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·17. September 2026
„Das im Sommer tat mehr weh“: Baumann nimmt Klopps Absage hin – und tritt nach

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·17. September 2026

Es war ein Tag, den Oliver Baumann so schnell nicht vergessen wird, und zwar aus zwei Gründen. Um 10 Uhr stellte Jürgen Klopp in Frankfurt einen Kader mit 44 Spielern und fünf Torhütern vor – Baumann war keiner davon. Um 20.40 Uhr hatte er mit der TSG Hoffenheim den Europa-League-Auftakt bei OFI Kreta 0:2 verloren. Danach stand er vor dem RTL-Mikrofon und sagte einen Satz, den man von ihm selten hört: „Die Entscheidung gefällt mir nicht, das ist ganz klar.“
Die vollständige Reaktion des 36-Jährigen war kurz und kontrolliert. „Ich weiß es ja schon länger“, sagte er. „Die Entscheidung muss ich akzeptieren, die gefällt mir nicht, das ist ganz klar. Aber sie schlagen einen anderen Weg ein und den muss ich akzeptieren und respektieren.“
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: „Ich weiß es ja schon länger“ – Baumann hatte am vergangenen Samstag nach dem 2:1 gegen Stuttgart bereits bestätigt, dass es Kontakt mit Klopp gab, und die Auskunft verweigert. Er wusste es also vor der Öffentlichkeit, vermutlich seit Tagen. Zweitens: „Sie schlagen einen anderen Weg ein.“ Kein Vorwurf, aber auch keine Zustimmung. Es ist die Formulierung eines Mannes, der die Entscheidung für falsch hält und das nicht sagen will.
Interessanter als die Reaktion auf Klopp war das, was Baumann über den Sommer sagte. „Das im Sommer tat mehr weh“, zitiert ihn Goal – gemeint ist seine Degradierung durch Julian Nagelsmann vor der WM. Baumann war als klare Nummer eins nach Nordamerika gefahren, nachdem er die Qualifikation gespielt hatte. Vor dem ersten Gruppenspiel holte Nagelsmann Manuel Neuer aus der DFB-Rente zurück und setzte Baumann auf die Bank. Deutschland schied im Sechzehntelfinale aus.
Baumann hatte das damals sportlich genommen, öffentlich jedenfalls. Am Donnerstag deutete er an, dass der Vorgang nicht sauber abgelaufen sei – und dass er sich auch von anderer Seite ungerecht behandelt fühlt. Wen er meinte, ließ er offen. T-online hält es für möglich, dass die Aussage auch Neuer galt, der lange öffentlich erklärt hatte, nicht zurückkehren zu wollen, und es dann doch tat. Belegt ist das nicht. Baumann hat den Namen nicht genannt, und wer ihn ergänzt, spekuliert.
Klopp hat die Entscheidung als Momentaufnahme bezeichnet. Die Zahlen sprechen dagegen. Der Bundestrainer nominierte fünf Torhüter: Marc-André ter Stegen (34) als Nummer eins, dazu Alexander Nübel (29), Finn Dahmen (28), Jonas Urbig (23) und Noah Atubolu (24). Vier davon sind jünger als Baumann, einer ist gleich alt und heißt ter Stegen. Bei der EM 2028 wäre Baumann 38.
Der SWR-Kommentar von Kersten Eichhorn bringt den Widerspruch auf den Punkt: Einen kompletten Alters-Umbruch leitet Klopp nicht ein – ter Stegen ist nur zwei Jahre jünger. Er verzichtet also nicht auf Baumann, weil er jung baut, sondern weil er einen anderen Erfahrenen vorzieht. Das ist ein Unterschied, und für Baumann ist es der schmerzhaftere.
Dabei war sein letzter Bundesliga-Auftritt eine Bewerbung: Beim 2:1 gegen Stuttgart parierte er mehrfach in Eins-gegen-eins-Situationen und rettete den Sieg. Eichhorn nennt ihn „Leistungsträger, Führungsfigur, Rückhalt und Seele der jungen Hoffenheimer Mannschaft“ – eine Rolle, die dem DFB-Team im Umbruch gutgetan hätte. Hoffenheims Geschäftsführer Andreas Schicker hatte am Samstag geworben: „Er ist ein sehr, sehr guter Torhüter. Und er hat die Rolle bei der WM herausragend angenommen.“ Und hinzugefügt: „Aber wenn er nicht dabei ist, wird bei ihm keine Welt zusammenbrechen.“
Baumann hat 14 Jahre auf sein erstes Länderspiel gewartet. Er debütierte im Oktober 2024 in Zenica, mit 34, nach mehr als 450 Bundesliga-Spielen. Er wurde Nummer eins, weil ter Stegen verletzt war. Er fuhr als Nummer eins zur WM und spielte dort kein Spiel. Und im September 2026, drei Monate später, ist er raus.
„Er bleibt der Unvollendete“, schreibt der SWR. Das trifft es. Baumann hat auf dem höchsten Niveau alles geliefert, was ein Bundesliga-Torwart liefern kann, und im Nationaltrikot nie den Moment bekommen, der ihn definiert hätte. Am Donnerstag hat er in einem Satz gesagt, was er davon hält – und im nächsten gesagt, dass er es akzeptiert. Beides stimmt. Nur das Zweite hilft ihm.







































