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·9. Februar 2026
Der VAR braucht keine Abschaffung, aber dringend mehr Augenmaß

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·9. Februar 2026

Nach dem 2:1 von RB Leipzig beim 1. FC Köln sorgt eine VAR-Entscheidung für Unmut. Ein klares Handspiel wurde wegen Abseits nicht geahndet.
Der Videobeweis sollte Gerechtigkeit schaffen. Was er stattdessen produziert, ist eine Mischung aus Frustration, Unverständnis und dem Gefühl, dass Fußball manchmal nur noch ein Ratespiel ist. Die Szene beim 2:1 von RB Leipzig in Köln liefert dafür ein Paradebeispiel.
Christoph Baumgartner rettet auf der Linie, spielt den Ball dabei erst mit dem Bein, dann mit dem Arm. Das Handspiel ist offensichtlich, der Österreicher gibt es selbst zu. Er hätte sich nicht beschweren können, sagt er, wenn Elfmeter gegeben worden wäre. Doch der Elfmeter bleibt aus. Nicht etwa, weil das Handspiel als regelkonform bewertet wurde, sondern weil der VAR eine Abseitsposition von Kölns Sebastian Sebulonsen erkannte, die durch einen unkontrollierten Kopfball von David Raum aktiv geworden sein soll.
Hier beginnt das Problem. Der Fußball hat sich in eine Welt manövriert, in der Millimeterentscheidungen über Sieg und Niederlage bestimmen. Wo nicht mehr die eigentliche Szene bewertet wird, sondern eine Vorstufe, die kaum jemand im Stadion wahrgenommen hat. Tom Krauß sagt, er könne darüber nur lachen, das seien keine Millimeter. Jan Thielmann spricht von einer Frechheit. Beide haben Recht, emotional betrachtet.
Doch das Regelwerk gibt Schiedsrichter Frank Willenborg vermutlich Deckung. Die Frage ist nur: Wem nützt ein System, das technisch korrekt sein mag, aber jedes Gefühl für Verhältnismäßigkeit verloren hat? Ein Handspiel auf der Linie, das ein sicheres Tor verhindert, wird durch eine Abseitsentscheidung im Zentimeterbereich aufgehoben. Das mag regelkonform sein. Gerecht fühlt es sich nicht an.
Der VAR wurde eingeführt, um krasse Fehlentscheidungen zu korrigieren. Stattdessen schafft er neue Streitfälle, die komplizierter sind als die ursprünglichen. Die Technologie ist präzise, aber sie macht den Fußball nicht besser. Sie macht ihn kleinteiliger, juristischer, kälter.
Baumgartner selbst räumt ein, dass Leipzig diesmal Glück hatte, nachdem der VAR dem Team zuletzt mehrfach geschadet habe. Diese Aussage zeigt das ganze Dilemma: Der Videobeweis ist zur Lotterie geworden. Mal profitiert man, mal nicht. Eine Linie, die Gerechtigkeit garantiert, ist das nicht.
Köln muss die Niederlage akzeptieren und weitermachen, wie Thielmann richtig sagt. Aber die Frage bleibt: Wie lange akzeptieren Spieler, Trainer und Fans noch ein System, das mehr Verwirrung stiftet als Klarheit schafft? Der VAR braucht keine Abschaffung, aber eine grundlegende Reform. Weniger Kleinkrämerei, mehr Augenmaß. Sonst verliert der Fußball etwas, das keine Technologie ersetzen kann: das Vertrauen in faire Entscheidungen.









































