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·13. März 2026

Der VfB ist international einfach zu nett

Artikelbild:Der VfB ist international einfach zu nett

Es gab einige Experten wie Jamie Leweling, Sami Khedira und Lothar Matthäus, die ernsthaft glaubten, der VfB könnte die Europa League gewinnen. Da mag wohl mehr Sympathie als wirkliche Expertise dahinter gesteckt haben. Denn das Spiel gegen Porto hat erneut gezeigt: Der VfB ist dem Top-Niveau in internationalen Spielen nicht gewachsen.

Der FC Porto ist eine Herausforderung. Fairness und Respekt kennen die Portugiesen nicht. Sportsgeist ein Fremdwort. Sie lagen mehr auf dem Boden als dass sie Fußball spielten, es werden von den Blauen die Grenzen der Unsportlichkeit ausgetestet. Der VfB nahm den Battle erst mit Verzögerung an, ließ sich durch die Mätzchen des Gegners immer aus dem Konzept bringen. Wie schon gegen Instanbul und Rom. Das erhöht für das Auswärtsspiel in Porto nicht gerade die Hoffnung auf einen Sieg und ein Weiterkommen. Auch wenn die Stimmen der Spieler nach der Partie trotzig waren (“Jetzt sind wir dran!”).


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Porto ist alles andere als sympathisch, aber das sind Spitzenmannschaften selten. Hinten stabil, nach vorne klar und fokussiert, viel Theatralik, viel Schauspiel, viel Shitplay, was den VfB verwirren sollte. Aber das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass Porto viel schneller war: Vorne bei Ballgewinn mit mehr Mann nachgerückt, hinten stets mit mehr Spielern hinter dem Ball. Blau immer in den wichtigen Zonen in Überzahl. Natürlich war Porto eklig und fies, aber der 30-malige Meister präsentierte sich im Neckarstadion als die bessere Mannschaft. Taktisch, mental, fußballerisch.

Der VfB zeigte sich nicht als das Team, dass sich das alles nicht bieten lässt. Die Mannschaft nahm die Provokationen hin, stand dem Auftreten der Portugiesen fast hilflos gegenüber, agierte mit Fouls wie von Bilal El-Khannouss oder Ermedin Demirovic dazu noch extrem unclever (was in der Fußballsprache das Wort für dumm ist).

Der Mannschaft fehlte Attitüde, Ellenbogenmentalität und diese gewisse Drecksackigkeit. Aber so ist die Mannschaft von Hoeneß nicht: sie will spielen, sie kann auch kämpfen, ja, aber sich auf ein unwürdiges Spiel einlassen und mit den gleichen Mitteln zurückschlagen, das kann sie nicht. Sie versucht es im Guten und das ist an sich auch gut. Aber dadurch verliert sie Spiele gegen Ekel-Teams wie Porto, Istanbul und Rom.

Mit nett sein kommt man nicht weiter. Es scheint, als ab nur Deniz Undav das in der Mannschaft begriffen hätte. Das zeigte er auf dem Spielfeld aber auch danach, als er forderte, “sich nicht alles gefallen lassen. Dann kannst du gegen die gewinnen. Fußballerisch sind sie nicht besser als wir.“ Elf Undavs benötigt der VfB, um in Porto das Viertelfinale der Europa League zu erreichen. Schon nach den Spielen in Istanbul und Rom wurde analysiert, dass dem VfB gegen dieser Art von Fußball die Mittel fehlen – in erster Linie emotionaler Art. Sehen wir in Porto endlich einen Lerneffekt?

Die Mannschaft sollte sich ein Beispiel am Stadion nehmen. Die Zuschauer waren war laut, wild, emotional. Die Fans waren nicht gewillt, das provokante Auftreten des FC Porto hinzunehmen. Das Stadion wehrte sich. Das wollen wir in Porto von der Mannschaft sehen. Grundlage für einen Erfolg wird dabei auch sein, Fehler zu vermeiden wie bei Jeff Chabot im Aufbau, wie beim Hinterhertraben von Atakan Karazor oder beim weitem Flugball von Alex Nübel, der zur Torvorlage wurde, weil ihm noch vor der Mittellinie die Luft ausging.

Eine Mannschaft ist immer auch ein Abbild ihres Trainers. Und das Team spielt so nett wie Sebastian Hoeneß ist. Das ist natürlich sympathisch und ich würde nie wollen, dass der VfB so auftritt wie Porto. Aber gegen eine solche Mannschaft gewinnst Du dann eben nicht.

Zum Weiterlesen: Rund um den Brustring ordnet das Spiel ein: “Wir spielen ein Achtelfinale im UEFA-Pokal. Das ist keine Normalität. Und auf diesem Level trifft man auf Mannschaften, die alles — wirklich alles — tun, um weiterzukommen.“ Gleichwohl wäre mehr drin gewesen, wenn sich der VfB nicht zum “zigsten Mal alleine in diesem Kalenderjahr ein Tor fängt, dass man gut und gerne als Eigentor deklarieren kann.”

Die Süddeutsche Zeitung meint: “Wo immer dieser neue VfB auf dem Kontinent vorbeischaut, hinterlässt er erstaunte Beobachter, die den Spielstil von Team und Trainer loben und preisen.“ An Grenzen würde der VfB aber stoßen, wenn es gegen Kaliber wie Istanbul, Rom oder Porto (1:2) geht – “lauter abgebrühte Eine-Chance-ein-Tor-Mannschaften, die auf diesem Niveau über einen erheblichen Vorsprung an Dienstjahren verfügen und diese Betriebsroutine mit gerissenem Spiel sichtbar machen können.“

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

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