90PLUS
·7. Juli 2026
De Ketelaere: Zwei Tore, die Millionen wert sind

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·7. Juli 2026

Drei Gruppenspiele, null Tore. Gegen Senegal zur Pause vom Platz genommen, weil einfach nichts kam. Und dann, gegen die USA: neunte Minute, 33. Minute, dazu eine Vorlage. Charles De Ketelaere hat 90 Minuten gebraucht, um aus einem WM-Sorgenkind das heißeste Preisschild des Sommers zu machen.
Man muss sich die Fallhöhe vergegenwärtigen. Noch am vergangenen Mittwoch stand De Ketelaere im Sechzehntelfinale gegen Senegal so neben sich, dass Rudi Garcia ihn zur Halbzeit durch Romelu Lukaku ersetzte – beim Stand von 0:1, in einem Spiel, das Belgien erst in einer irrwitzigen Schlussphase noch mit 3:2 nach Verlängerung drehte. Der Mann von Atalanta Bergamo war bis dahin bei diesem Turnier torlos geblieben. In Belgien wurde bereits diskutiert, ob Lukaku nicht die bessere Startelf-Lösung sei.
Fünf Tage später köpfte derselbe De Ketelaere die USA aus ihrer eigenen WM. Das 1:0 nach neun Minuten, aus drei Metern eingeschoben nach feinem Dribbling durch den Strafraum. Das 2:1 in der 33. Minute, per Kopf nach Trossard-Flanke, keine zwei Minuten nach dem amerikanischen Ausgleich. Und beim 3:1 war es sein Anlaufen, das US-Keeper Matt Freese zu jenem Ballverlust zwang, den Hans Vanaken aus 30 Metern ins leere Tor veredelte. Belgiens Verband feierte den 4:1-Erfolg im Achtelfinale – den höchsten belgischen Sieg in einem WM-K.-o.-Spiel – und die Fans tauften den Matchwinner „König Charles“.
Wer in diesen Stunden von durchgesickerten Premier-League-Angeboten liest, sollte genau hinschauen. Die Frage ist nämlich nicht, ob auf Atalantas Schreibtisch bereits Offerten liegen – nach allem, was seriös berichtet wird, tun sie das nicht. Die Frage ist, was dieser Doppelpack mit dem Preis macht, den die Bergamasken aufrufen können.
Die Ausgangslage vor dem Turnier war klar umrissen: Laut Fabrizio Romano gilt ein erstes Angebot von 55 bis 60 Millionen Euro lediglich als Eröffnung der Verhandlungen. Atalantas Haltung ändert sich erst bei Summen jenseits der 70 Millionen. Manchester City führt den Belgier als Backup-Option, falls die eigenen Wunschkandidaten nicht zu haben sind, mehrere weitere Premier-League-Klubs beobachten die Personalie – allerdings in einem frühen Stadium. Auch Borussia Dortmund wurde zuletzt genannt. Die im Juni heiß gekochte Bayern-Spur dagegen ist kalt: Sky-Reporter Florian Plettenberg stellte klar, De Ketelaere stehe in München „nicht mal auf der Liste“.
Bergamo verkauft. Immer. Aber nie unter Wert – das ist das Geschäftsmodell, das aus Cristian Romero einst ein 50-Millionen-Geschäft machte. Bei De Ketelaere sieht die Kalkulation so aus:
Ein Detail macht die Sache teurer, als sie ohnehin ist: Die AC Milan hält eine Weiterverkaufsbeteiligung von zehn Prozent aus dem Deal von 2024. Jeder Euro, den Atalanta kassiert, wird also anteilig nach Mailand durchgereicht – und jeder Euro, den De Ketelaere bei dieser WM zusätzlich wert wird, entlastet diese Rechnung. Zwei Tore und eine Torbeteiligung im Achtelfinale einer Weltmeisterschaft, vor globalem Publikum, gegen den Gastgeber: Bergamo hätte sich kein besseres Schaufenster kaufen können.
De Ketelaere ist 25, 1,92 Meter groß, Linksfuß – und positionell ein Chamäleon. Zehner, hängende Spitze, Mittelstürmer, notfalls rechter Flügel: In Bergamo hat er unter Gasperini und dessen Nachfolge gelernt, alle Rollen im letzten Drittel zu bespielen. Genau dieses Profil suchen englische Klubs, die keine 100 Millionen für einen reinen Neuner ausgeben wollen. Dass der Belgier seit einiger Zeit mit der Agentur CAA Stellar arbeitet, einer der bestvernetzten Adressen im englischen Markt, ist in diesem Zusammenhang kein Zufall, sondern ein Signal.
Und die Vorgeschichte gibt der Sache Fallhöhe: 2022 kam er als 35-Millionen-Hoffnung zu Milan und ging als Flop. In Bergamo wurde aus dem Missverständnis ein Europa-League-Sieger. Wer ihn jetzt holt, kauft nicht das Versprechen von damals – sondern den fertigen Spieler.
Bevor irgendein Klub ernst macht, hat De Ketelaere Dringenderes zu tun. Am Freitag (21 Uhr MESZ) wartet in Inglewood Europameister Spanien im Viertelfinale – der bislang härteste Prüfstein für eine belgische Mannschaft, die gegen die USA ihre beste Turnierleistung zeigte und das ohne De Bruyne und Doku in der Startelf. Gelingt gegen Spanien der nächste große Auftritt, verschiebt sich Atalantas Schmerzgrenze weiter nach oben. Gelingt er nicht, bleibt immer noch ein WM-Doppelpack im Schaufenster.
So oder so: Der Sommer wird über De Ketelaere verhandelt, nicht mit ihm als Bittsteller. Vor einer Woche war er ein Auswechselkandidat. Heute ist er das Preisschild dieser WM. Wer glaubt, Atalanta lasse sich davon nicht bezahlen, kennt Bergamo nicht.
De Ketelaere erzielte beim 4:1 im WM-Achtelfinale gegen die USA die Treffer zum 1:0 (9. Minute, aus kurzer Distanz) und zum 2:1 (33. Minute, per Kopf nach Trossard-Flanke). Am 3:1 durch Vanaken war er ebenfalls beteiligt, weil sein Anlaufen den Ballverlust von US-Keeper Freese erzwang.
Nein. Mehrere Premier-League-Klubs beobachten den Belgier, Manchester City führt ihn als Backup-Option. Ein konkretes, eingereichtes Angebot ist bislang aber nicht bekannt – berichtet werden lediglich Preisvorstellungen und frühes Interesse.
Laut Fabrizio Romano gilt eine Eröffnungsofferte von 55 bis 60 Millionen Euro als Verhandlungsbeginn. Atalanta soll seine Haltung erst bei Angeboten oberhalb von 70 Millionen Euro überdenken. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft bis Juni 2028.
Ja. Milan sicherte sich beim Verkauf 2024 (rund 23,7 Millionen Euro) eine Weiterverkaufsbeteiligung von zehn Prozent. Bei einem 70-Millionen-Transfer würden also etwa sieben Millionen Euro nach Mailand fließen.
Belgien trifft am Freitag um 21 Uhr MESZ in Inglewood bei Los Angeles auf Europameister Spanien. Es ist das erste WM-Viertelfinale der Belgier seit 2018.







































