feverpitch.de
·25. Februar 2026
Das 1887-Sondertrikot: Hamburg dreht durch

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·25. Februar 2026

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über den neuen Verkaufshit des HSV
Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass der HSV in die Bundesliga gehört, wurde er jetzt erbracht: Nachdem der Aufsteiger letzte Woche ein Sondertrikot zum angeblichen Jubiläum – der HSV wurde 1887 gegründet und machte sein 1887. Bundesligaspiel – herausgebracht hatte, gingen die Shop-Computer in die Knie. Die Leute griffen zu, als böte der FC Bayern den echten Harry Kane für 39,99 Euro zum Verkauf an.
Nein, falsche Wortwahl, die Leute griffen nicht zu, sie stürzten sich auf die Sondertrikots wie früher meine Tanten an Tag eins des Winterschlussverkaufs auf die Wühltische von C&A.
70.000 HSV-Sondertrikots wurden inzwischen bestellt – das ist Rekord! Rund acht Millionen Euro Umsatz, rechnete die Bild aus. Zieht man Kosten, Kram und Steuern ab, könnte der HSV davon tatsächlich Harry Kane ein paar Tagesgehälter bezahlen.
Der andere Rekord: Zwischen Bestellung und Auslieferung aller Trikots werden Monate vergehen, gab der Tabellenelfte bekannt – niemand hatte mit dieser Begeisterung gerechnet.
Macht aber nichts, tolle Idee!
Wie 2002 das Weltpokalsiegerbesieger-Shirt des FC St. Pauli, das heute noch für 29,95 Euro im FCSP-Fanshop erhältlich ist. Oder 1973 das Jägermeister-Trikot von Eintracht Braunschweig, das zum bundesweiten Saufen animieren sollte. Und natürlich ein Highlight: das Vize-DFB-Pokalsieger-Shirt meiner Stuttgarter Kickers (jetzt Fünftligist). Darauf musste man auch erst kommen.
Mich begeistert aber nur die Kreativität, ich selbst würde so etwas nie anziehen. In einer Kiste unter meinem Schlafzimmerbett modert zum Beispiel seit Jahren ein deutsches Nationaltrikot mit Spieler-Unterschriften vor sich hin, das mir irgendjemand geschenkt hat.
Ich verstehe das nicht: Wieso ziehen Menschen die Arbeitskleidung der Mannschaft an, deren Spiele sie besuchen? Wenn ich in die Oper gehe, stülpe ich mir ja auch keine gepuderte Perücke aus dem 18. Jahrhundert über, um meine Begeisterung zu unterstreichen. Es sei denn: Ich spiele selber mit.
Oder habt ihr schon mal jemanden gesehen, der seinen Termin beim Arzt mit weißem Kittel und Stethoskop um den Hals wahrgenommen hat? Was würde das bringen? Trage ich etwa, wenn ich zu meinem Steuerberater gehe, um meine Unterlagen abzugeben, einen Anzug mit Anlage-N-Muster, um mehr Einkommensteuerrückzahlung rauszuholen? Nein.
Mir leuchtet außerdem nicht ein, dass ich einen Haufen Geld dafür hinblättern soll, kostenlos Werbung zu machen. Vorn auf dem HSV-Sondertrikot sind zum Beispiel ziemlich groß das Logo des Hauptsponsors, der Versicherungsgruppe "HanseMerkur", und das von Adidas angebracht.
Müssten nicht eigentlich die Sponsoren dafür bezahlen, dass ich das trage?
Wenn Harry Kane vor dem Anpfiff in der Kabine der Allianz-Arena sitzt und sein "Herren Authentic Trikot Home 25-26 mit Spielerflock und Meisterlogo" überstreift, kommt ja auch nicht der Zeugwart des FC Bayern um die Ecke und sagt:
"Macht glatt 175 Euro, Harry – bar oder Karte?"
Meine Kolumnen gibt es jetzt auch als Buch – Titel: Wäre, wäre, Fahrradkette - Die besten Fußball-Kolumnen von Alex Steudel seit 2020. 257 Seiten, 15,99 Euro: Hier bestellen! Wer fürs gleiche Geld portokostenfrei ein signiertes Exemplar haben möchte: Einfach Mail an post@alexsteudel.de schreiben.









































