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·28. Juli 2026
Der Stratege hinter den Kulissen – Tim Steidtens Arbeit beim 1. FC Köln

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Elias Schnaubelt
28 Juli, 2026
Noch vor wenigen Monaten war der Name Paul Okon-Engstler den Meisten wohl völlig unbekannt. Inzwischen sorgt der 21-Jährige im Trainingslager der Kölner in Kitzbühel für einen vielversprechenden Eindruck. Doch wie findet man eigentlich einen Spieler, den kaum jemand auf dem Zettel hat? Und noch viel wichtiger: Wer findet einen solchen Spieler?
Tim Steidten vom 1. FC Köln
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In diesem Fall hört dieser Jemand auf den Namen Tim Steidten, ist 47 Jahre alt und bekleidet die Rolle des „Direktor Recruiting und Kaderplanung“ beim 1. FC Köln. „Meine Hauptgebiete sind Scouting und Recruitment, damit bin ich verantwortlich für die Scoutingabteilung und die Kaderzusammenstellung. Wir erarbeiten in enger Abstimmung mit Thomas Kessler und René Wagner Profile für Spieler und machen Vorschläge für den Kader“, sagt Steidten. Dabei ist ihm diese Position keineswegs zugefallen. Schritt für Schritt bewegte er sich durch gute Arbeit auf der Karriereleiter nach oben.
Begonnen hat sein Weg als Nachwuchsscout bei Werder Bremen. Zwischen 2008 und 2019 bekleidete Steidten diverse Rollen bei den Werderanern, wo er maßgeblich an der Verpflichtung von Serge Gnabry sowie der Leihe von Kevin de Bruyne an die Weser beteiligt war. Im Anschluss setzte er seinen Weg als Leiter der Scouting-Abteilung bei Bayer Leverkusen fort. In dieser Rolle versetzte Steidten dem 1. FC Köln mit der Verpflichtung von Florian Wirtz einen Stich ins Herz. Zudem lotste er in seiner anschließenden Rolle als Kaderplaner zahlreiche Spieler zur Werkself, die einen maßgeblichen Anteil an der Double-Saison hatten. 2023 zog es den 47-Jährigen auf die Insel zu West Ham United, wo er unter anderem die Verpflichtung des kolportierten Kölner Wunschtransfers Edson Álvarez eintütete.
Nun ist Steidten also beim FC. Hier bringt er seine ganze Expertise ein, um für René Wagner und Thomas Kessler die passenden Puzzleteile für die Lücken im Kader zu finden. „Den Prozess kann man sich folgendermaßen vorstellen: Wir besprechen mit den beiden, wo wollen wir hin, was wollen wir spielen lassen, wie ist unsere Identität? Daraus ergeben sich dann die Profile und Aufgaben für die Scouting-Abteilung“, so Steidten. Doch wie sieht das eigentlich genau aus? Mit Block und Stift auf der Tribüne sitzend, ständig am Pendeln zwischen den Stadien dieser Welt? Das Fixieren auf wenige Zielmärkte? Nun gut, so war das vielleicht früher einmal, jedoch auch nicht überall – die Digitalisierung hat das Geschäft verändert. „Noch vor ein paar Jahren gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und man konnte es sich natürlich finanziell nicht erlauben, permanent um die ganze Welt zu fliegen. Aufgrund des Datenscoutings ist es heutzutage möglich, diesen Blick zu haben und dann gezielt Spieler anzuschauen“, so Steidten. Heutzutage dienen moderne Scouting-Tools als starke Verbündete.
Diese ermöglichen es sogar, nach spezifischen Aktionen gefilterte Videoausschnitte zu Spielern aus aller Welt einzusehen. Ganz bequem vom Büro aus. Doch ein wichtiger Schritt erfolgt noch zuvor: Die Filterung. Im modernen Fußball wird jede Aktion statistisch erfasst. Wirklich jede. Sucht man jetzt also beispielsweise einen Spieler für die linke Außenbahn, der viele erfolgreiche Dribblings ausführt, so filtert man im Datenanbieter seiner Wahl nach diesem Wert, und voilà, erhält die Spieler, die diesem Wert entsprechen. Je enger und spezifischer die Filterung, desto weniger Spieler kommen am Ende in Frage – und desto besser passt ein Spieler ins gesuchte Profil. Diese enge Auswahl an Spielern präsentiert Steidten schlussendlich Cheftrainer René Wagner, allerdings nicht, wie man es erwarten würde.
„Zu Beginn des Prozesses sprechen wir nur über die Profile, nicht über Namen. Das kommt im zweiten Schritt, wenn wir uns konkret mit der Persönlichkeit beschäftigen. Was ist das für ein Typ, was ist das für ein Mensch, passt er charakterlich zu uns?“, erläutert Steidten selbst. So diskutiert man einzig die Spielerprofile und umgeht das Risiko, einen Spieler einzig aufgrund seines großen Namens zu kaufen. Ob und wie ein Transfer letzten Endes zustande kommt, hängt jedoch nicht nur von den analysierten Daten ab. Der Fokus des Kaderplaners liegt hierbei abseits vom Spielfeld. „Die menschliche Komponente ist das Entscheidende. Die Daten können noch so gut sein, wenn das gegenseitige Verständnis nicht passt, gibt es keine Verpflichtung.“
In seiner kurzen Amtszeit beim 1. FC Köln konnte Tim Steidten bereits vielversprechende Akteure von einem Wechsel an den Rhein überzeugen. Schon bei seinen vorherigen Stationen war er für datenbasiertes Scouting in internationalen Märkten bekannt. So verfügt Steidten über ein breites Netzwerk, unter anderem in der englischen Premier League. Nicht zuletzt durch seine Zeit bei West Ham United kann der 47-Jährige auf enge Verbindungen zu Beratern und Sportchefs auf der Insel zählen. „Das ist natürlich kein Nachteil. Dadurch, dass ich dort gearbeitet habe, habe ich viele Kontakte und es ist einfacher in Gespräche zu kommen“, so Steidten. „Aber dieser Markt war auch schon vorher ein Thema beim FC, bereits im Winter kam ja zum Beispiel Jahmai.“
Beim Transfer von Offensivtalent Reigan Heskey wird sich das mit Sicherheit auch ausgezahlt haben. Die Verpflichtung des 18-jährigen Briten spiegelt indes eine Kölner Transferstrategie wider: „Wir wollen mit dem FC eine Nische besetzen, da wir bei der Verpflichtung von Spielern in Konkurrenz zu allen anderen Clubs stehen“, erläutert Steidten. „Diese Plattform, in einer der fünf großen Ligen in Europa zu spielen, ist eines der wichtigsten Argumente.“ Unterm Strich dienen diese Transfers langfristig auch als Aushängeschild für die Kölner.
Die Fans können sich mit Sicherheit noch auf viele weitere spannende Transfers unter der Regie des Kaderplaners freuen. Ob Tim Steidten nach Leverkusen noch einem weiteren NRW-Verein zu einer Meisterschaft verhelfen kann? Nun ja, Träumen darf ja erlaubt sein.
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