrere Tage, jeweils viele Stunden.

Dabei betont er klar, dass es ihm nicht darum geht, eine schwere Straftat zu relativieren. Seine Haltung richtet sich gegen die Todesstrafe. „Kein Staat der Welt sollte das Recht haben, einen Menschen umzubringen“, sagt Ahlert. Seine eigene Rolle beschreibt er nicht als klassische Freundschaft. Er kümmere sich, fühle sich verantwortlich, halte Kontakt und gebe einem Menschen, der seit Jahrzehnten inhaftiert ist, eine Verbindung nach draußen.

Diese Geschichte ist groß. Vielleicht zu groß, um sie vollständig in diesem Text zu erzählen. Aber sie zeigt etwas, das auch sein Engagement im Fahrdienst beschreibt: Wilfried Ahlert ist jemand, der sich kümmert. Einer, der nicht nur redet, sondern Wege auf sich nimmt. Einer, der Zeit investiert, Verantwortung übernimmt und da bleibt, wenn andere längst weitergegangen sind.

Beim VfL tat er das elf Jahre lang im Stillen. Er fuhr durch den Südkreis, wartete am Bahnhof, achtete auf Pünktlichkeit, hörte zu, sagte auch mal deutlich, wenn etwas nicht passte, und sorgte dafür, dass junge Spieler verlässlich zum Training und wieder nach Hause kamen. Für viele war er Teil eines Alltags, der anspruchsvoll, eng getaktet und prägend war.

Nun endet sein Engagement im Fahrdienst des Nachwuchsleistungszentrums. Was bleibt, sind unzählige gefahrene Kilometer, viele kurze Gespräche, manche klare Ansage und ein Einsatz, der beim VfL nicht vergessen wird.

„Wilfried war ein verlässliches Vorbild für unsere Spieler und Mitarbeiter. Seine positive Ausstrahlung, sein wertschätzender Umgang mit Menschen und seine Hilfsbereitschaft haben unseren Verein bereichert. Wir werden ihn nicht nur als Kollegen, sondern vor allem als Menschen vermissen. Danke, Wilfried“, sagt Alexander Ukrow, Direktor Entwicklung.


Text: Lasse Bestian

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