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·5. September 2026
Das große Transfer-Zeugnis 2026/27 für den FC Schalke

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·5. September 2026

Als Aufsteiger lag auf dem FC Schalke in diesem Transfersommer ein großer Fokus. Trotz nach wie vor großer finanzieller Hürden muss schlussendlich ein Kader stehen, der die bestmöglichen Chancen auf den Klassenerhalt in der Bundesliga hat – oder zumindest haben kann. Unter diesen Rahmenbedingungen sind die Gelsenkirchener sogar mit einem nominellen Transferminus aus dieser Phase hervorgegangen. Doch schon alleine die Weiterverkaufsbeteiligung bei Rodrigo Zalazar lässt auch diese Bilanz wieder ausgeglichen(er) erscheinen.
Einen sonderlich exotischen Transfersommer hat der S04 nicht erlebt. Wie schon in der Übersicht deutlich wird, handelt es sich nahezu ausschließlich um Neuzugänge, die entweder von deutschen Vereinen kamen und/oder selbst auch aus Deutschland kommen. Maximilian Wöber (Österreich) und Hee-chan Hwang (Südkorea) sind dabei die einzigen Ausnahmen – die aber auch jeweils schon in der Bundesliga gespielt haben.
Was ebenfalls auffällt: Unter den externen Neuzugängen ist Satoshi Tanaka mit 24 Jahren der Jüngste. Schalke hat also keinen einzigen Jungprofi mit Entwicklungspotenzial verpflichtet. Der Fokus lag eindeutig auf Spielern, die der Mannschaft sofort helfen können und so den Klassenerhalt wahrscheinlicher machen sollen.

Satoshi Tanaka im Einsatz gegen Real Madrid | DeFodi Images/GettyImages
Wöber war dabei die einzige Verstärkung für die Innenverteidigung. Miron Muslic setzt großes Vertrauen in seine bestehende Sammlung an Abwehrspielern, die sich in der vergangenen Saison als große Stärke der Mannschaft zeigen konnten. Dazu gab es einen erneut großen Fokus auf Neuzugänge, die nicht nur eine entsprechende Qualität mitbringen, sondern auch bestmöglich in den Spielstil passen sollen. Tanaka etwa ist im defensiven Mittelfeld als Abräumer und Zweikämpfer unterwegs, während Junior Adamu beispielsweise mit seinem Pressing und den schnellen Tiefenläufen auch für Umschaltmomente sorgen soll.
Insgesamt musste Schalke spürbare Kompromisse eingehen und eine klare Prioritätensetzung verfolgen. Eines ist klar: Muslic ist gefordert, aus den Neuzugängen das Maximum herauszuholen. Sie alle verfügen grundsätzlich und theoretisch über eine Qualität, die zum Ziel des Klassenerhalts passt. Sie konnten zum Teil aber auch nur deshalb (für die niedrigeren Summen) verpflichtet werden, weil sie diese Qualität zuletzt kaum mehr abgerufen haben. So wird ein großes Vertrauen in den 'Bessermacher' an der Seitenlinie gesetzt. Das kann funktionieren, ist aber auch ein Risiko.
Erneut wird schon durch die Übersicht deutlich: Nennenswerte Transfereinnahmen oder Einsparungen konnte Schalke in diesem Sommer nicht erreichen. Die Abgänge, die umgesetzt werden konnten, sind zum Großteil nur Leihen von Spielern, die in dieser Saison aufgrund ihres Alters oder ihrer fehlenden Qualität ohnehin keine Rolle gespielt hätten. Dadurch hat der S04 also einerseits zwar keine Qualität verloren, konnte andererseits aber auch das eigene Budget nicht aufstocken.

Felipe Sanchez ist einer der von S04 ausgeliehenen Spieler | Manuel Guadarrama/GettyImages
Eigentlich hätten es sogar noch mehr Abgänge sein sollen. Dabei sind wohl Anton Donkor und Max Grüger die besten Beispiele. Auf ihnen ist Schalke nun ebenso sitzen geblieben wie auf Finn Porath oder Tomas Kalas. Sie bekommen ihr Gehalt weiterhin und spielen teilweise für die U23 auf. Vertragsauflösungen wären in einzelnen Fällen wohl denkbar, aber auch schwierig umzusetzen.
Immerhin: Abgänge von letztjährigen Stammspielern und Leistungsträgern gab es soweit nicht. Dabei ist der Kern nicht zur zusammengehalten worden, mehrere wichtige Vertragsverlängerungen konnten auch über die Bühne gebracht werden. Soufiane El-Faouzi, Mertcan Ayhan, Vitalie Becker, Adil Aouchiche und im Vorfeld schon Loris Karius: Sie alle haben ein neues Arbeitspapier beim S04 unterschrieben. Abseits des Keepers sind das auch alles Akteure, durch die sich der Klub früher oder später eine möglichst attraktive Ablösesumme erhofft. So musste zwar auch Geld in diese Vertragsverlängerungen investiert werden, das so nicht für Neuzugänge zur Verfügung stand – doch in der mittel- bis langfristigen Rechnung soll sich das in einen großen Vorteil umwandeln.
Die Frage, ob Schalke in diesem Transfersommer die größten Baustellen angehen konnte, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen gab es eher weniger spezifische Baustellen als die übergeordnete Notwendigkeit, sich im Sinne des Klassenerhalts noch zu verstärken.
Auf den Außenbahnen wurden Gosens für links und Ebimbe für rechts verpflichtet. Zwei Spieler, bei denen noch offen ist, auf welchem Niveau sie tatsächlich spielen werden. Grundsätzlich haben sie zweifelsohne die Qualität, auch dem S04 weiterzuhelfen – ob sie dieses Niveau auch erreichen werden, bleibt zunächst abzuwarten. Mit Tanaka wurde im zentralen Mittelfeld eine spannende Personalie geholt. Über kurz oder lang wird er sich vermutlich in der Stammelf festsetzen.

Robin Gosens soll ein Puzzleteil zum Schalke-Klassenerhalt sein | Ralf Ibing - firo sportphoto/GettyImages
Im Angriff gibt es auch noch Fragezeichen. Adamu hat hier und da schon gute Eindrücke hinterlassen, aber eher unter dem spielerischen Aspekt. Ob er seine vergleichsweise geringe Torausbeute der letzten Saisons umkehren kann, wird sich zeigen. Auch bei Hee-chan Hwang, der am Deadline Day noch ausgeliehen wurde, lässt sich noch kein frühzeitiges Fazit ziehen. Der 30-Jährige bringt definitiv eine Qualität mit, die Schalke gut tun und Moussa Sylla mindestens unter Druck setzen, wenn nicht gar ihn verdrängen wird. Ob der Angriff damit die nötige Effizienz mitbringt, um aus wenigen Torchancen das Maximum herauszuholen? Schwierig...
In der Innenverteidigung wurde soweit nur Maximilian Wöber verpflichtet, eine weitere Hoffnungs-Personalie. Das heißt, dass er theoretisch gute Anlagen und Fähigkeiten mitbringt, sie aber nicht kontinuierlich einbringen konnte. In seinem Fall aufgrund vieler und zuweilen auch langwieriger Verletzungen. Das Tempo-Defizit ist der S04 damit ausdrücklich nicht angegangen. Der Fokus wird umso mehr auf dem Stellungsspiel und dem übergeordneten Spielplan liegen.
Nominell geht Schalke mit einem Minus aus diesem Transfersommer. Die etwa 200.000 Euro von Ilyes Hamache sind die einzigen direkten Einnahmen, weil es sonst nur Leihen und keine Verkäufe gab. Dagegen stehen ca. 2,5 bis drei Millionen Euro an Ausgaben, durch die Ablösesummen und Leihgebühren. Nicht zu vergessen sind aber auch die rund zwei Millionen Euro an Weiterverkaufsbeteiligung an Zalazar. Grob gerechnet geht Königsblau also ohne Verlust, aber auch ohne einen Gewinn raus.
Quelle: transfermarkt.de
Die Gelsenkirchener haben ein an ihren Möglichkeit gemessenes vernünftiges Transferfenster bespielt. Es wurden keine nennenswert großen Schritte gegangen, aber auch kein erweiterter Zweitliga-Kader zusammengestellt. Vieles ist dem untergeordnet, dass Schalke hofft, aus dem ein oder anderen Spieler wieder mehr herauszuholen. Das kann funktionieren – ist aber eben auch ein Risiko.
Die Vertragsverlängerungen sind ein dickes Faustpfand, das sich aber eher mittel- als kurzfristig bezahlt machen wird. So konnten zwar wichtige Spieler gehalten werden, doch ohne einen größeren Verkauf blieben auch die Ausgaben auf einem niedrigen Niveau.
Gleichzeitig sind auch andere Verkaufskandidaten wie Donkor, Grüger und Porath auf für S04-Verhältnisse zum Teil recht dicken Verträgen sitzen geblieben. Auch das hat die Möglichkeiten auf der Zugangsseite spürbar limitiert.
Insgesamt geht Schalke nun mit einem Kader in die Saison, der das Potenzial hat, den Klassenerhalt zu sichern. Dabei wird aber auf ein gutes Leistungsniveau bei Spielern gesetzt, die dieses Niveau zuletzt eher seltener aufbringen konnten. Vieles hängt also an Muslic als 'Bessermacher'.
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