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·9. September 2026

Das Vinícius-Dilemma: Real muss ihn jetzt aushalten

Artikelbild:Das Vinícius-Dilemma: Real muss ihn jetzt aushalten
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José Mourinho lobt und kritisiert Vinícius Júnior – Foto: Denis Doyle/Getty Images

Es ist eine eigentümliche Situation, in der sich Real Madrid mit Vinícius Junior befindet. Gerade erst hat der Klub seinen Superstar langfristig gebunden, der neue Vertrag läuft bis 2032. Und wenige Wochen später steht im Bernabéu ein Spieler auf dem Platz, bei dem man sich weiter fragen muss, wie lange man noch auf den alten Vinícius warten muss. Nicht auf den Vini der Vorsaison, sondern den Unterschiedsspieler, der er bis Sommer 2024 gewesen war.


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Beim 2:1 gegen Inter zum Champions-League-Auftakt war davon jedenfalls wenig bis nichts zu sehen. Offensiv blieb Vinícius erneut wirkungslos, wie schon in den bisherigen Auftritten der aktuellen Saison. Die explosiven Antritte, die Unberechenbarkeit, die Aktionen, mit denen er Spiele im Alleingang kippen kann – all das fehlte wieder einmal weitestgehend. Dafür war er defensiv auffällig bemüht, lief viel, half seiner Mannschaft und arbeitete fleißig gegen den Ball. José Mourinho hob nach dem Spiel genau das hervor, gleichzeitig sagte der Trainer aber auch das Offensichtliche: Vinícius ist momentan nicht in Form.

Das Problem ist: Bei Vinícius reicht „bemüht“ für Real Madrid langfristig nicht. Das Publikum im Bernabéu hat das gegen Inter deutlich gemacht: Bei seiner Auswechslung kurz vor Spielende mischten sich Pfiffe und Applaus und Vini applaudierte zurück, während Mourinho ihn mit aufmunternden Gesten Richtung Bank begleitete. Es war das Bild eines Spielers, der gerade wahrscheinlich mehr Unterstützung braucht, als dass er sie seinem Team geben kann.

Nun hat Real Madrid sich diese Situation allerdings ein Stück weit selbst geschaffen. Mit der Verlängerung bis 2032 hat der Klub eine klare Entscheidung getroffen: Vinícius soll weiterhin einer der großen Stars dieser Mannschaft sein. Real hat sich damit nicht nur für die Vergangenheit bedankt, sondern auf die Zukunft gewettet. Und genau deshalb kann und darf der Verein jetzt nicht bei jeder schwachen Leistung nervös werden und so tun, als wäre der Brasilianer irgendein austauschbarer Kaderspieler. Real muss Vini aushalten. Und hoffen, dass er in absehbarer Zeit endlich wieder zu dem Unterschiedsspieler von früher wird.

Das klingt härter, als es gemeint ist, denn Vinícius hat sich dieses Vertrauen in der Vergangenheit verdient. Er war entscheidend an den Champions-League-Triumphen 2022 und 2024 beteiligt, wurde 2024 zum FIFA-Weltfußballer gewählt und hat in acht Jahren zu zahlreichen weiteren Triumphen und Titeln entscheidend beigetragen. Allerdings ist Vergangenheit im Fußball, umso mehr bei Real Madrid, kein Freifahrtschein für die Gegenwart. Deshalb darf man auch seine aktuelle Form kritisieren. Man darf feststellen, dass sein Spiel momentan nicht dem Niveau entspricht, das Real Madrid von ihm braucht. Und man muss auch verstehen, wenn das Bernabéu irgendwann ungeduldig wird.

Was Real Madrid allerdings nicht kann, ist die eigene Entscheidung rückgängig machen. Der Vertrag bis 2032 ist nunmal unterschrieben. Und wichtiger noch: Der Klub hat mit dieser Verlängerung seine Überzeugung dokumentiert, dass Vinícius langfristig wieder der Spieler sein kann, der Spiele entscheidet. Also bleibt nur eines: warten und hoffen. Warten auf die Form, auf die Leichtigkeit, auf den Vinícius, der nicht zehn Aktionen braucht, um einmal gefährlich zu werden, sondern mit einer einzigen Aktion ein Spiel verändert.

Mourinhos Botschaft nach dem Inter-Spiel war deshalb vielleicht die vernünftigste: Wer alles gibt, verdient Respekt, aber für Vinícius muss der nächste Schritt trotzdem kommen und das schnell. Einsatz kann man ihm nicht absprechen, Leistung darf man trotzdem verlangen.

Real Madrid hat sich bis 2032 für Vinícius entschieden. Jetzt muss der Klub hoffen, dass Vinícius sich wieder für Real Madrid entscheidet, und zwar mit den Leistungen, die ihn einst unverzichtbar gemacht haben. Bis dahin bleibt dem Verein wenig anderes übrig, als ihn auszuhalten. Vinícius auf die Bank setzen? Ihn nach ein paar schlechten Wochen abschreiben? Einen Spieler, den man gerade bis 2032 gebunden hat, plötzlich wie ein Problem behandeln? Das wäre nicht konsequent, sondern absurd.

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