Vertikalpass
·10. September 2026
Der Unterschätzte

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„Bin ich hier unerwünscht?“ – die Frage, die sich Ermedin Demirovic während der Sommertransferphase stellte, war nicht unberechtigt. Der VfB wollte ihn unbedingt zu Geld machen, um die Vorgabe aus dem Aufsichtsrat zu erfüllen. Und viele glaubten, er passe nicht zum feinfüßigen Spiel des VfB. Zu grobmotorisch sei er, zu wenig Spielverständnis habe er, so die vorherrschende Meinung.
Beim 3:1-Auftakt in der Champions League gegen Viking Stavanger hatte Medo wenig Interesse an dieser Frage. Er machte drei Tore, schaute in die Runde und fragte: „War was?“
Denn es ist nicht die Frage, ob Demirovic zum VfB passt. Es ist die Frage: Wird Demirovic im Spiel des VfB richtig eingesetzt?
Gegen die Norweger hat man gesehen: Der VfB und Demirovic, das passt einfach. Emotional tat es das schon immer. Der Mittelstürmer ist ein guter Typ, vertritt den Brustring mit viel Freude und hat ein großes Herz für den VfB. Jetzt passt’s auch spielerisch. Denn man muss wissen:
Ermedin Demirovic will den Ball nicht am Fuß haben, er will ihn in den Fuß gespielt haben.
Alle drei Tore bewiesen das eindrucksvoll: Wenn’s geht, dann one-touch, wie beim 1:0. Mit Dynamik wie beim 2:1, nach spektakulärer Vorarbeit von Deniz Undav. Oder bissle wühlend, mit einem Gegenspieler im Rücken, wie beim 3:1, das ebenfalls Undav aus dem Fußgelenk vorbereitete. Medo ist ein Finisher, ein Strafraumspieler, man muss ihm den Ball servieren, dann wird er wertvoll für das VfB-Spiel.
Die Verbindung Demirovic-Undav ist dabei besonders. Das war schon immer eine Bromance, aber Undav versteht in erster Linie, was sein Buddy braucht, wie er ihn anspielen muss. So wie Undav überhaupt das Spiel wie wahrscheinlich kein anderer in der Mannschaft versteht, ausser Ange Stiller vielleicht. Der Kapitän vereint vieles von dem, was Demirovic nicht unbedingt kann: Er kann sich fallen lassen, kombinieren, Bälle sichern, Räume öffnen und seine Mitspieler einsetzen. Medo dagegen ackert, läuft an, wirft sich rein, sprintet, was nicht unbedingt die Kernkompetenz von Undav ist. Und genau deshalb ist die Kombination Demirovic-Undav für den VfB so wertvoll.
Was auf Demirovic nicht zutraf, galt aber für das Team: Das geht besser!
Denn man hatte den Eindruck, der VfB nahm die Norweger nicht wirklich ernst, spielte manchmal ohne Fokus, ohne Spannung, oft unkonzentriert, vielleicht sogar ein bisschen überheblich. Das waren wohl die Phasen, mit denen Sebastian Hoeneß „nicht ganz einverstanden ist“ und auch Demirovic befürchtet: „Ich glaube, der Trainer war nicht ganz zufrieden“.
Bälle wurden hergeschenkt oder unpräzise gespielt, was Stavanger entgegen kam. Der Außenseiter machte die einfachen Dinge einfach gut. Hoch und weit, zweite Bälle holen, in die freien Räume stoßen, die ihm der VfB ließ – wie beim 1:1, als Finn Jeltsch zu zögerlich zum Ball ging und sich offensichtlich auf Jeff Chabot verließ. Auch der eine oder andere Konter würde von einer Mannschaft wie Lille, Brügge oder Eindhoven besser ausgespielt, von Atletico Madrid und Inter Mailand wollen wir da gar nicht sprechen.

Medos drittes Tor innerhalb von 12 Minuten, womit er sich in die Geschichtsbücher des VfB einträgt!
Der VfB hat also noch Aufgaben für die Saison und für die Champions League. Wenn die Mannschaft aber ihre spielerische Qualität mit der Konsequenz verbindet, die Demirovic vor dem Tor gezeigt hat, wird es für jeden Gegner ziemlich unangenehm.
Und zurück zur Ausgangsfrage, Medo: Du bist hier ausdrücklich erwünscht! Als Typ und als Spieler!
Zum Weiterlesen: Rund um den Brustring meint „Die offensive Qualität der Mannschaft im Brustring kaschierte einige Lücken“ und sieht Schwierigkeiten mit der Balance.
Bilder: Alex Grimm/Getty Images







































