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·12. Juni 2026

Der türkische Wikinger: Wie Deniz Gül zu Montellas WM-Waffe wird

Artikelbild:Der türkische Wikinger: Wie Deniz Gül zu Montellas WM-Waffe wird

In einer Zeit, in der die türkische Nationalmannschaft auf der Suche nach einem klassischen, physischen Mittelstürmer ist, ragt ein junger Riese besonders heraus: Deniz Gül. Der 1,92 Meter große Sturmtank aus Stockholm, verkörpert genau das, was viele Türken lange vermisst haben. Daher wollen wir für euch das Porto-Talent hinsichtlich der WM genauer vorstellen. Sascha Baharian als Experte von Kickfieber.de hat eine ausführliche Analyse zum im deutschen Karlsruhe geborenen italienischen Übungsleiter erstellt und die Besonderheiten von Italiano beleuchtet.

Werdegang – Von den Stockholmer Vororten bis nach Porto

Deniz Daniel Gül wurde am 2. Juli 2004 in Stockholm geboren und wuchs südlich der schwedischen Hauptstadt auf. Seine fußballerische Laufbahn begann bei lokalen Vereinen wie Stuvsta IF und Segeltorps IF, bevor er Stationen bei IF Brommapojkarna, AIK und FC Djursholm durchlief.


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2021 wechselte der damals 16-Jährige in die Jugendakademie von Hammarby IF, wo er sich rasch als torgefährlicher Angreifer etablierte. In der U17-Saison 2021 wurde er Torschützenkönig der Nord-Staffel der schwedischen U17-Allsvenskan, und 2022 führte er Hammarby zur Meisterschaft in der U19-Allsvenskan – erneut als Top-Torjäger und zum „Stürmer des Jahres“ gekürt.

Bereits 2022 debütierte er im Profikader von Hammarby in der Allsvenskan (1. Liga in Schweden), doch der Durchbruch kam vor allem über das Farmteam Hammarby TFF in der dritten Liga: 14 Tore in 23 Einsätzen 2023 unterstrichen sein Potenzial. In der Saison 2024 etablierte er sich mit starken Leistungen, drei Toren und einem Assist bei den Profis und weckte internationales Interesse.

Im August 2024 wechselte er dann für rund 4,5 Millionen Euro zum FC Porto, wo er einen Vertrag bis 2029 unterschrieb. Sein Debüt in der UEFA Europa League gegen Bodø/Glimt krönte er mit seinem ersten Europapokal-Tor, kurz darauf folgte sein erster Treffer in der Primeira Liga gegen Arouca. In der Saison 2025/26 hat er sich weiter gesteigert und in der Liga bereits 5 Tore und ein Assist beigesteuert, was seine Anpassung an das hohe Niveau zeigt.

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Privater Hintergrund und Einfluss auf Charakter und Mentalität

Gül ist Sohn eines türkischen Vaters und einer schwedischen Mutter, was seine hybride Identität prägt. Geboren und aufgewachsen in Schweden, fühlte er sich dennoch stark mit den Wurzeln seines Vaters verbunden. Diese duale Herkunft spiegelt sich in seiner Entscheidung wider, nach Einsätzen für schwedische Jugendnationalteams (U19 und U21) im November 2024 zum türkischen Verband zu wechseln.

„Ich habe meinen Traum verwirklicht. Da ich seit meiner Kindheit immer davon geträumt habe für die türkische Nationalmannschaft zu spielen“, erklärte er später – ein Satz, der die emotionale Tiefe seiner Wahl unterstreicht.”

Diese kulturelle Brücke hat seine Mentalität vermutlich positiv beeinflusst: Die schwedische Ausbildung förderte Disziplin und technische Grundlagen, während die türkische Seite Leidenschaft, Kampfgeist und familiäre Bindung einbrachte. In Interviews wirkt er bodenständig und fokussiert, mit einer ruhigen Entschlossenheit.

Der Wechsel nach Porto, fernab der Heimat, unterstreicht seine Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen – ein Charakterzug, der aus der multikulturellen Erziehung stammen dürfte. Solche Bedingungen schaffen oft resiliente Spieler, die Druck besser verarbeiten und eine starke innere Motivation mitbringen.

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Foto: IHA

Spielerprofil: Physischer Mittelstürmer mit Entwicklungspotenzial

Deniz Gül verkörpert den prototypischen modernen Mittelstürmer mit beeindruckender physischer Präsenz. Mit seiner Größe von 1,92 Metern und seiner athletischen Statur bringt er eine enorme Durchsetzungskraft mit, die ihn besonders bei Kopfballduellen und im Strafraum zu einer ständigen Gefahr macht. Er ist stark im Zweikampf, gewinnt viele Bälle durch seine Robustheit und kann Gegner mit explosiven Antritten und kraftvollen Läufen hinter die Abwehrkette ziehen.

Diese physischen Attribute erlauben es ihm, nicht nur als reiner Vollstrecker zu agieren, sondern auch als Zielspieler, der Bälle festmacht und Mitspieler einbindet. Trainer loben immer wieder seine Laufstärke, sein Pressing und die Fähigkeit, aus der zweiten Reihe oder mit Distanzschüssen gefährlich zu werden – Eigenschaften, die ihn zu einem vielseitigen Angreifer machen, der über das klassische Mittelstürmer-Dasein hinausgeht.

“Er ist ein physisches Monster, aber trotzdem ein technisch sehr guter Fußballer”, lobte ihn sein ehemaliger Mitspieler Nahir Besara von Hammarby.

Seine mentale Stärke und sein Torinstinkt gehören ebenfalls zu den großen Pluspunkten. Gül wirkt oft unkompliziert und selbstbewusst vor dem Tor, was sich in seiner Jugend durch hohe Trefferquoten und in wichtigen Momenten bei Porto und der Nationalmannschaft zeigte, etwa bei seinem Europapokal-Tor oder den beiden Treffern für die Türkei.

Er bringt eine hungrige, kämpferische Mentalität mit, die ihn gerade in engen Spielen zu einem wertvollen Aktivposten macht, und seine technische Grundausstattung erlaubt ihm gute Ballmitnahme sowie gelegentliche Dribblings, mit denen er Räume schaffen kann.

“Deniz ist ein Spieler der immer hart für uns arbeitet, 100 Prozent auf dem Feld gibt und seine Mitspieler in Szene setzt”, lobte ihn Porto-Coach Francesco Farioli.

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Die Entwicklungsfelder

Auf der anderen Seite gibt es Bereiche, in denen Gül noch klaren Entwicklungsbedarf hat. Er neigt dazu, den Ball zu lange zu halten, was zu Ballverlusten im entscheidenden Moment führen kann, und seine Abschlussgenauigkeit ist nicht immer konstant auf höchstem Niveau – Kritiker bemängeln gelegentlich Probleme bei der Feinabstimmung im Abschluss und einen noch ausbaufähigen linken Fuß.

Defensiv leistet er zwar Pressing, trägt aber insgesamt wenig zur Rückwärtsbewegung bei und vermeidet harte Zweikämpfe eher, was ihn in manchen Phasen des Spiels weniger präsent wirken lässt. Zudem muss er noch an seiner Passgenauigkeit arbeiten, da 65,6 Prozent ausbaufähig sind, wenn es darum geht seine Mitspieler in Szene zu setzen, was auch erklärt warum Gül nur wenige Torvorlagen aufweisen kann.

Insgesamt überwiegen bei dem erst 21-Jährigen die Stärken in der Physis und Präsenz, die ihn zu einem spannenden Profil machen, während die Schwächen vor allem in der Feinabstimmung, der Konstanz und der defensiven Disziplin liegen. Mit mehr Spielpraxis bei Porto und gezieltem Training könnte er diese Lücken schließen und sein enormes Potenzial voll ausschöpfen.

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Foto: IHA

Kann Deniz Gül der Gamechanger für die Türkei bei der WM 2026 sein?

Mit bereits zwei Toren in acht Länderspielen für die Türkei – darunter ein bemerkenswertes Tor gegen Spanien in der WM-Qualifikation – hat Gül gezeigt, dass er auf internationalem Parkett mithalten kann. Er wurde von Nationaltrainer Montella in den Kader für die WM 2026 berufen und bringt genau das mit, was der türkischen Offensive oft fehlt: einen großgewachsenen, physischen Mittelstürmer mit Torjägerqualitäten und einem guten Spiel mit dem Rücken zum Tor.

Ob er zum echten Gamechanger wird, hängt sicherlich von seiner aktuellen Form ab. Sollte Montella ihm, wie in den letzten beiden Testspielen weiter vertrauen, könnte er die Türkei mit seiner Präsenz im Strafraum und seiner Mentalität enorm bereichern – vor allem in entscheidenden Momenten, wo Leidenschaft und physische Durchsetzungskraft gefragt sind.

Durch Güls Fähigkeiten den Ball festzumachen und Gegenspieler zu binden, würden, selbst wenn er wie gegen Venezuela nicht trifft, das nachrückende offensive Mittelfeld enorm profitieren. Eine ähnliche Rolle nahm ein Giroud bei WM 2018 ein. Die Franzosen gewannen das Turnier. Giroud erzielte nicht einen Treffer, hatte jedoch einen großen Anteil am Titel durch seine physische Präsenz, da er die Bälle festmachte und die Räume für Mbappé und Griezmann öffnete. Er ist ein klassisches Beispiel dafür, dass Stats nicht alles erzählen.

Gül ist noch jung, hat jedoch enormes Potenzial und verkörpert einen ähnlichen Spielertypen wie Giroud. Die WM 2026 bietet ihm die Bühne, um zu beweisen, ob der „türkische Wikinger“ (wie er manchmal genannt wird) der entscheidende Faktor werden kann, der das Angriffsspiel der Türken auf ein neues Level hebt, dass selbst der Erfolg bei der EM 2024 diesen Sommer übertroffen werden kann.

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