dieblaue24
·6. März 2026
Der Biss des Löwen 2.0 - ohne Planeten

In partnership with
Yahoo sportsdieblaue24
·6. März 2026

Es war vor ein paar Jahren, als der TSV 1860 immer wieder versuchte aufzusteigen – aber eines nicht hatte: eine ordentliche Breite im Kader. Gebetsmühlenartig wiederholte ich dieses offensichtliche Handicap („1860 fehlt’s an der Breite!“), was bei diversen Giesinger Experten schon für einige Lacher sorgte. Nun gut.
Im vergangenen Sommer stand man an der Grünwalder Straße 114 ebenfalls wieder vor der Frage: Was machen? Die Ismaik-Leute im Aufsichtsrat setzten sich schließlich durch und sorgten dafür, dass neben dem Start-Etat ein zusätzliches Budget von rund einer Million Euro in den Drittliga-Kader gepumpt werden konnte. Nicht alle im Klub sollen das seinerzeit gut gefunden haben, heißt es. Aber mit der richtigen Strategie ist das eben so eine Sache – bei Münchens geilstem Klub.
Im Nachgang stellt sich nun heraus, dass diese All-in-Variante nicht die schlechteste für den Klub war. Denn erst dadurch konnten Spieler wie Überperformer Thomas Dähne oder Speed-Löwe Sigurd Haugen (elf Saisontreffer trotz Maske) überhaupt verpflichtet werden. Für Haugen zahlte man eine überschaubare Ablösesumme. Beide Spieler heben die Löwen auf ein anderes Level. Sie sind Unterschiedsspieler – neben Ex-Bundesliga-Star Kevin Volland, der auf viel Geld verzichtete, um noch einmal für seinen Lieblingsklub die Knochen hinzuhalten.
Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Ex-Geschäftsführer Dr. Christian Werner, der im September zur Überraschung vieler entlassen wurde, nach dem 2:1-Sieg über Aue am Mittwoch einen Post auf Social Media mit dem Titel „Löwen on fire“ teilte. Die Botschaft: 1860 hat nach 27 Spieltagen mit 45 Zählern den besten Punkteschnitt der eigenen Drittliga-Geschichte. Eine versteckte Botschaft an Präsident Gernot Mang & Co.? Möglich.
Tatsache ist: Der Kader, der in den letzten Monaten brutale Rückschläge durch zahlreiche Ausfälle und Schiedsrichter-Entscheidungen erlitten hat, zeigt sich in diesen Tagen nicht nur willensstark und leidenschaftlich, sondern auch stressresistent und breit aufgestellt. Logisch: Fußballerisch ist weiterhin Luft nach oben (der kreuzbandbedingte Kreativ-Ausfall von Tunay Deniz ist eben zu spüren) – aber solange 1860 siegt, wird das den treuen Fans ziemlich egal sein.
Was ebenfalls auffällt: Spieler, die bei Ex-Trainer Patrick Glöckner schon abgeschrieben waren oder zumindest einen schweren Stand hatten, zeigen plötzlich starke Leistungen – wie Haugen, Philipp Maier, Max Reinthaler oder der Österreicher Raphael Schifferl, der heute in Köln leider fehlen wird.
Doch um das zu erkennen, brauchte es auch eine gewisse Trainer-Erfahrung – und die bringt Markus Kauczinski mit. Der 56-Jährige hat den Kader trotz aller Widerstände zum Laufen gebracht. Sein Anteil am jüngsten Höhenflug der Löwen ist kaum hoch genug zu bewerten. Er kennt die Dritte Liga – und bei ihm zählt vor allem das Leistungsprinzip. Auf Namen nimmt er keine Rücksicht (siehe Florian Niederlechner oder Jesper Verlaat). Auch das ist ein entscheidendes Puzzleteil seiner Mannschaftsführung. Bei ihm spielen diejenigen, die sich Tag für Tag aufdrängen.
Auch wenn Kauczinski mit seiner pragmatischen Herangehensweise eigentlich nicht der typische Löwen-Trainer ist, macht er einen herausragenden Job bei 1860 – was unschwer auch an seinem Punkteschnitt von 1,9 abzulesen ist. Kauczinski brauchte für den Biss des Löwen keine aus dem Hintergrund angeschobene Planeten-Präsentation, sondern hat einfach gemacht. Er ist kein Theoretiker, sondern ein Praktiker. Das Ergebnis ist: Der Biss des Löwen 2.0.
Dass Kauczinski heute die Löwen lenkt, dafür darf sich auch Geschäftsführer Manfred Paula durchaus auf die eigene Schulter klopfen – auch wenn die Trainersuche damals zu lange gedauert hat. Paula hat verstanden, dass 1860 nur mit Erfahrung auf der Trainerbank funktioniert.Ob es am Ende tatsächlich zum Aufstieg reicht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Es wäre jedenfalls schade, wenn zur Rückkehr in die Zweite Liga am 38. Spieltag nur ein paar Pünktchen fehlen würden.
Live









































