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·19. Mai 2026

Das sind die Gründe für den Aufstieg von Energie Cottbus

Artikelbild:Das sind die Gründe für den Aufstieg von Energie Cottbus

Energie Cottbus ist nach zwölf Jahren zurück in der 2. Bundesliga. liga3-online.de nennt die Gründe für den Aufstieg.

Mentalität

Rückschläge? Davon gab es für Energie Cottbus in den letzten Jahren einige. Der Bundesliga-Abstieg 2009, der Abstieg aus der 2. Liga im Jahr 2014, der Drittliga-Abstieg 2019 aufgrund eines Treffers, der verpasste Wiederaufstieg 2023 in den Aufstiegsspielen gegen Unterhaching und die verspielte Relegation vor einem Jahr. Auch in dieser Saison lief nicht immer alles nach Plan. Gleich 17 Mal geriet der FCE in Rückstand – doch wie Cottbus danach oftmals zurückschlug, war bemerkenswert.


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Acht (!) Spiele konnte Energie komplett drehen, einmal gab es noch ein Remis. Das macht unter dem Strich 25 Punkte nach Rückständen – Liga-Spitze! Besonders aufsehenerregend war das Comeback im Spiel gegen Rot-Weiss Essen. Nach 73 Minuten lag Energie 1:3 hinten, drehte die Partie dann aber binnen neun Minuten durch einen Hattrick von Tolcay Cigerci. Nicht wenige Spiele wurden dank neun Treffern in der Nachspielzeit (Liga-Spitze!) erst in der Schlussphase entschieden – ein Zeichen für die Mentalität und den Glauben an die eigene Stärke.

Starke Offensive

Ohnehin hat Tolcay Cigerci mit seinen 17 Toren und 13 Vorlagen maßgeblichen Anteil am Aufstieg und wurde nicht von ungefähr vom DFB zum "Spieler der Saison" ausgezeichnet. Auch insgesamt ist die Offensive das Prunkstück der Cottbuser. 72 Mal ging der Ball über die Linie, nur Rostock, Aachen, Essen und Verl schossen noch mehr Tore. Mehr als die Hälfte der Treffer geht auf das Konto von Cigerci und Engelhardt, der allein 22 Mal traf.

Hinzu kommt, dass Energie offensiv nur schwer auszurechnen war. Immer wieder gelang es den Lausitzern, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten und mit viel Tempo zum Abschluss zu kommen. Bemerkenswert ist zudem, dass Energie trotz der offensiven Ausrichtung nur selten in Hektik verfiel, sondern auch spielerische Lösungen fand. Vor allem zuhause entwickelte die Mannschaft regelmäßig eine enorme Wucht und riss die Fans mit.

Claus-Dieter Wollitz

Er ist streitbar und schießt auch mal über das Ziel hinaus, hat aber ein sehr gutes Gespür dafür, wie er mit jedem einzelnen Spieler umzugehen hat, Trainer Claus-Dieter Wollitz. Nach dem Auswärtsspiel in Köln etwa erlaubte er King Manu trotz der heißen Phase im Aufstiegskampf, noch vor Ort bei seiner Familie zu bleiben. Das sei "selbstverständlich" gewesen, betonte Wollitz. "Er ist ein Spieler, der diese Begleitung braucht." Auch Timmy Thiele gewährte Wollitz viele Freiheiten. Spieler müssten als Menschen verstanden werden, lautet das Credo von Wollitz.

Dennoch sieht sich Wollitz nicht als ausschlaggebenden Faktor für den Aufstieg: "Ich finde, dass ich nicht im Vordergrund stehen sollte", sagte er am Sonntag bei "Niederlausitz Aktuell". "Wenn ich dazu einen großen Teil beitragen kann, wehre ich mich nicht." Bei aller Kritik an Wollitz wegen seiner mitunter seltsamen Aussagen und seiner explosiven Art gehört zur Wahrheit auch dazu: Er ist sich über die Jahre treu geblieben und hat sich nicht verstellt. "Ehrlichkeit" nennt Wollitz das. Zudem ist es dem gebürtigen Ostwestfalen gelungen, eine neue Identität nach Cottbus zu bringen.

Ruhe im Verein

Früher ging es bei Energie Cottbus hinter den Kulissen oft hoch her, seit einigen Jahren ist das anders. Unter Präsident Sebastian Lemke ist rund um eine Energie eine bemerkenswerte Ruhe eingekehrt, die sich auch auf die Mannschaft übertragen hat. "Es kommt im Profifußball selten vor, dass ein Präsidium einen Staff so arbeiten lässt und Freiheiten gibt", sagte Wollitz am Samstag. "Wenn du mal Fehler machen darfst, bist du freier als Mannschaft."

Tatsächlich vermieden es die Verantwortlichen auch in schwierigeren Phasen der Saison, öffentlich Druck aufzubauen oder hektisch zu reagieren. Stattdessen wurde der eingeschlagene Weg konsequent weiterverfolgt – mit Erfolg. Gerade nach Rückschlägen wie einem zwischenzeitlichen Durchhänger im Frühjahr blieb das Umfeld vergleichsweise ruhig. Auch sportlich zahlte sich diese Stabilität aus. Die Mannschaft wirkte über weite Strecken gefestigt, trat geschlossen auf und ließ sich selbst von Rückschlägen nicht nachhaltig aus der Bahn werfen.

Fazit

Der Aufstieg von Energie Cottbus ist alles andere als ein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer Mannschaft, die Mentalität, offensive Qualität und Geschlossenheit miteinander vereint hat. Gerade die Fähigkeit, Rückschläge wegzustecken und Spiele auch in schwierigen Phasen noch zu drehen, war im engen Aufstiegsrennen entscheidend. Mit Tolcay Cigerci und Erik Engelhardt verfügte Energie zudem über Spieler, die in entscheidenden Momenten Verantwortung übernahmen und den Unterschied ausmachten.

Gleichzeitig schuf Claus-Dieter Wollitz mit seiner emotionalen, aber authentischen Art eine Mannschaft, die an sich glaubte und eine klare Identität entwickelte. Dazu kam die Ruhe im Verein, die es ermöglichte, auch in kritischen Phasen konsequent am eingeschlagenen Weg festzuhalten. Nach Jahren voller Rückschläge hat sich Energie Cottbus damit nicht nur sportlich zurückgemeldet, sondern auch gezeigt, dass der Verein wieder bereit für die 2. Bundesliga ist.

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