FC Bayern München
·3. Mai 2026
Der lange Weg von Bara Sapoko Ndiaye zum FC Bayern

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·3. Mai 2026

Aus einer Kleinstadt im Senegal auf die große Bühne der Bundesliga: Im April gab Bara Sapoko Ndiaye sein Debüt für den FC Bayern – und macht mit seiner Erfolgsgeschichte Kindern in seiner Heimat Mut, an ihre Träume zu glauben.
Als in der 84. Minute im Millerntor-Stadion die Auswechseltafel hochgeht, ist Bara Sapoko Ndiaye längst bereit. Die 39 leuchtet grün auf, der junge Senegalese kommt in wenigen Sekunden für Jamal Musiala ins Spiel. Ein kurzer Blick zum Himmel, ein letztes Wort mit Cheftrainer Vincent Kompany – dann gehört die Bühne ihm. Als Bara mitten im Lärm der Bundesliga sein Debüt für den FC Bayern feiert, gibt es auch Tausende Kilometer weiter südlich, im westafrikanischen Land Gambia, kein Halten mehr. In seiner früheren Jugendakademie bejubeln Kinder vor den Bildschirmen seine Einwechslung, tanzen auf den Tischen und schreien seinen Namen. Die Videos davon gehen kurz nach dem Spiel in den sozialen Medien viral. Und Baras großer Traum, den viele junge Spieler in seiner Heimat träumen, wird Wirklichkeit.
Drei Tage zuvor sitzt Bara in einem unscheinbaren Raum im Leistungszentrum an der Säbener Straße, gleich hinter dem Kino, in dem die Videoanalysen stattfinden. Weiße Wände, eine Tafel, zwei Tische, ein Regal mit Büchern, ein Fernseher. An der Decke klebt ein Zitat von Muhammad Ali. Hier findet Baras Deutschunterricht statt. Der 18-Jährige sitzt entspannt in Trainingskleidung am Tisch, er trägt eine kurze Hose, ein Sweatshirt und Hausschuhe. Ihm gegenüber sitzt Deutschlehrer Max Steegmüller.
Heute steht Grammatik auf dem Plan: regelmäßige und unregelmäßige Verben, dazu verschiedene Zeitformen. Die beiden sprechen überwiegend Deutsch miteinander, bei Bedarf helfen Englisch oder Französisch weiter.
„Er ist sehr fokussiert und total motiviert, Deutsch zu lernen“, sagt Steegmüller. Seit Oktober des vergangenen Jahres hat Bara regelmäßig Unterricht, drei- bis viermal pro Woche, je nach Trainingsplan zwischen 30 und 60 Minuten. Als er für ein paar Wochen in Gambia war, organisierte er sich selbst Online-Unterricht und wollte am liebsten jeden Tag lernen. „Es ging so weit, dass ich ihn bremsen musste, weil er selbst am Sonntag noch lernen wollte“, erzählt Steegmüller. Am Ende der Unterrichtseinheit richtet er den Blick nach vorne: „Nächste Saison machen wir dein erstes Interview auf Deutsch.“ Bara zögert keine Sekunde. „Machen wir.“ Ein Handschlag besiegelt den Deal.
Kurz darauf geht es auf den Rasen. Wie gewohnt mischt Bara im Training der Profis mit. Gemeinsame Einheiten mit Michael Olise, Harry Kane und Co. sind für ihn inzwischen Alltag geworden – noch vor wenigen Monaten spielte er jedoch unter gänzlich anderen Bedingungen auf einem anderen Kontinent. „In Gambia habe ich immer gegen Gleichaltrige gespielt, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier trainiere ich mit Weltklassespielern und habe mit Vincent Kompany einen Top-Coach. Das genieße ich sehr und sehe es auch als große Chance“, sagt Bara. Ausgebildet wurde er nämlich bei den Gambinos Stars Africa in Gambia. Die Akademie kooperiert seit 2023 mit Red&Gold Football, dem Joint Venture des FC Bayern mit dem Los Angeles FC zur internationalen Talententwicklung. Diese öffnete Bara früh die Tür nach Europa.
Bereits 2025 trainierte er zwei Monate lang bei den Amateuren und der U19 des FC Bayern mit und absolvierte erste Einheiten mit den Profis. Im Sommer ging es für ihn zu den Grasshoppers Zürich, wo er die Sommervorbereitung mitmachte und in Freundschaftsspielen gegen Celta Vigo und den FC Bayern zum Einsatz kam. Im vergangenen Winter erreichte sein Aufstieg einen ersten Höhepunkt: Per Leihe wechselte Bara von den Gambinos Stars Africa zum FC Bayern und ist seitdem Teil der Profimannschaft.
Für Bayern-Sportdirektor Christoph Freund wurde schnell klar, dass die Verpflichtung des zentralen Mittelfeldspielers der richtige Schritt war. „Wir wollten uns ein noch genaueres Bild machen und ihm die Zeit geben, sich bei uns zu akklimatisieren. Deswegen haben wir ihn schon im Winter zu uns geholt“, erklärt er. „Das war im Nachhinein die völlig richtige Entscheidung. Wir sehen Woche für Woche, wie er sich immer besser anpasst. Er ist schnell ein guter Teil der Mannschaft geworden“, sagt Freund. Auch Cheftrainer Vincent Kompany findet für den Senegalesen lobende Worte: „Er ist ein junges Talent, der als Mittelfeldspieler viel Tempo mitbringt. Es läuft gut für ihn.“ Am FC Bayern Campus brach Bara mit einer gemessenen Geschwindigkeit von mehr als 36 Stundenkilometern sogar den dortigen Geschwindigkeitsrekord. „Bara ist ein richtig guter Charakter und kommt auch in der Kabine gut an. Er ist sehr engagiert und fleißig – auf dem Platz sowie abseits davon“, sagt Freund. „Ihm war es sofort wichtig, sich verständigen zu können. Dass er sich hier so schnell eingefügt hat, ist alles andere als selbstverständlich – insbesondere wenn man von einem anderen Kontinent kommt.“
Nach dem Training wird Bara noch behandelt und hat anschließend eine Besprechung. Erst am späten Nachmittag steigt er ins Auto und fährt zurück in Richtung Campus. Dort lebt er seit seinem Wechsel nach München in einem Internatszimmer. Während der Fahrt spricht Bara darüber, wie groß der Schritt von Afrika nach Deutschland war: ein neues Land, ein anderes Klima, eine fremde Kultur. „An das Wetter musste ich mich erst gewöhnen. Ich vermisse das Essen, vor allem aber meine Familie und Freunde“, sagt er.
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Auf sich allein gestellt zu sein, musste er schon früh lernen. Seine fußballerischen Anfänge machte er im Senegal, wo er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in einer Kleinstadt in der Nähe der Hauptstadt Dakar lebte. Ob zu Hause, in der Schule, in der Freizeit – immer war der Ball dabei. „Die Plätze waren nicht gut, aber wir hatten trotzdem großen Spaß“, erzählt Bara. Meist spielte er mit seinen Cousins oder anderen Kindern aus der Nachbarschaft, bis er eines Tages an einem Sichtungstraining der Gambinos teilnahm und von Scouts entdeckt wurde. Nach einem dreiwöchigen Probetraining wurde er dort 2022 aufgenommen. Immer wieder kam er für längere Zeit zu den Gambinos. In der Akademie erhielt er Unterkunft, Verpflegung und eine schulische Ausbildung. Seine Mutter blieb im Senegal. „Das war sehr schwer für mich. Ich habe eine sehr enge Bindung zu ihr. Alles, was ich mache, mache ich auch für sie“, sagt Bara. Fast täglich telefonieren sie miteinander, natürlich auch nach seinem Debüt. Neben seiner Mutter gibt ihm auch sein Glaube Halt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott einen entscheidenden Anteil daran hat, dass ich heute dort bin, wo ich bin“, sagt Bara. Deswegen hat Bara auch eine Bibel aus seiner Heimat mit nach München gebracht.
Trotz der großen Umstellung fühlte er sich beim FC Bayern schnell wohl. Anfangs hatte er aber durchaus Respekt vor diesem Schritt. „Bei meinem ersten Training mit den Profis war ich sehr nervös. Außerdem bin ich mit einer Verletzung angereist, das war nicht ganz so einfach für mich“, erzählt er. Die Mannschaft habe ihn aber sofort gut aufgenommen. Dass viele Spieler Französisch sprechen, habe ihm den Start enorm erleichtert. Sein Landsmann Nicolas Jackson, Raphaël Guerreiro, Jonathan Tah und die französischen Nationalspieler Michael Olise und Dayot Upamecano gehören dazu. Mit Letzterem war Bara schon mehrfach essen, er sei für ihn inzwischen „wie ein älterer Bruder“. Ihre Wurzeln verbinden sie zusätzlich: Sowohl Baras als auch Upamecanos Mutter kommen aus demselben Ort in Guinea-Bissau. Bei der Eingewöhnung halfen ihm zudem viele Gespräche mit dem Trainerteam und dem ebenfalls Französisch sprechenden Cheftrainer Vincent Kompany. Ein Ratschlag des Belgiers blieb ihm besonders in Erinnerung: „Arbeite weiter hart an dir und versuche, immer mehr zu machen als die anderen. Das macht den Unterschied.“
Deswegen ordnet Bara alles dem Fußball unter. Sein Alltag spielt sich zum Großteil zwischen der Säbener Straße und dem Campus ab. Wenn er freihat, geht er gerne essen oder schaut Animes. Sein Ziel definiert er klar: „Ich will auf höchstem Niveau spielen und eines Tages für die Nationalmannschaft des Senegal auflaufen.“ Und dann werden in Gambia sicher wieder Kinder auf den Tischen tanzen.
Der Text erschien in der aktuellen Ausgabe des FC Bayern Mitgliedermagazins „51“ – hier in einer gekürzten Fassung:






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